Los Angeles:"Es gibt viele Theorien, wir jedoch haben Unmengen an Beweisen"

Los Angeles: Das historische Fahndungsplakat des sogenannten Zodiac-Killers.

Das historische Fahndungsplakat des sogenannten Zodiac-Killers.

(Foto: Eric Risberg/AP)

Eine Gruppe von Hobby-Detektiven behauptet, das Rätsel um den "Zodiac-Killer" gelöst zu haben. Jetzt hat sich das FBI dazu geäußert.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Es ist ein Fall, der die Amerikaner seit mehr als 50 Jahren beschäftigt: Wer ist der Killer, der sich selbst "Zodiac" nannte und die Leute in der San Francisco Bay mit mehreren Morden sowie geheimnisvollen Anrufen bei der Polizei und verschlüsselten Botschaften an Zeitungen in Aufregung versetzte? Seit dem gleichnamigen Buch des Journalisten Robert Graysmith aus dem Jahr 1986, der als Mitarbeiter des San Francisco Chronicle den Mörder auf eigene Faust jagte, spätestens jedoch seit dessen Verfilmung durch David Fincher (Jake Gyllenhaal spielt Graysmith) ist dieser Fall im popkulturellen Mainstream angekommen, zumal die Polizei ihn noch immer als ungeklärt führt und die Akte geöffnet hält.

Es ist ein sogenannter "Cold Case", das bedeutet: Ohne neue heiße Spur dürfte kaum jemand aktiv werden.

Die gibt es nun vermeintlich, mal wieder: Eine Gruppe aus Hobby-Detektiven, die sich selbst "The Case Breakers" nennt, will "Zodiac" identifiziert haben.

"Es gibt viele Theorien, wir jedoch haben Unmengen an Beweisen", sagt Case-Breakers-Gründer Tom Colbert. Also: Schuhabdrücke an Tatorten, die zu den Stiefeln passen, die Gary Francis Poste, so der Name des vermeintlichen Mörders, als Mitglied der US Air Force getragen habe, in dieser Größe. Die Narben an seiner Stirn, die auf jedem Phantombild zu sehen sind. Die Aussagen von sechs Leuten, die bezeugen, dass Poste 2018, im Jahr vor seinem Tod, gestanden habe, der Zodiac-Killer zu sein: "Ich bin der Meinung, dass wir das Rätsel gelöst haben."

"The Case Breakers" ist eine Vereinigung mit Wurzeln in Los Angeles, seit der Gründung im Jahr 2011 ist die Zahl der aktiven Mitglieder auf mittlerweile mehr als 40 angewachsen: Privatdetektive, einstige Polizisten und Ermittler der Bundesbehörde FBI, ehemalige Soldaten, Vernehmungsbeamte, Anwälte. Ihr Ziel: möglichst viele dieser Cold Cases aufklären, laut FBI-Statistik gibt es in den USA mehr als 200 000 ungelöste Todesfälle.

Die Case Breakers wollen andere berühmte Fälle gelöst haben, zum Beispiel den des Flugzeugentführers D. B. Cooper (auch er wird immer wieder in Filmen und TV-Serien porträtiert). Oder das Verschwinden von Gewerkschaftsführer Jimmy Hoffa im Jahr 1975, der auch Verbindungen zur amerikanischen Cosa Nostra gepflegt hatte.

Ken Jennings, Pierre Bidou,Steve Armenta

21. Oktober 1969: Gipfeltreffen der Zodiac-Fahnder in San Francisco. Damals waren gerade mehrere Briefe, deren Urheber sich als der Zodiac-Killer ausgegeben hatte, an Zeitungen verschickt worden.

(Foto: AP)

Im aktuellen Fall gibt es Schuhe, Narben, Zeugen - zudem will das Team den Namen des vermeintlichen Täters in den Botschaften gefunden haben. Vor knapp einem Jahr hatten Hobby-Detektive aus den USA, Australien und Belgien die Botschaft mit dem Namen "340 Cypher" (weil sie aus 340 Zeichen besteht) geknackt, die der Killer im November 1969 an den San Francisco Chronicle geschickt hatte und die als das kniffligste seiner Rätsel galt. Das FBI bestätigte damals die Lösung, die Ermittlungen der Case Breakers hält die Bundesbehörde jedoch für weniger hilfreich, wie ein FBI-Sprecher USA Today mitteilte: "Der Fall gilt weiterhin als ungelöst. Aufgrund laufender Ermittlungen, aber auch aus Rücksicht vor den Opfern und deren Familien wird es keine weiteren Kommentare geben."

"Mein Name ist..."

Die Mordserie hatte im Dezember 1968 begonnen, sieben Monate später und nach zwei weiteren Morden rief Zodiac bei der Polizei von San Francisco an und verschickte die ersten Rätsel an drei Zeitungen in der Gegend. Einer seiner Botschaften lautete: "Ich hoffe, ihr habt großen Spaß dabei, mich zu jagen."

Und in der Botschaft vom 20. April 1970 schrieb er schließlich: "Mein Name ist...", es folgen 13 Symbole. Es heißt, dass dies nur mit Glück zu entschlüsseln sei - und selbst dann ist nicht gewiss, dass dies wirklich ein Hinweis auf den richtigen Namen ist.

Fünf Menschen hat Zodiac sicher getötet, Ermittler gehen von mehr als 20 Opfern aus, er selbst prahlt in einer seiner Botschaften mit 37. Eines der Opfer, heißt es immer wieder, soll Cheri Jo Bates aus Riverside sein, etwa eine Autostunde östlich von Los Angeles. Die Case Breakers wollen auch dafür Beweise gesammelt haben.

Die Reaktion der Polizei von Riverside vor wenigen Tagen: "Ist es möglich, dass der Verdächtige der Case Breakers den Mord von Bates begangen hat? Nein. Die haben ein paar Indizien vorgelegt, ansonsten ist das nicht viel."

© SZ/muth
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