Vorsichtige Reformen:Vorsichtige Öffnung beim Nationalfeiertag

Der Kampf für mehr Frauenrechte in Saudi-Arabien muss nach al-Scharifs Ansicht fortgesetzt werden. Man müsse genau beobachten, wie die Abschaffung des Fahrverbots eingeführt und umgesetzt werde. "Wir fordern nichts weniger als die vollständige Gleichberechtigung der Frauen", sagt al-Scharif. Damit spielt sie darauf an, dass Frauen für einige alltägliche Vorgänge noch immer die Zustimmung ihres Ehemannes brauchen. In jüngster Zeit wurde das Vormundschaftsrecht immerhin abgemildert. Frauen dürfen jetzt selbständig einen Arzt aussuchen, studieren oder eine Firma gründen.

Auch darüber hinaus gab es einige Lockerungen: Erst am vergangenen Wochenende begingen Männer wie Frauen den Nationalfeiertag erstmals gemeinsam tanzend auf der Straße. Frauen wurde außerdem Zutritt zu einem Sportstadion gewährt, wo sie - in einem für Familien reservierten Abschnitt - die Feierlichkeiten verfolgen konnten. Im Juli hatte das Bildungsministerium außerdem die Teilnahme von Mädchen am Sportunterricht staatlicher Schulen erlaubt.

"In der Vergangenheit haben wir oft einen Schritt in die richtige Richtung gemacht und zwei zurück. Das ist nun vorbei, nun geht es nur noch vorwärts", kommentiert die Politikerin al-Shaalani die Reformen. Einige Experten werfen den Machthabern in Riad vor, mit diesen Maßnahmen vom scharfen Vorgehen der Regierung gegen Kritiker ablenken zu wollen. Im September waren mehr als 20 Menschen festgenommen worden, unter ihnen einflussreiche Kleriker und Aktivisten.

Auch die 28-jährige Aktivistin Loujaine Hathloul saß im Gefängnis, weil sie Auto gefahren ist. 2014 wurde sie von saudischen Behörden verhaftet, weil sie die Grenze zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien am Steuer eines Wagens überqueren wollte. Sie verbrachte zwei Monate in Haft. Erst im Juni dieses Jahres wurde sie am Flughafen der saudischen Hafenstadt Damman erneut festgenommen. Offenbar wegen ihres Engagements in sozialen Medien. Als jetzt die Nachricht vom Ende des Fahrverbots öffentlich wurde, schrieb sie auf Twitter nur "Alhamdulilah", also: "Gott sei Dank".

Führerscheinnummer 0001

Aziza Alyousef, die an mehreren Frauenrechtskampagnien beteiligt war, sagte, ihr Dank gelte "allen Frauen in Saudi-Arabien, die seit den Neunzigerjahren auf ihre Rechte gepocht haben". Sie wolle sich nun so schnell wie möglich um eine Fahrerlaubnis bemühen. "Ich wünschte, meine Führerscheinnummer könnte die 0001 sein", sagte die Aktivistin.

Führerscheine für Fahrerinnen, so hat es die Regierung angekündigt, sollen ab Mitte 2018 ausgestellt werden, wenn die Details des Gesetzes ausgearbeitet sind. Doch so lange wollten einige Frauen nicht warten. Bereits wenige Stunden, nachdem die Entscheidung bekanntgegeben wurde, war in Online-Videos zu sehen, wie Frauen ihre Autos durch die Nacht lenkten.

(Mit Material der Nachrichtenagenturen)

© SZ.de/feko/leja
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