SZ-Kolumne "Bester Dinge":Livestream für den Weltfrieden

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In den Städten Vilnius und Lublin steht nun ein Betonring, der eine große Vision erfüllen soll: einen vereinten Planeten.

Von Veronika Wulf

Man kann diese Geschichte auf zwei Arten erzählen. Die erste: In Litauens Hauptstadt Vilnius steht jetzt ein etwa drei Meter hoher Betonring mit integriertem, rundem Bildschirm, über den man live in die polnische Stadt Lublin schauen kann und umgekehrt. Die zweite: Ein Mann steht im Dunkeln, als plötzlich gleißendes Neonlicht aufblitzt. Geblendet hebt er die Hand. Ein Ufo? Science-Fiction-mäßig trägt er schwarzen Mantel zu schwarzem Rolli. Schnelle Bilder zu pathetisch-sphärischer Musik: ein Embryo im Mutterleib, Mondlandung, Mauerfall, Wälder, Wolken, der Planet Erde.

Nein, in dem hier beschriebenen Video einer Wissenschaftsstiftung aus Vilnius geht es nicht um ein neues Handy oder einen neuen Kinofilm. Es geht um "Portal" aka den Betonring. Der Rollkragenmann in Vilnius winkt einer Frau im weißen Hosenanzug in Lublin, sie lächeln. Und damit die Dimensionen des von den beiden Städten geförderten, gemeinnützigen Projekts auch gleich mal klar sind, ist ein weltweites Netz zu sehen und das Video endet mit dem Schriftzug: "Portal - eine Brücke zum vereinten Planeten".

Man müsste sich nur noch durch diese Portale zueinander beamen können. Rollkragenpulli und Hosenanzug würden sich sofort verlieben, acht Kinder kriegen, nie streiten, wer dran ist mit Kloputzen, und glücklich sein bis ans Ende ihrer Tage. Banker würden mit Bettlern sprechen, Putin mit Biden, keiner müsste mehr fliegen, es gäbe keinen Krieg mehr, keine Klimakrise. Weltweit. Vereint.

Nun, vorerst sind es erst mal nur zwei Betondinger mit derselben Videofunktion eines Smartphones. Aber man darf ja noch träumen.

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