SZ-Kolumne "Bester Dinge":Stille Waschbären sind gewieft

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(Foto: Britta Pedersen/dpa)

Das Leben in der Stadt gleicht einem Kampf. Doch wer an die Ellbogengesellschaft glaubt, irrt: Schüchterne bringen es im Leben weiter, zumindest bei den Waschbären.

Von Violetta Simon

Die fortschreitende Urbanisierung lässt Mensch und Tier immer öfter unfreiwillig aufeinandertreffen. Wie frustrierend clever etwa Waschbären sein können, wissen die meisten Stadtbewohner in Nordamerika nur zu gut: Die nachtaktiven Raubtiere brechen in Garagen ein, klauen vermeintlich unerreichbares Futter aus Vogelhäuschen und plündern speziell konstruierte Mülltonnen, die für sie eigentlich nicht zugänglich sein sollen.

Doch was soll er machen, der Waschbär. Genau wie der Mensch muss er Essen ranschaffen und den Nachwuchs durchbringen, da braucht es - nein, kein Durchsetzungsvermögen. US-Forscher haben bei kognitiven Tests herausgefunden, dass ausgerechnet die schüchternen Waschbären das Leben in der Stadt besonders gut meistern. Die Wissenschaftler hatten erwartet, dass aggressive Tiere eher mit den Testgeräten interagieren würden, bei denen die Waschbären den richtigen Knopf drücken müssen, um Futter zu bekommen. Auch das städtische Wildtiermanagement hatte sich bisher immer auf die forscheren Exemplare konzentriert.

Doch es waren die Zurückhaltenden, die besser abschnitten: Während die Lauten sich umgehend über die unerwartete Hürde bei der Nahrungsbeschaffung erregten und die Forscher anzischten, beschäftigten sich die Stillen lieber mit dem Mechanismus der Belohnungsfutterknöpfe - und hatten den Dreh bald raus. "Womöglich sind sie auch diejenigen, die schnell lernen, wie man Hühner aus dem Stall holt oder in einen Dachboden einbricht", schließt eine der Autorinnen der Studie daraus.

Eine gute Nachricht für alle Schüchternen: Die Lauten bekommen die Aufmerksamkeit. Die Stillen den Speck.

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