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TV-Debatte zur US-Wahl:Trump begeistert rechte Hassgruppe

Aufmarsch von Rechtsextremen in den USA

Aggressiver Männerklub: Mitglieder der Proud Boys bedrohen in Kalamazoo, Michigan, einen Gegendemonstranten.

(Foto: dpa)

"Haltet euch zurück und haltet euch bereit" - ein Satz des US-Präsidenten während der TV-Debatte an die rechte Schlägertruppe "Proud Boys" empört das liberale Amerika.

Von Thomas Hummel

Donald Trump hat in der äußerst rechten Szene Amerikas Begeisterung ausgelöst. Angesprochen auf die gewaltbereite rechte Gruppe "Proud Boys" sagte der US-Präsident während der TV-Debatte mit seinem Herausforderer Joe Biden: "Stand back and stand by" - "haltet euch zurück und haltet euch bereit". Trump fuhr fort, jemand müsse etwas gegen die Antifa und die Linken unternehmen. Laut Medienberichten hat die Gruppe in Messenger-Diensten diese Aussagen als "historisch" gefeiert und als Aufforderung verstanden. Es sei bereits ein Anstieg von "neuen Rekruten" zu beobachten.

Der Moderator der Debatte, Chris Wallace, hatte ihn zuvor mehrfach gefragt, ob er die Ideologen einer Überlegenheit der weißen Rasse ("white supremacists") sowie militante Gruppen verurteile, auch Biden forderte ihn dazu auf. Trump antwortete mit einer typischen "Ja, aber"-Strategie. Er sei dazu bereit, sehe aber nur Probleme bei Linksradikalen. Er wolle alles für den Frieden tun, wisse aber nicht, wen genau er verurteilen solle.

Trumps Aussagen sorgten bei seinen Gegnern und vielen Beobachtern für Empörung. Die "Proud Boys" beschreiben sich selbst als "eine prowestliche brüderliche Organisation für Männer" oder auch "westliche Chauvinisten". Die Gruppe gründete sich als Antwort auf die #Metoo-Debatte, Feindbild ist die "politisch korrekte linke Elite".

Äußerlich grenzen sich die Männer von typischen Rechtsradikalen ab, viele kommen eher mit Hippster-Bärten und modernen Kurzhaarschnitten daher. Zudem weisen sie öffentlich den Vorwurf zurück, sie seien Rassisten, folgen aber wie Trump der "Ja, aber"-Logik. Etwa gegenüber Juden, Muslimen oder Schwarzen. Jeder, der andersartig ist, ist zumindest seltsam. Zuletzt schlossen sich laut Medienberichten zunehmend Exil-Kubaner und Exil-Venezolaner der Gruppe an in ihrem Hass auf die politische Linke. Sie befürworten Gewalt und waren zuletzt mehrfach involviert in handfeste Auseinandersetzungen rund um die "Black Lives Matter"-Proteste in den USA nach der Tötung des Schwarzen George Floyd durch einen Polizisten.

Kürzlich riefen die "Proud Boys" zu einer Pro-Trump-Kundgebung in Portland auf, wo zuvor die Proteste gegen Polizeigewalt gegen Schwarze besonders stark waren. Statt wie erhofft Tausende erschienen aber nur 200 Demonstranten, einige waren allerdings mit Gewehren bewaffnet. Jo Ann Hardesty, demokratische Stadträtin in Portland, beschuldigte die "Proud Boys" und andere rechte Gruppen, Chaos und Unfrieden erzeugen zu wollen. "Das müssen wir stoppen", sagte sie.

Die Bürgerrechtsbewegung Southern Poverty Law Center bezeichnet die "Proud Boys" als Hassgruppe. Facebook und Twitter sperrten in den vergangenen Jahren mehrfach ihre Profile. Jonathan Greenblatt, Vorsitzender der Anti-Defamation League, die sich gegen die Diskriminierung von Juden in den USA einsetzt, schreibt auf Twitter: "Die Proud Boys sind ein bösartiger Teil des amerikanischen Rechtsextremismus." Trump schulde Amerika eine sofortige Entschuldigung oder Erklärung.

Trumps Wahlkampfteam hingegen betonte, dass der Präsident weiße Rassisten seit Jahren wiederholt verurteilt habe. Sein Sprecher Tim Murtaugh sagte, Trump habe das auch in der Debatte zwei Mal getan. Außerdem habe er in der vergangenen Woche angekündigt, den berüchtigten Ku-Klux-Klan zur terroristischen Vereinigung zu erklären, mehr Klarheit könne man nicht erwarten. Trump will im Zuge dessen auch die Antifa als Terrorvereinigung einstufen, woraufhin FBI-Direktor Christopher Wray erklärte, diese sei keine Organisation, sondern eher eine Ideologie oder Bewegung.

© SZ/mcs
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