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Ägypten:Ein Nationalheld mit dem "Stern des Sinai"

Die düstere soziale Bilanz dreier Jahrzehnte Mubarak verschleiert seine politischen Erfolge. Immerhin: Mubarak reparierte das Verhältnis zu den Russen, die sein Vorgänger Sadat aus dem Land geworfen hatte. Das war nur konsequent, denn als Luftwaffenoffizier hatte er an der Frunse-Militärakademie in Moskau studiert, bis heute spricht er gut Russisch.

Seinen Sohn Gamal wollte Hosni Mubarak zum Nachfolger aufbauen, doch der hat sich angeblich nun ins Ausland abgesetzt. Ob ihm der Vater bald folgt? Die überlebensgroßen Mubarak-Poster verschwinden schon aus Kairo und, hier im Bild, aus Alexandria.

(Foto: AP)

Militärische Ehren? Am Steuer eines Tupolew-Kampfflugzeugs zeichnete sich Mubarak im jemenitischen Bürgerkrieg aus, und nach dem Ramadan-Krieg von 1973 erhielt er aus den Händen Sadats als Nationalheld den höchsten Orden Ägyptens, den "Stern des Sinai". Mubarak war es auch, der Ägypten wieder mit den arabischen Staaten versöhnte, von denen das Land nach seinem Separatfrieden mit Israel gemieden wurde. Und er brachte die Arabische Liga nach Kairo zurück. Nie hat er dauerhaft israelischen Boden betreten. Erst zur Beisetzung des ermordeten Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin kam er für einige Stunden.

Das Private erklärt vieles: Mubaraks Frau Suzanne ist die Tochter eines Ägypters, ihre Mutter stammt aus Wales. Sie haben zwei Söhne: den älteren Ala-ed-Din und den 47-jährigen Gamal, den die Eltern zum Nachfolger trainierten. Von ihm heißt es, er habe sich bereits ins Ausland abgesetzt.

Nichts hat Mubarak und seine Familie so verhasst gemacht wie die schamlose Bereicherung, während die Mehrheit der Ägypter immer ärmer wurde. Nach algerischen und syrischen Quellen beläuft sich das Mubarak-Vermögen auf 40 Milliarden Dollar. Darunter sind Immobilien in Ägypten und im Ausland sowie Bankguthaben vorwiegend in den USA und in der Schweiz. Mubarak selbst soll an Kommissionen für Rüstungsaufträge sowie bei der Entwicklung des Tourismus in Scharm-el-Scheich auf dem Sinai und in Hurghada am Roten Meer kräftig verdient haben. Allein das Vermögen des Sohns Gamal wird auf 17 Milliarden Dollar geschätzt - alles versteckt auf Banken in der Schweiz, in Deutschland, in den USA und in Großbritannien. Es wäre also vorgesorgt.

© SZ vom 02.02.2011/jab
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