Afghane Danial M. im Kirchenasyl Eine bemerkenswerte Allianz setzt sich für Danial ein, auch der CSU-Bürgermeister ist dabei

Neben dem Trainer setzt sich eine bemerkenswerte Allianz dafür ein, dass der Afghane in Deutschland bleiben darf. Kurz vor der Landtagswahl im Oktober könnte der Fall Danial M. knifflig werden für den aus Franken stammenden CSU-Ministerpräsidenten Markus Söder, der an diesem Dienstag Bayreuth besucht. Nicht nur der lokale SPD-Landtagsabgeordnete hat sich eingeschaltet, sondern auch die örtliche CSU - und höchste kirchliche Vertreter.

Die evangelische Regionalbischöfin Dorothea Greiner kritisiert, dass Danial von seiner Familie getrennt werden würde - in Afghanistan hat er keinerlei Angehörige mehr. Greiner weist darauf hin, dass der junge Mann in Afghanistan als Hazara in besonderer Gefahr schweben würde.

Bambergs katholischer Erzbischof Ludwig Schick nennt es "unverständlich und unverantwortlich", den gut integrierten Afghanen unter diesen Umständen in ein Land zu schicken, das er kaum kennt und in dem er keine Angehörigen mehr hat. Die Behörden müssten "noch einmal genau den Asylantrag prüfen", fordert Schick, zu dessen Erzbistum auch Bayreuth gehört.

Alexander Wunderlich, CSU-Politiker und Zweiter Bürgermeister der Gemeinde Neuenmarkt bei Kulmbach.

(Foto: Oliver Das Gupta)

Der Geistliche sendet eine Mahnung in Richtung Berlin und München: "Ziel unseres Staates, bei dessen Entstehen das Christentum Pate stand, darf nicht sein, möglichst hohe Abschiebezahlen zu erreichen." Einer von Erzbischof Schicks Domkapitularen, Peter Wünsche, hat unlängst nach 44 Jahren die CSU verlassen. Wünsche begründete seinen Parteiaustritt mit der harschen Asylpolitik: "Das geht mit meinem Wertesystem nicht zusammen."

In der CSU gibt es an der Basis Mitglieder, die den harten Asylkurs von Seehofer goutieren. Aber eben auch solche Wertkonservative, die - vorsichtig formuliert - den christlichen Markenkern der Partei anders leben als die Großkopferten, die sich damit begnügen, Kreuze in Landesbehörden aufzuhängen.

Zu den Wertkonservativen gehört auch Alexander Wunderlich, CSU-Mitglied und Zweiter Bürgermeister von Neuenmarkt, wo Danial bisher gelebt hat. Der derzeit amtierende Ortschef erzählt, wie sich die Bürgerschaft parteiübergreifend organisiert hätte, als die Flüchtlinge 2015 kamen: "Alle haben angepackt", sagt Wunderlich mit Stolz in der Stimme.

Wunderlich, der hauptberuflich Kreisgeschäftsführer des VdK in Kulmbach ist, hat Seehofer 2005 kennengelernt, als der für ein paar Monate dem Sozialverband in Bayern vorstand. Die jüngsten Witzeleien seines Parteichefs über die 69 Afghanen tadelt Wunderlich als "nicht so günstige Wortwahl", der Fall des ihm persönlich bekannten Danial M. löst bei ihm Kopfschütteln aus. Lokale Unternehmen würden "händeringend" nach Lehrlingen suchen - engagierte junge Menschen wie den Afghanen. "Gerade solche Leute wollen wir ja haben", sagt Wunderlich.

Hoffen auf Söder

Mit Blick auf Danials versäumten Duldungsantrag verweist er auf seine Arbeit beim VdK: "Jeden Tag kommen erwachsene Deutsche zu mir, um sich Anträge erklären zu lassen", sagt Wunderlich. "Und wir erwarten von Neuankömmlingen, dass sie auf Anhieb alle juristischen Forderungen meistern?" Man könne sich vorstellen, wie schlimm es Danial derzeit geht, sagt der Bürgermeister mit Blick auf die drohende Abschiebung.

Danials Schwester, eine selbstbewusste Frau mit langen braunen Haaren, ist dankbar, dass die Kirche ihren Bruder aufgenommen hat. "Muslime, Christen und Juden haben alle den gemeinsamen Stammvater Abraham", sagt sie. Danials Vater nickt. In brüchigem Deutsch sagt er, er habe immer alles dafür getan, dass sich seine Kinder in Freiheit entwickeln können. Dann schaut er nur noch stumm auf die Tischplatte.

Der Betroffene selbst wirkt nach außen gelassen. "Ich versuche positiv zu denken", sagt er, "aber abends, wenn ich im Bett liege, kommen schlechte Gedanken, dann kommt Angst." Vielleicht helfe ja Ministerpräsident Markus Söder, sagt der Afghane, inzwischen kennt er auch diesen Politiker.

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Das Auswärtige Amt zeichnet trotz kleiner Fortschritte ein pessimistisches Bild. Das Papier dürfte die Debatte um Abschiebungen in das Land am Hindukusch erneut anheizen.   Von Nico Fried, Berlin, und Bernd Kastner

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir fälschlicherweise berichtet, dass Alexander Wunderlich Zweiter Bürgermeister von Herrenberg sei. Er ist jedoch amtierender Rathauschef der bereits erwähnten Gemeinde Neuenmarkt.