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AfD-Kandidatin von Storch:Wegbegleiter werfen ihr Homophobie vor

Schließlich hatte sie schon 2004 ihr eigenes Netzwerk gegründet, die "Zivile Koalition". Mit einem Stamm von Mitarbeitern organisierte Storch gemeinsam mit ihrem Mann konservative Kampagnen. Seit dem Frühjahr 2010 mobilisierte sie vor allem im Internet Protest gegen das erste Rettungspaket für Griechenland. Über den angeblich enormen Umfang ihrer Adressenkartei und ihre vielen Kontakte und Geldgeber kursieren so viele Legenden, wie es Aussagen von Kritikern gibt, wonach all das eben doch nur Legenden seien. Auch ein konservatives Online-Magazin gehört zum Netzwerk, das sie und ihr Mann Sven von Storch unterhalten.

Schon im vergangenen Herbst kandidierte sie für die Bundestagswahl. Und obwohl Parteichef Lucke skeptisch war, wurde Storch von der Basis auf einen vorderen Platz für die Europawahl gesetzt. Vor ihrer Nominierung konzentrierte sie sich auf das Kernthema der AfD, "die Beendigung der sogenannten Euro-Rettung", wie sie es sagt, und den Einsatz für direkte Demokratie. Auch bei ihren Auftritten im Wahlkampf stehen der Euro und ihre Klagen über "zunehmenden Zentralismus der EU-Bürokratie in Brüssel" im Mittelpunkt. Ganz allgemein gibt die Juristin gerade noch ein Bekenntnis zum besonderen Wert der Familie ab. Und sie sei froh, sagt sie, dass die AfD das "Gendermainstreaming" abschaffen wolle.

Der Begriff "konservativ" bedeutet ihr nichts

Ihre Kritiker weisen freilich vor allem auf das hin, was sie derzeit nicht sage, vielleicht mit Rücksicht auf die Partei und die Wahlen. Im Januar zog sich in Berlin der Vorsitzende in Tempelhof-Schöneberg, der gerade erst gewählte AfD-Bezirkschef Franz Niggemann, zurück und trat gleich noch aus. Er wollte nicht mittragen, dass die Partei, insbesondere durch Beatrix von Storch, "den Weg in die Unfreiheit von rechts geht, mit starken Tendenzen, Randgruppen zu diskriminieren".

Andere einstige Wegbegleiter werfen Storch konkret Homophobie vor. Sie erinnern auch daran, wie drastisch sie im vergangenen Herbst den katholischen Bischof Robert Zollitsch attackierte, weil er die AfD kritisiert hatte. "Die Grünen wollen die Homo-Ehe. Und Sie warnen als katholischer Bischof nicht vor den Grünen?" schrieb sie. Er missbrauche sein Amt. Reaktionär? Konservativ? Beatrix von Storch sagt dazu, sie könne nichts mit dem Begriff "konservativ" anfangen.

Weder Schema links noch rechts

Er bedeute ihr nichts in einer Zeit, in der die pragmatische Kanzlerin Angela Merkel noch als konservativ gilt. "Ich bin wegen der Euro-Politik in der AfD, und die passt nun gar nicht in das Schema links oder rechts", erklärt sie. "Auch unsere Forderung nach Volksentscheiden ist weder links noch rechts. Das Menschenbild der AfD ist das des mündigen, selbstverantwortlichen Bürgers. Das wäre dann eine eher liberale Position." Und dann fällt ihr ein: "Andererseits habe ich beim Thema Bankenrettung bei der Analyse mit Sahra Wagenknecht viel mehr gemeinsam als mit der FDP."

Sie formuliert vorsichtig, schaut genau, ob sie die Parteilinie überschreitet. Ziemlich eindeutig ist ihre Position beim Thema Abtreibung, sie ist dagegen. Das sei für sie eine Gewissensfrage. "Und mein Gewissen sagt mir, dass auch dem ungeborenen Menschen Personenwürde zukommt. Da sind sich im Übrigen Juden, Muslime und Christen einig. Früher wäre man damit in den C-Parteien in der Mitte der Gesellschaft gewesen." So findet sie es abwegig, dass sie deshalb eine Fundamentalistin sein soll. "Ich bin Christ. Ich versuche, sonntags in die Kirche zu gehen. Es ist doch absurd, Kirchgänger als Taliban zu stilisieren."

Über den Verdacht, dass sie ihre tatsächlichen Standpunkte verberge, um die Partei zu unterwandern, lacht Storch. Sie hat doch so viel veröffentlicht. Sie erinnert an die Parteilinie. "Die AfD bekennt sich zu der christlich-abendländischen Werteorientierung. Das steht so ausdrücklich auch in unserem EU-Wahlprogramm. Der Vorwurf der Unterwanderung der Partei entbehrt also jeder Grundlage." Nicht nur die Kritiker in der eigenen Partei werden nach der Wahl erst recht genau hinhören.

© SZ vom 13.05.2014
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