Extremwetter:Rekordregen in Spanien

Extremwetter: Ein zerstörtes Auto in Aldea del Fresno. Hier wird ein Mann noch vermisst.

Ein zerstörtes Auto in Aldea del Fresno. Hier wird ein Mann noch vermisst.

(Foto: Oscar del Pozo Canas/AFP)

Besonders betroffen sind die Hauptstadt Madrid und die Umgebung. Mindestens vier Menschen sterben. Ein Zehnjähriger kann sich auf einen Baum retten und verbringt dort die Nacht.

Von Patrick Illinger

Am Sonntagnachmittag um kurz nach zwei Uhr wurden die Einwohner Madrids unsanft aus ihrer Mittagsruhe gerissen. Auf sämtlichen Mobilfunkgeräten der Stadt quakte ein hässlicher Warnton. Eine Mitteilung des Zivilschutzes ploppte auf den Displays auf: Notfall. Flutwarnung. Man solle das Auto nur im absoluten Ausnahmefall nutzen und bis auf Weiteres zu Hause bleiben.

Ein Tiefdruck-Phänomen namens Dana hatte sich seit Tagen angekündigt. Am Wochenende waren dann weite Teile Spaniens mit Wassermassen überschwemmt worden, dazu kamen Orkanböen, Blitzschläge und Hagel. Im Viertelstundentakt berichteten die Nachrichtensender von dem meteorologischen Ausnahmezustand.

Während es am Samstag in Madrid zwar stark aber nicht besorgniserregend heftig geregnet hatte, braute sich im Laufe des Sonntags eine anthrazitfarbene Wolkendecke auf. Begleitet von Blitz und Donner regnete es aus Krügen, wie Spanier sagen - ein deutliches Kontrastprogramm zu den Dürremonaten der ersten Jahreshälfte. Doch blieb die prognostizierte Rekordwassermenge von 120 Liter pro Quadratmeter zunächst aus. Entsprechend hämisch fielen in den sozialen Medien die Kommentare über die vermeintlich übertriebene Notfallwarnung aus.

Extremwetter: Überflutete Straßen und umgestürzte Müllcontainer in der Region Toledo.

Überflutete Straßen und umgestürzte Müllcontainer in der Region Toledo.

(Foto: Javier Diaz via X/Javier Diaz via Reuters)

Doch während die Hauptstadt anfangs nur heftig geduscht wurde, bauten sich unter anderem im 70 Kilometer entfernten Toledo wahre Sturzbäche in den Straßen auf. Nach Angaben der Feuerwehr gingen dort im Verlauf des Sonntags nahezu hundert Liter Wasser pro Quadratmeter nieder. Auch weitere Gemeinden südwestlich von Madrid waren betroffen. Am Montag meldeten die Behörden zwei Todesopfer. In der Ortschaft Casarrubios del Monte wurde ein 20-Jähriger tot aus einem Garagenfahrstuhl geborgen, in der Gemeinde Bargas starb ein Mann im Inneren eines Fahrzeugs.

Unweit der Ortschaft Aldea del Fresno westlich von Madrid wurde das Auto einer Familie von den Wassermassen des über die Ufer getretenen Flusses Alberche mitgerissen. Der Vater wurde am Montag noch vermisst. Die Mutter und die Tochter konnten sich aus eigener Kraft retten. Der zehnjährige Sohn verbachte die Nacht auf einem Baum und wurde am Morgen zufällig dort entdeckt, unterkühlt und leicht verletzt. Inmitten des Leidens spendete seine Rettung vielen etwas Trost. Medien sprachen von einem "Wunder". Mindestens zwei weitere Menschen- ein 83-jähriger Mann und eine jüngere Frau - galten am Nachmittag noch als vermisst.

Bereits am Samstag waren zwei Männer, 31 und 34, aufgrund der Unwetter ums Leben gekommen. Sie waren bei Saragossa in einem Canyon unterwegs, als sie ins reißende Wasser stürzten und ertranken, wie Medien unter Berufung auf die Behörden berichteten. In Katalonien, rund um das Flussdelta des Ebro gingen am Wochenende punktuell mehr als 200 Liter Wasser pro Quadratmeter nieder - so viel wie seit 23 Jahren nicht mehr. In der Ortschaft Alcanar durften die Menschen zeitweise ihre Häuser nicht mehr verlassen. Einige mussten aus überfluteten Wohnungen gerettet werden.

Extremwetter: Aufräumen in der Region Tarragona: Schlamm steht in den Straßen und Häusern.

Aufräumen in der Region Tarragona: Schlamm steht in den Straßen und Häusern.

(Foto: Marc Asensio Clupes/Imago/Zuma Wire)

Und auch für Madrid hatte Dana noch eine Überraschung parat: Nachdem die offizielle Alarmstufe am Sonntagabend bereits von rot auf orange zurückgefahren worden war, platzten in der Nacht zum Montag noch mal unerwartete Wassermassen über der Hauptstadt aus den Wolken. Metrowagen liefen knöcheltief mit Wasser voll. Ein halbes Dutzend Linien stellte den Betrieb ein. Vor allem im Südosten der Stadt musste die Feuerwehr oft ausrücken, um Wohnungen auszupumpen und Straßen zu sperren. "Nennt mich verrückt, aber vielleicht war die Notfallwarnung doch richtig", twitterte ein Bewohner zusammen mit einem Video seiner vor Wasser triefenden Zimmerdecke.

Die Bilanz des Vollwaschgangs, dem die Iberische Halbinsel ausgesetzt war, ist beachtlich. Vor allem zwischen Madrid und der Mittelmeerküste wurden Dutzende überschwemmte Straßen und Autobahnen gesperrt. Zugverbindungen fielen reihenweise aus. Die Schnellstrecke nach Valencia und Alicante wurde ebenso gesperrt wie die vielbenutzte Verbindung nach Toledo. Viele der Sperrungen blieben auch am Montagmorgen noch bestehen. Mit Blick auf den nötigen Wiederaufbau beantragten die Regionen Madrid und Kastilien-La Macha bei der Zentralregierung, zum Katastrophengebiet erklärt zu werden, um Staatshilfe zu erhalten. Schätzungen über die Höhe der Schäden lagen zunächst nicht vor.

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