Nachwuchs im britischen Königshaus Es ist ein Baby

  • Prinz Harry und Herzogin Meghan sind am Montagmorgen Eltern geworden, teilte der Buckingham-Palast mit.
  • Ihr Kind steht nun auf Platz sieben in der Thronfolge und ist der achte Urenkel von Queen Elizabeth II.
  • Einen Namen hat der Junge noch nicht.
Von Cathrin Kahlweit, London

Prinz Harry empfing die wartenden Reporter am Montagnachmittag vor Ställen; hinter ihm schauten neugierige Pferde höchst interessiert den Medienvertretern zu, die aus Anlass des freudigen Ereignisses nach Windsor gebeten worden waren. Sofort machte auf Twitter der Witz die Runde, das royale Baby sei offenbar in einem Stall geboren, so wie einst das Jesulein, aber die Wahrheit ist banaler: Seine Frau, Meghan, hat am Montag in den frühen Morgenstunden einen kleinen, gesunden Jungen geboren, und das offenbar daheim, denn Prinz Harry hielt seine kleine, aufgeregte Ansprache als frischgebackener Vater in Windsor, wo es rund um das Schloss eben auch Pferdeställe gibt.

Das Kind sei gesund, die Mutter auch, sagte er, es sei wahnsinnig aufregend gewesen, und er wisse nicht, wie Frauen so etwas schaffen könnten - was Väter so sagen, wenn sie überglücklich, fassungslos, dankbar und gerührt sind. Harry war offenbar sehr gerührt. Weitere Details wollte er erst einmal nicht verraten, seine Frau und er würden sich mitsamt dem Nachwuchs in den nächsten Tagen der begeisterten Öffentlichkeit stellen. Einen Namen? Nein, einen Namen hätten sie noch nicht, dabei hätten sie ja nun genug Zeit gehabt, darüber nachzudenken, so Harry.

Die Geburt des Royal Babys nahmen einige Fans zum Anlass, sich einen Schluck zu genehmigen.

(Foto: Hannah McKay/Reuters)

Das Baby hatte sich nämlich Zeit gelassen. Was hatte es nicht alles für Gerüchte und Vermutungen gegeben, im Vorfeld der royalen Geburt. Das Baby sei schon da, aber die Sussexes würden es verstecken, um noch eine Weile ihre Dreisamkeit zu genießen. Nein, es sei überfällig, und die Geburt werde umgehend eingeleitet, weil Meghans Gesundheit gefährdet sei. Schließlich aber lief alles, wie es laufen sollte: eine natürliche Geburt, offenbar, und ein glückliches Elternpaar. Die nötigen Einzelheiten zum Kind präsentierte schließlich gegen 14 Uhr, wie es sich gehört, die Pressestelle des Palastes: 3260 Gramm sei der Knabe schwer, er sei um 5.26 Uhr geboren, und das Paar danke der Öffentlichkeit für ihre Unterstützung in dieser aufregenden Zeit. Die traditionelle Bekanntmachung wurde dann natürlich auch am Nachmittag vor Buckingham Palace auf einer Art Staffelei präsentiert, und begeisterte Fans, die in Windsor naturgemäß nicht zum Haus von Meghan und Harry vorgelassen werden, fotografierten sich in London vor dem Palast die Finger wund.

Die britischen Medien berichteten euphorisch; Premierministerin und Oppositionschef gratulierten umgehend. Aber vor allem einer dürfte sich besonders über die Geburt freuen: Harrys Vater, Prinz Charles. Er beginnt an diesem Dienstag gemeinsam mit seiner Frau Camilla eine mehrtägige Deutschlandreise, und Charles hätte es wohl etwas anstrengend gefunden, unentwegt auf die Frage antworten zu müssen, wann denn nun sein viertes Enkelkind endlich auf die Welt komme.

So aber können sich der Prinz of Wales und seine Gattin auf ihre Visite konzentrieren, die ja auch unbedingt wichtig ist. Schließlich reisen sie im Auftrag der britischen Regierung, um im allgemeinen Brexit-Chaos die guten Beziehungen zum strengen Nachbarn Deutschland zu pflegen. Daher ist die Reise des Thronfolgers in drei deutsche Städte einerseits Routine. Charles war schon mehr als 30 Mal in Deutschland. Das Programm ist so bunt, wie es ein solch dezent politischer Trip sein soll: Ein Abendessen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und ein Empfang in der Residenz des britischen Botschafters stehen an. Dann gibt es in Leipzig einen Einblick in die Geschichte des Bürgeraufstandes von 1989, und zum Schluss ist das Paar für zwei Tage in München, wo es sich unter anderem mit ökologischer Landwirtschaft befasst und Markus Söder trifft. So weit, so normal.

Andererseits ist da eben: der Brexit. Und auch wenn sich das Königshaus traditionell nicht in die Politik einmischt, so kann niemand den Royals verbieten, gute Stimmung bei den Nachbarn zu machen, die in Brüssel gute Stimmung für Großbritannien machen sollen. Angela Merkel gilt im Königreich als entscheidende Strippenzieherin in allen Belangen der EU, und Deutschland, wie es der großartige irische Autor Fintan O'Toole ironisch überspitzt, als jene Macht, die die Briten im Zweiten Weltkrieg nicht unterwerfen konnte, aber nun Europa unterworfen habe. In den Augen vieler Briten, schreibt er, sei "die EU nur die Kulisse für eine deutsche Kabale, und am Ende werden die Deutschen den Brexit retten". Denn: Die Deutschen wollten, hoffen die Briten, weiter ihre Produkte und vor allem ihre Autos auf die Insel verkaufen.

Botschafter Sebastian Wood beschreibt den Reisegrund daher elegant so: "Wie frühere Besuche von Mitgliedern der königlichen Familie ist dies ein Bekenntnis zu den vielfältigen Beziehungen zwischen Deutschland und Großbritannien. Auch die Themen Nachhaltigkeit, Integration und Innovation" würden eine wichtige Rolle spielen. Ein gutes Beispiel für Innovation ist dabei, ganz klar, das neue Enkelkind.

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