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Stilkritik: Inri:Geist ist geil

Die Aufschrift "INRI" kennt man eigentlich nicht von T-Shirts.

(Foto: Christian Endt)

Ein schwäbischer Investor möchte mit der Inri-Aufschrift auf Jesu Kreuz Geld verdienen. Er hat sich die Abkürzung sogar markenrechtlich schützen lassen. Immerhin sei er katholisch.

Von Martin Zips

Ein bisschen verwunderlich, dass sich der Unternehmer L. nicht gleich den Terminus "Gott" als EU-weite Marke schützen ließ. Wenigstens "Jesus" oder "Heiland" müssten doch möglich gewesen sein. Dann hätte er auch damit seine in Bangladesch billig produzierten T-Shirts bedrucken können. Aber so ist es zunächst "INRI", welches sich der Immobilienspekulant aus Aichach für Lederwaren, Textilien, Kosmetika und Getränke merchandisemäßig reservieren ließ. So hat er es gerade diversen Medien erzählt.

L. hatte kürzlich festgestellt, dass die Kreuzesinschrift, mit der die Römer den "König der Juden" (Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum, also: INRI) verspotteten, seit 2000 Jahren markenrechtlich nicht geschützt ist. Da hat er aber sofort zugelangt. Und nun lässt L. T-Shirts mit dem INRI-Schriftzug plus einem bärtigen Jesus drauf produzieren. Sowie des Heilands letzte Worte: "Es ist vollbracht".

Um nicht irgendwie pharisäisch rüberzukommen, betont der schwäbische Investor, dass er einst ja selbst als Messdiener das Weihrauchfasserl geschwenkt habe und auch sonst recht katholisch sei. Zudem habe er zwei Geistliche vorher um Rat gefragt, die geradezu begeistert von seiner Idee gewesen seien. Und selbstverständlich werde er einen Teil seiner Einnahmen für wohltätige Zwecke spenden, eine Stiftung gründen oder so.

Ob sich L. bald auch das Kreuzeszeichen schützen lässt, um damit Geld zu machen? Die Kippa oder die Kaaba? Ob er die Kreuzestafel an einen Modekonzern vermietet? Also vielleicht "Gucci" statt "INRI"? Und drüber dann groß: Das Goldene Kalb! Der Papst wird sicher bald in Aichach anrufen und fragen, ob er nicht noch vier in Bangladesch gepresste Plastik-Kruzifixe haben könnte, für seinen Souvenirshop am Petersplatz. Denn sonst bekommt er es noch mit den Anwälten des Herrn L. zu tun. Die haben sich bestimmt längst die Justitia schützen lassen, um daran zu verdienen. Geist ist geil.

© SZ/zip/afis
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