Bürgermeisterwahl:AfD-Mann holt 60 Prozent in sächsischer Kleinstadt

Bürgermeisterwahl: Rolf Weigand, hier 2019 bei einer AfD-Wahlkampfveranstaltung.

Rolf Weigand, hier 2019 bei einer AfD-Wahlkampfveranstaltung.

(Foto: Patrick Pleul/DPA)

Die AfD erobert das nächste kommunale Amt - in Großschirma stellt sie künftig den Bürgermeister.

Von Iris Mayer, Leipzig

Mit großer Mehrheit haben die Bürger der sächsischen Kleinstadt Großschirma den AfD-Landtagsabgeordneten Rolf Weigand zum Bürgermeister gewählt. Der 39-Jährige kam schon im ersten Wahlgang am Sonntag auf 59,4 Prozent der Stimmen. Das Interesse an der Wahl war ausgesprochen hoch: Die Beteiligung lag bei knapp 74 Prozent. Weigand trat als Einzelbewerber gegen zwei weitere Kandidaten an. Er ist AfD-Mann der ersten Stunde, trat schon 2013 in die Partei ein, sitzt seit 2018 im sächsischen Landtag. Erst als Nachrücker, seit 2019 als direkt gewählter Abgeordneter. Seit 2019 sitzt er auch im Kreistag des Landkreises Mittelsachsen und im Stadtrat von Großschirma (5500 Einwohner).

Weigand kandidierte zum zweiten Mal für das Bürgermeisteramt, 2018 unterlag er dem FDP-Mann Volkmar Schreiter. Dessen Suizid im Herbst vergangenen Jahres hatte die vorgezogene Bürgermeisterwahl notwendig gemacht. In einer langen Reportage berichtete die Freie Presse vor einigen Wochen, wie sehr Schreiter auch unter Anfeindungen der AfD gelitten hatte.

In Sachsen, Thüringen und Brandenburg wird im September gewählt

Weigand, der an der Bergakademie Freiberg studierte und promovierte, hatte 2022 auch für das Amt des Landrats kandidiert und aus dem Stand 24,5 Prozent geholt. Von der Sächsischen Zeitung damals nach seiner Lektüre gefragt, nannte er "1984" von George Orwell. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Detlef Müller nannte das Ergebnis der Wahl am Sonntag beschämend, es mache ihn fassungslos.

Die AfD hatte im Dezember im sächsischen Pirna zum ersten Mal einen Oberbürgermeisterposten erobert. Der parteilose Tim Lochner hatte auf AfD-Ticket kandidiert, er trat vergangene Woche sein Amt an. Im thüringischen Sonneberg stellt die AfD einen Landrat, in Raguhn-Jeßnitz in Sachsen-Anhalt den Bürgermeister. In Umfragen für die Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg im September liegt die AfD in Umfragen deutlich vorn. Zuvor finden in neun Bundesländern, darunter allen Flächenländern im Osten, noch Kommunalwahlen statt. In Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt stuft der Verfassungsschutz die AfD als gesichert rechtsextremistisch ein.

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