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Tropensturm "Irene" trifft New York:"Stehe ich hier richtig an für die Apokalypse?"

Ein Bürgermeister, der alle Register zieht, um die Bewohner seiner Stadt sturmreif zu machen, Händler, die Batterien zu Rekordpreisen verkaufen und eine Rentnerin, die ihre Nachbarn mehr fürchtet als "Irene": New York hat sich für einen gewaltigen Sturm gerüstet, doch der kam nicht. Eindrücke aus der Millionenmetropole.

Am Morgen um halb neun ist die Flut da. Unten im Battery Park, am Südzipfel von Manhattan, schwappt die graue Brühe knöchelhoch über den Kai, und einen halben Kilometer weiter nördlich läuft der Keller des Verizion Buildings voll. Aber sehr viel mehr Schaden, so scheint's, hat Irene nicht anrichten können im Herzen der Weltmetropole.

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Die New Yorker bereiteten sich auf eine Katastrophe vor - doch die blieb aus.

(Foto: AFP)

New York hatte sich für ein Armageddon gerüstet. Für "Irenegeddon". Nun, da die Pegel gegen Sonntagmittag langsam wieder sinken und der Himmel aufklart, atmen alle auf. Die U-Bahn-Schächte sind nicht abgesoffen, die Wall Street blieb verschont. "Lady Liberty", das Fährboot, liegt sicher vertäut am Ufer, und auch die Kräne über Ground Zero, wo die Stadt in exakt zwei Wochen ihres Traumas - des 11. September 2001 - gedenken wird, trotzen stolz dem bisschen Wind, das von Irene noch übrig ist.

Seit Donnerstag hatte Bürgermeister Michael Bloomberg alle Register gezogen, um seine New Yorker sturmreif zu bekommen. 370.000 Bürger erhielten - per Lautsprecherdurchsage und Flugblatt - die Nachricht ihrer Zwangsevakuierung. Und der Stolz der Stadt, die weltgrößte U-Bahn - 840 Meilen Gleise, 468 Stationen, sechs Millionen Passagieren täglich -, wird ab Samstagnachmittag präventiv stillgelegt. Stattdessen fahren mehr gelbe Taxis durch leere Straßen, mit Sonderrabatten in Krisenzonen.

Vorsicht statt Nachsicht, das ist New Yorks Motto. Mayor Bloomberg rüstete auf, auch rhetorisch: "Ab Montag können wir Witze machen - aber bis dahin ist dies eine Sache von Leben und Tod!" Der Bürgermeister mutiert zum allseitigen Lebensberater, rund um die Uhr.

Mit heiserer Stimme und müdem Blick trat Bloomberg noch einmal kurz vor Mitternacht vor die Kameras, für die nächste Lagemeldung: Nun, da Irene unmittelbare vor den Toren steht, sei es zu spät zu fliehen. "Jeder sollte drinnen bleiben, bis das Wetter besser wird. Jetzt müssen damit umgehen, was uns Mutter Natur bringt." Letzter Rat: "Geht weg von den Fenstern!" Zornesröte steigt in seinem Gesicht auf, als er kurz von den beiden Kajak-Freaks erzählt, die am Samstagabend vor Staten Island paddelten, in den hohen Wellen kenterten - und von der Polizei aus dem Wasser gezerrt werden mussten. Wer so agiere, gefährde nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das seiner Retter.

Tropensturm "Irene"

Menschenleere Metropole