Übergriffe in Köln Welche Rolle spielt die Herkunft?

Stokowski beschreibt auch ein Phänomen, das sich nun ebenfalls in Köln beobachten lässt: Häufig braucht es erst eine Vielzahl von Opfern, bis diese wahrgenommen werden. Mädchen und Frauen, die sich noch in der Silvesternacht in Köln Hilfe suchend an Polizisten wandten, schrieben hinterher in sozialen Medien, von überforderten Beamten mit einem "Passt halt auf Eure Wertsachen auf" abgespeist worden zu sein. Noch in einer Pressemitteilung am Neujahrsmorgen schrieb die Polizei von einer verhältnismäßig ruhigen Nacht in Köln. Erst, als sich immer mehr Frauen über soziale Medien zu Wort meldeten, äußerten sich plötzlich Polizei und die Kölner Politik.

Ernst genommen wurden die Opfer also schließlich - aber hat das nicht vielleicht auch damit zu tun, dass die Täter offenbar einen Migrationshintergrund haben? Das fragt zum Beispiel die taz: "Was wäre anders gewesen, wenn es sich bei den Tätern nicht um 'nordafrikanische', sondern um urdeutsche Männer gehandelt hätte?" Die taz glaubt: Für die betroffenen Frauen nicht viel, für die Öffentlichkeit jedoch so einiges.

Was hat die Herkunft mit den Taten zu tun?

Andere verweisen auf Großveranstaltungen wie das Oktoberfest oder den Karneval, wo es auch seitens herkunftsdeutscher Männer in trauriger Regelmäßigkeit zu Übergriffen auf Frauen käme. Übergriffe, die ohne große öffentliche Empörung seit Jahren als lästige Begleiterscheinung hingenommen würden. Trinkt halt nicht so viel, Mädels, heiße es da oft. Von sexueller Gewalt hinter verschlossenen Türen, im privaten Umfeld ganz zu schweigen.

Die Diskussion über die Täter von Köln erinnert außerdem an den Umgang mit islamistischen Terroranschlägen: Welchen Einfluss haben ihre Religion und Herkunft auf derartige Taten? Die Antwort ist: Sie spielen eine Rolle, weil sie zur individuellen Biografie der Täter gehören - wer sie wie erzogen hat, wo und wie sie aufgewachsen sind, was sie erlebt haben, wie sie heute leben.

Automatisch zu Verbrechern machen diese Faktoren Menschen allerdings nicht. Sie dienen übrigens auch nicht als Entschuldigung für ihre Taten: Verbrecher müssen verfolgt und verurteilt werden, ganz gleich aus welchem Land sie sind, welcher Religion sie angehören oder was sie erlebt haben. Dass die Täter von Köln vermutlich im Nachhinein nicht mehr ermittelt werden können, lässt diese Forderung jedoch im konkreten Fall wie blanken Hohn wirken.

Übergriffe in Köln Ein robustes Nein
Sexuelle Gewalt

Ein robustes Nein

Die Silvester-Ausschreitungen von Köln und Hamburg sind unerträglich. Die Häme und der Hass im Internet sind es auch. Was nun zu tun ist.   Kommentar von Heribert Prantl

Zusammenhang zwischen mangelnder Integration und Kriminalität

Und ja, es gibt einen Zusammenhang zwischen fehlender Integration und Kriminalität. Das zeigten bereits die Neukölln-Debatten vergangener Jahre. Dieser Zusammenhang ist gerade besonders wichtig, da so viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen, wie seit Jahrzehnten nicht - Menschen, deren Integration noch bevorsteht. Was Integration überhaupt bedeutet, dass sie keine reine Bringschuld der neuen Deutschen ist, ist schon wieder eine ganz andere Debatte.

Wer nun aber aus den Ereignissen in Köln schließt, "die Migranten" seien eine Gefahr, wer gar fordert, wegen der Gewalttaten den Zuzug von Flüchtlingen grundsätzlich zu beschränken, der verfällt in plumpen Rassismus. Denn er nimmt damit Menschen nicht-deutscher Herkunft für die Taten einzelner Männer in Haftung, die die Rechte von Frauen missachten. Ganzen Volksgruppen deswegen das Grundrecht auf Asyl abzusprechen, ist nicht nur rassistisch, sondern schlicht nicht vereinbar mit den europäischen Werten, auf die sich Kommentatoren aller politischen Richtungen so gern berufen.