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König von Thailand:Gekrönt auf dem Thron aus Feigenholz

Thailand König Rama X Krönung

Thailands gekrönter Monarch: Rama X. auf seinem Thron.

(Foto: dpa)

Bei der Krönung von Rama X. treffen jahrhundertealte Riten auf der einen Seite und Alltagssorgen des Volkes auf der anderen aufeinander.

Von Arne Perras, Bangkok

Wasser, gesegnet und göttlich. So fängt alles an. König Rama X. tritt am Samstag um 10.22 Uhr aus dem Thronsaal in den sonnigen Hof, wo er sich einer ausgiebigen rituellen Reinigung unterzieht. Der Monarch ist in ein weißes Tuch gehüllt, wie Fernsehbilder in einer Live-Schaltung zeigen. Er tritt an ein goldenes Tischchen, das Gaben für die Götter bereithält, Blumen und Früchte. Der 66-Jährige entzündet Kerzen und Räucherstäbchen, dann nimmt er unter einem spitzen goldenen Dach Platz, das auf vier Säulen ruht. Dann regnet heiliges Wasser auf ihn herab.

Mehr als zwei Stunden wird die Krönung des thailändischen Monarchen an diesem Morgen dauern. In den Feierlichkeiten zur Krönung verschmelzen buddhistische und brahmanische Riten, die ihren Ursprung in Indien haben. Sie haben sich über die Jahrhunderte kaum verändert.

Dann nähern sich buddhistische Mönche und der Chefpriester, ein Brahmane vom königlichen Hof. Er gießt dem König aus einem Muschelhorn heiliges Wasser in die Hände, der es aufnimmt und über Gesicht und Haare verteilt. Wie es die Tradition vorgibt, ist das Wasser fünf thailändischen Flüssen und vier Teichen entnommen.

Nach der rituellen Reinigung im Freien zieht sich der König zunächst zurück, um sich umzukleiden. 44 Minuten später erscheint er in einem schweren goldbestickten Mantel, er absolviert eine so genannte Salbungszeremonie auf einem achteckigen Thronhocker, wieder gibt es heiliges Wasser aus Muschelhörnern und dazu ein Lorbeerblatt, das er sich hinter das rechte Ohr steckt.

Für die Thailänder ist die Zeremonie auch eine Flucht aus dem Alltag

Zuletzt erlebten die Thailänder eine solche Krönung 1950. Zu jener Zeit war Ramida Laojamras noch nicht geboren. Sie sitzt an diesem Vormittag einige Kilometer vom Palast entfernt in ihrem Friseurladen "Lek Barber" und verfolgt die Krönung auf einem alten Fernseher mit flirrendem Bild, oben über den Spiegeln ihres Salons. "Ich habe so etwas noch niemals gesehen", sagt die 60-Jährige. "Ich denke, es ist sehr wichtig, dass wir unsere Traditionen auf diese Weise erhalten, jedes Land braucht doch kulturelle Wurzeln", sagt die Chefin des Friseursalons. So kann sie auch für einen Moment ihre Alltagssorgen vergessen. Zwar läuft das Geschäft in einer Seitengasse der Einkaufsmeile Sukhumvit ganz gut, "aber alles wird teurer, während unser Einkommen stagniert."

In der Gasse gehen die Leute an diesem Morgen wie gewöhnlich ihrer Arbeit nach, nicht alle haben eine Chance, lange vor dem Fernseher zu verweilen, um sich die Krönung live anzusehen. Wer einige Geschäftsleute in der Gasse befragt, bekommt zu hören, dass sie das am Abend nachholen werden.

Ramida würde gerne am Sonntag den König aus der Nähe erleben, wenn er in einer Sänfte durch die Straßen getragen wird. Einmal, zum 60. Kronjubiläum Bhumibols, hat sie den inzwischen verstorbenen Monarchen gesehen, er winkte vom Balkon seinem Volk zu. "Für mich war das ein besonderer Moment, den ich gar nicht recht beschreiben kann." Aber ob sie am Sonntag auch einen Platz bekommen kann, um den neu gekrönten König vorbeiziehen zu sehen? Man braucht dafür großes Durchhaltevermögen in der sengenden Hitze. Es wird langwierige Sicherheitskontrollen geben, man muss Stunden vorher einen Platz ergattern, genügend Wasser und Essen einpacken. Und Ramida weiß noch nicht, ob ihr das alles gelingen wird, auch wenn sie es sich sehr wünscht. Und sie muss schließlich auch noch jemanden finden, der sie im Laden vertritt. Einfach zusperren, das kann sie sich nicht leisten.

Der Priester ruft Gott Shiva für den König an

Unterdessen nährt sich die Zeremonie im Palast ihrem Höhepunkt. Der König besteigt den Thron aus Feigenholz, überspannt von einem neunstufigen weißen Schirm. Er lauscht reglos den Worten des Chefpriesters, für die Betrachter an den Fernsehschirmen ist der Ton nun für einige Minuten abgeschaltet, nur im Saal sind die heiligen Worte zu hören, die erst später bekannt gegeben werden. Der Priester ruft in diesem Moment Gott Shiva an, auf dass sein Geist den Körper des Königs erfülle. Dem alten Glauben folgend sind thailändische Monarchen eine Reinkarnation Gottes.

Um 12.09 wird die Krone herangereicht, mehr als sieben Kilogramm ist sie schwer, aus Gold und Edelsteinen. Auf der Spitze sitzt ein Diamant, den ein Vorgänger, König Rama IV., einst aus Indien nach Thailand brachte. Der König nimmt die Krone mit beiden Händen entgegen und setzt sie sich selbst auf den Kopf, wie es die Tradition vorsieht. Mehrmals greift er nach oben, um die Krone zurechtzurücken, bis sie richtig sitzt.

Im Saal ertönen immer wieder Klänge aus großen Muschelhörnern, warm und leicht dissonant. Draußen zünden Soldaten Kanonen auf dem Feld, donnernder Salut für den König. Der erhält nun noch weitere Insignien seiner Macht: Schwert, Zepter, Fächer und vergoldete Sandalen, der Priester schiebt sie dem König unter die blankpolierten schwarzen Schuhe mit den silbernen Schnallen.

Um 12.18 gibt der Monarch seine erste Erklärung als gekrönter König ab, es ist nur ein einziger Satz: "Ich werde das Land weiterhin erhalten, entwickeln und gerecht regieren, zum Wohle aller Thailänder."

Schließlich ist der Moment für Königin Suthida gekommen, erst am Mittwoch hatte sie den König geheiratet, was für viele eine große Überraschung war. Die 40-Jährige tritt vor den Monarchen, kniet nieder und wird von ihm gesegnet. Das Paar verlässt einige Minuten später den Saal durch große goldene Flügeltüren, doch die Feierlichkeiten sind damit noch lange nicht beendet. Sie werden sich in Bangkok noch bis zum Montag hinziehen: schillernd, salbungsvoll und mit einem Pomp, wie ihn nur wenige Länder heute noch vollziehen.

© SZ.de/bix/jab
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