Überflutungen in Brasilien Rio unter Wasser

Schwere Regenfälle und Erdrutsche haben in Brasilien mindestens 95 Menschen in den Tod gerissen. Betroffen waren vor allem Slumsiedlungen in der Hauptstadt Rio.

Heftige Regenfälle und hunderte Erdrutsche haben in Rio de Janeiro und Umgebung mindestens 95 Menschen getötet. Viele werden noch vermisst, die Rettungskräfte rechnen mit noch mehr Opfern. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva sah sich sogar genötigt, Befürchtungen entgegenzutreten, die Fußball-WM im Jahr 2014 oder die Olympischen Spiele 2016 seien durch derartige Unwetter gefährdet.

Allein in der Stadt Rio wurden 35 Tote gezählt. In der Millionen-Metropole herrschte Chaos. Autos und Busse blieben in den Wasserfluten stecken. Bäume knickten um. Der Strom fiel aus.

In einigen Teilen der Stadt am Zuckerhut fiel binnen zwölf Stunden doppelt so viel Regen wie sonst im gesamten April - und Meteorologen sagten weitere Niederschläge voraus. Betroffen waren vor allem Slumsiedlungen an den steilen Hängen über der Stadt. Dort wurden Holzhütten und Häuser aus Beton von den abrutschenden Schlammmassen weggerissen. Allein in Rio wurden 140 Erdrutsche gemeldet, bei denen in 26 Fällen Häuser unter den Geröllmassen begraben wurden.

10.000 Häuser in Risikogebieten

Rios Bürgermeister Eduardo Paes sprach am Dienstag von "absolutem Chaos". Nach seinen Worten gibt es mehr als 10.000 Häuser in Risikogebieten. Die Stadtverwaltung hatte bereits vor Monaten einen Abrissplan für diese Gebäude verkündet. Alle wichtigen Straßen der Stadt seien blockiert, sagte Paes. Rund 3000 Feuerwehrleute und 4000 Mitarbeiter der Stadtreinigung seien im Einsatz. Er mahnte die Einwohner, ihre Wohnungen nicht zu verlassen und vor allem nicht mit dem Auto zu fahren.

Die Cariocas, wie die Einwohner Rios heißen, mussten streckenweise durch hüfthohes Wasser stapfen. Autos standen bis über die im Wasser, Bäume knickten um und blockierten Straßen und Kreuzungen. Es gab kilometerlange Staus, Fahrer mussten stundenlang in ihren Wagen ausharren. Auf beiden Flughäfen kam es zu erheblichen Verspätungen. In Rio fiel der Unterricht in Schulen und in Universitäten wegen des Regens aus.

Das Unwetter bekam auch Präsident Lula zu spüren, der am Dienstag das Programm seines Rio-Besuches ändern musste. Er sagte den Behörden jegliche Hilfe zu. Zugleich betonte er, dass derart starke Regenfälle außergewöhnlich seien. "Es regnet nicht jeden Tag, wie es auch nicht jeden Tag Erdbeben in Haiti oder Chile gibt. Normalerweise sind die Monate Juni und Juli ruhiger." Rio bereite sich darauf vor, in den Sommermonaten 2014 und 2016 Fußball-WM und Olympische Spiele auszutragen.

Im Video: Nach heftigen Überschwemmungen und Erdrutschen im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro ist die Zahl der Todesopfer weiter gestiegen.

Weitere Videos finden Sie hier