USA:Raub aus Langeweile

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USA: Brian Robinson, Footballprofi der Washington Commanders, hat den Angriff überlebt.

Brian Robinson, Footballprofi der Washington Commanders, hat den Angriff überlebt.

(Foto: Nick Wass/AP)

Jugendliche schießen in Washington einen angehenden Footballstar nieder, um an seinen Sportwagen zu kommen. Gewaltsame Autodiebstähle werden in der US-Hauptstadt immer häufiger.

Von Fabian Fellmann, Washington

Laut Donald Trump sind die Vereinigten Staaten dabei, "in die Hölle zu gehen". Der frühere Präsident zeigt bei seinen Reden gern auf Washington, das unter Führung der Demokraten zu einem Sündenpfuhl verkomme. Nun gab es in der Hauptstadt wieder einen Vorfall, der Trump gelegen kommt. Am Sonntag wurde der Footballprofi Brian Robinson auf einer beliebten Ausgehmeile durch zwei Schüsse niedergestreckt, als ihm zwei Jugendliche seinen Sportwagen rauben wollten, einen Dodge Charger Hellcat.

Die Verletzungen des 23-Jährigen stellten sich als nicht lebensgefährlich heraus. Robinson wurde ins Krankenhaus gebracht und erhielt noch am Sonntagabend Besuch vom Coach der Washington Commanders, die ihn kürzlich erst als Offensivspieler engagiert hatten. Die mutmaßlichen Täter wurden bisher nicht gefasst; die Polizei fahndet nach zwei Jugendlichen, die T-Shirts mit gelben Smileys trugen.

Der Angriff auf Robinson ist kein Einzelfall. In Washington werden im Durchschnitt mehrere Autos pro Tag geraubt, die meisten davon mit vorgehaltener Schusswaffe. Das Phänomen hat in vielen Städten des Landes stark zugenommen, doch stechen einige Polizeidistrikte der Hauptstadt heraus. Es sind vor allem jene, die mitten in der Gentrifizierung stecken. Dort cruisen teure Sportwagen an neuen Bars und Luxuswohntürmen vorbei. Doch Armut und Elend sind sicht- und spürbar nahe. In diesen Gegenden hat sich die Zahl der Autodiebstähle mit Waffengewalt im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt, nachdem sie schon im Vorjahr sprunghaft gestiegen war.

Jugendliche veröffentlichen auf sozialen Medien Videos ihrer Spritztouren

Der Beginn der Welle lässt sich genau verorten: April 2020, als die Covid-Ausgangssperre einsetzte. Einige Monate später gründete die Polizei ein Sondereinsatzkommando. Seither hat sich die Lage aber nicht beruhigt, was damit zusammenhängen dürfte, dass laut Polizeistatistik maximal ein Viertel der Fälle aufgeklärt wird. Die Täter, die gefasst werden, sind größtenteils Jugendliche. Sie veröffentlichen auf sozialen Medien Videos ihrer Spritztouren, einige lachen selbst dann noch, wenn sie von der Polizei gejagt werden.

Fachleute sind sich einigermaßen einig, wie dem Phänomen beizukommen wäre. Wegen der Pandemie verloren die Jugendlichen Zugang zu sämtlichen Freizeitangeboten. Die stehen zwar inzwischen wieder zur Verfügung, doch es seien dringend weitere Investitionen in Sozialarbeit nötig, damit Jugendliche eine Tagesstruktur hätten und eine Zukunftsperspektive erhielten.

Die Probleme sind vor allem in jenen Vierteln immens, in denen benachteiligte Gruppen leben, allen voran Afroamerikaner und Latinos. Fachleute berichten, dass sich die Traumata der jungen Menschen in ihrem Umfeld voller Gewalt, Drogen, Armut und Perspektivlosigkeit häuften. Dagegen mit Sozialarbeit anzukommen, ist anstrengend und langwierig.

Donald Trump hat, wie so oft, einen vermeintlich simpleren Lösungsvorschlag zu bieten: Er würde die Soldaten der Nationalgarde entsenden, sagt er, um die Hölle aufzuräumen.

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