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New York:Harvey Weinstein muss 23 Jahre ins Gefängnis

Filmproduzent Weinstein

Harvey Weinstein vor einem Gerichtsgebäude in Manhattan bei der Auswahl der Geschworenen in seinem Prozess.

(Foto: John Minchillo/dpa)
  • Der ehemalige Filmproduzent Harvey Weinstein ist zu einer Haftstrafe von 23 Jahren verurteilt worden.
  • Weinstein war bereits Ende Februar wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung an zwei Frauen für schuldig befunden worden.
  • Mehr als 80 Frauen werfen Weinstein sexuelle Übergriffe vor. Die Anschuldigungen gegen den Produzenten waren im Herbst 2017 der Anfang der MeToo-Bewegung.

Harvey Weinstein, der einstige Hollywood-Produzent und Filmmogul, muss für 23 Jahre ins Gefängnis. Das hat das New Yorker Gericht zwei Wochen nach dem Schuldspruch gegen den 67-Jährigen entschieden.

Unmittelbar vor der Verkündung des Strafmaßes richtete Weinstein sich US-Medienberichten zufolge zum ersten Mal seit Beginn des Prozesses selbst an Richter und Opfer. Er fühle Reue, sagte er, und versuche "ein besserer Mensch" zu sein. Vieles würde er heute anders machen, sich zum Beispiel mehr um seine Kinder kümmern, die er nun wohl nie wieder sehe.

Die zwei Frauen, auf deren Vorwürfen der Prozess beruhte, legten unter Tränen noch einmal ihre Sicht der Dinge dar. Mimi Haleyi zeigte sich nach der Verkündung des Strafmaßes erleichtert. Weinstein wisse nun, dass er "nicht über dem Gesetz" stehe. "Meine Vergewaltigung war vermeidbar", sagte Jessica Mann. "Ich bin gezwungen, diese Erfahrung in mir zu tragen, bis ich sterbe. Es ist ein wiederkehrender Albtraum, den ich für genauso real halte wie damals."

Die Staatsanwaltschaft hatte Richter James Burke im Vorfeld der Verkündung noch einmal zu einer harten Strafe aufgefordert. Weinstein habe jahrzehntelang Frauen missbraucht und zeige bislang keine Reue. Die Verteidigung hatte schon vor der Festlegung des Strafmaßes angekündigt, in Revision gehen zu wollen. Ihr Mandant sei überzeugt, dass sämtliche seiner sexuellen Beziehungen einvernehmlich gewesen seien. Weinsteins Chef-Verteidigerin Donna Rotunno bezeichnete die Haftstrafe als "obszön" und "lächerlich".

Die zwölfköpfige Jury hat Weinstein wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung an Haleyi und Mann für schuldig befunden. Sie sah es als erwiesen an, dass Weinstein im Jahr 2006 der ehemaligen Produktionsassistentin Miriam "Mimi" Haleyi in seiner Wohnung im New Yorker Stadtteil Soho Oralverkehr aufzwang. Außerdem wurde er wegen Vergewaltigung der früheren Schauspielerin Jessica Mann schuldig gesprochen, dieser Übergriff ereignete sich 2013 in einem Hotel in Manhattan. Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrer Anklage zwei Vergewaltigungsstraftatbestände aufgeführt, die Jury entschied sich für den minder schweren.

Nach dem Urteil war Weinstein nicht wie ursprünglich geplant sofort in das berüchtigte New Yorker Gefängnis Rikers Island gebracht worden, sondern wegen Schmerzen in der Brust und hohen Blutdrucks zunächst in ein Krankenhaus. Dort unterzog er sich Medienberichten zufolge einige Tage später einer Herzoperation, dann erst ging es nach Rikers Island.

Insgesamt werfen mehr als 80 Frauen Weinstein sexuelle Übergriffe vor. Die juristischen Kämpfe sind für ihn auch nach dem Verfahren in New York nicht zu Ende. In Los Angeles wurde er ebenfalls wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung angeklagt. Auch dort könnte es zum Prozess kommen. Davon abgesehen verhandeln seine Anwälte weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit zivilen Klägerinnen um Entschädigungen.

© SZ.de/dpa/mkoh/ick/feko
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