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Harry und Meghan:Und wo bleibt die Magie?

Das Paar hat mit seinem Interview der Öffentlichkeit einen großen Schlüssellochmoment beschert - und könnte so das Geheimnis zerstören, von dem es auch selbst lebt.

Kommentar von Claudia Fromme

Die Königlichen dieser Welt, behängt mit Orden und unterwegs mit Kutschen, erscheinen uns weit weg vom Normalen - und genau das macht ihre Magie aus.Die Frage ist: Wie viel Normalität verträgt der Glanz?

(Foto: AFP)

Der viktorianische Essayist Walter Bagehot hat einmal ganz griffig beschrieben, worin die Faszination der Monarchie liegt. Das Geheimnis sei ihr Wesenskern, und wenn das Licht des Gewöhnlichen in jeden Winkel eines Palasts gelassen werde, beraube es die Monarchie ihrer Magie. Viel zitiert ist sein Satz: "We must not let in daylight upon magic" - wir dürfen nicht das Tageslicht auf die Magie scheinen lassen. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Die Faszination für alles Königliche liegt darin, dass zwar viel geraunt wird, aber keiner weiß, was in Palästen wirklich gedacht und gemacht wird.

Weil das so ist, kommt Schlüssellochmomenten eine besondere Bedeutung zu. Kein Wunder, dass bunte Blätter mit Königstratsch so gefragt sind, kein Wunder, dass die halbe Welt auf das Interview von Oprah Winfrey mit Meghan und Harry starrt wie auf einen schweren Verkehrsunfall auf der Landstraße. Verständlich ist es sogar, es sind seltene Einblicke in ein Leben, das, zumindest von der älteren Buckingham-Generation, gerne unter Verschluss gehalten wird.

Zuweilen muss die Monarchie die Fenster öffnen - einen Spalt breit

Als Prinz Philip 1969 Kamerateams ins Haus ließ, um den Alltag einer "normalen" Königsfamilie zu zeigen, wurde der Film zum Desaster. Die Windsors erschienen weltfremd und unsympathisch. Als der Film nun im Januar unautorisiert auf Youtube lief, wurde das Video auf Betreiben der BBC gelöscht, die Queen soll interveniert haben. "Die Royals haben gemerkt, dass sie sich selbst herabsetzen, wenn sie ihren Alltag derart preisgeben. Die Magie wäre raus", erklärte der britische Historiker Robert Lacey, der auch die Netflix-Serie "The Crown" berät.

Monarchien, die europäischen zumindest, haben keine politische Macht mehr. Die Krone ist Symbol der Einheit eines Landes, Teil seiner kulturellen Identität und eine Konstante in wechselhaften Zeiten. Man braucht sie nicht zwingend, abschaffen wollen sie die meisten auch nicht, aber das kann sich jederzeit ändern. Eine Monarchie, die ihre Existenz nicht mehr Gottes, sondern Volkes Gnaden verdankt, muss zuweilen die Fenster einen Spalt breit öffnen.

Das Licht des Alltags flutet schon länger die Paläste. In Spanien ist eine ehemalige Journalistin Königin, in Norwegen wird es eine vormals alleinerziehende Mutter, in Schweden wird ein Fitnesstrainer Prinzgemahl. Für die Akzeptanz der Monarchie sind die Neuzugänge eine Frischzellenkur, am erzkonservativen System ändern sie nicht viel. Das kann man gut finden oder nicht, aber es ist Teil des Deals. Die Bürgerlichen müssen sich dem Protokoll des Hofes unterwerfen - Revolutionäre, die an der Krone kratzen, würde keiner in den Palast einladen. Wenn Königliche so gewöhnlich sind wie das Volk, warum sollte es Fähnchen schwenken, wenn sie auf einem Palastbalkon auftauchen?

Ein "normales" Leben im Glanz der Krone - wie soll das gehen?

Harry und Meghan wollen ein "normales" Leben führen, ohne Verpflichtungen der Krone. Dass sie dann mithilfe des Glanzes der Krone millionenschwere Deals mit Netflix und Disney tätigen, irritiert. Auf der Suche nach Ruhe teilt das Paar seiner fast 9000 Kilometer entfernten Verwandtschaft in einem kalifornischen Lifestyle-Garten im CBS-Interview mit, dass sie herzlos und sogar rassistisch sei. Immerhin wird der Queen noch beschieden, eine "herzliche und warme Person" zu sein.

Harry und Meghan haben sich entschieden, Licht ins Dunkel der Paläste zu bringen. Aber sie haben auch nicht ganz vergessen, was das Publikum erwartet. Am Ende des Interviews sagt Meghan dann noch, dass ihre Geschichte mit Harry jedes Märchen überstrahle. Die Show muss ja weitergehen.

© SZ/jok
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