Die Corgis der Queen:Grrrrr royal

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Die Corgis der Queen: Schon 1977 ein Herz und eine Seele: Die Queen mit einem Corgi im Arm

Schon 1977 ein Herz und eine Seele: Die Queen mit einem Corgi im Arm

(Foto: Anwar Hussein/imago/PA Images)

Zum Erbe der Queen gehören auch kurzbeinige, untersetzte Hunde, die aussehen wie mutierte Meerschweinchen. Was wird aus ihren geliebten Corgis?

Von Titus Arnu

Doggen sind majestätische Tiere. Auch Königspudel haben etwas Königliches an sich, besonders wenn sie so aufwendig frisiert sind wie der Barock-Schnösel Louis XIV. Aber Corgis? Diese seltsamen Wesen sehen aus wie mutierte Meerschweinchen: Stummelbeine, Fledermausohren, Hängebauch, dazu eine Art Eichhörnchenschweif - die Biester sind eine eher plumpe als edle Erscheinung.

Zu den vielen Mysterien der britischen Monarchie zählen auch einige mysteriöse Tiergeschichten. Dem Königshaus gehören aufgrund kurioser Gesetze aus dem Mittelalter alle unmarkierten Schwäne auf der Themse, alle Wale, Tümmler und Störe in britischen Gewässern, außerdem alle wilden Krustentiere in Schottland. Dass stets Hunde, nie aber Katzen, Schwäne, Krusten- oder Nagetiere neben Monarchen posieren, liegt an der Jagdtradition der Adelshäuser. Die meisten Vorgänger von Queen Elizabeth II. ernannten Labrador-Retriever, Setter, Terrier und andere Jagdhunde zu königlichen Kötern. Warum kaprizierte sich die Queen ausgerechnet auf Corgis und Dorgis (Kreuzung aus Dackel und Corgi)?

Die Corgis der Queen sind ein haariges Thema, an dem sich Hofberichterstatter und Hundeexperten schon immer die Zähne ausgebissen haben. Wenn es jetzt um das Erbe von Elizabeth II. geht, spielt die Geschichte der privilegierten Wadenbeißer eine nicht unbedeutende Nebenrolle. Zu den Hinterlassenschaften der Königin gehören neben einem geschätzten Privatvermögen von mehr als 500 Millionen Euro, Schlössern, Steinbrüchen, Einkaufszentren, Gemäldesammlungen, Fabergé-Eiern, Juwelen, Golfplätzen, Pferden, Kühen und 342 Quadratkilometer Land allein in Schottland auch ihre Hunde. Was soll nun aus ihnen werden?

Es gibt in dem Zusammenhang vielleicht wichtigere Fragen (zum Beispiel: Soll man die Monarchie jetzt endlich mal abschaffen?), aber es ist sicher im Sinne der verstorbenen Regentin, die Bedeutung der Corgis für das britische Königshaus aufzuarbeiten. Die Tiere nahmen einen zentralen Platz im Herzen von Elizabeth II. ein. Sie möge Hunde, Pferde, Männer und Frauen - und zwar genau in dieser Reihenfolge, schrieb Graham Turner, Biograf der Queen. Im Buckingham Palace gibt es 775 Zimmer, aber keinen speziellen Hunderaum, die Corgis schliefen in den Gemächern ihres Frauchens, in gepolsterten Weidenkörbchen. Die Königin galt als bescheiden, aber ihren Lieblingen ließ sie gerne Rosinenbrötchen mit Sahne und Marmelade auftragen.

Die Corgis der Queen: Queen Elizabeth (links, mit Schwester Margaret) ließ es ihren Hunden ziemlich gut gehen.

Queen Elizabeth (links, mit Schwester Margaret) ließ es ihren Hunden ziemlich gut gehen.

(Foto: imago/Allstar)

Während der Regentschaft von Elizabeth II. kamen mehr als 50 royale Corgis und Dorgis auf die Welt. Die BBC hat einen detaillierten Stammbaum der Hofhunde erstellt, der die weitverästelte Verwandtschaft der majestätischen Meute präzise abbildet. Demnach begann alles mit Susan, einem Corgi, den Elizabeth zu ihrem 18. Geburtstag geschenkt bekam. Es ist aktenkundig, dass Susan den königlichen Uhrmacher und einen Palastwächter gebissen hat. Dabei haben Corgis laut Rassesteckbrief eigentlich ein friedliches Wesen: "dreist und geschickt, überlegen und freundlich, weder nervös noch aggressiv." Ursprünglich wurden sie in Wales gezüchtet, um Kühe zu hüten; praktisch arbeiten mussten die Windsor-Corgis wie alle Royals jedoch nicht mehr, sie wurden allein durch ihre Geburt zu privilegierten Palastbewohnern. Mehr als 30 Nachkommen von Susan blieben bei der Queen, weitere Welpen wurden an Verwandte und Freunde verschenkt.

Die Corgis der Queen: Auf Familienbildern (hier Elizabeth, Philipp, Charles und Anne im Jahr 1955) sind meist auch ein paar Corgis zu finden, hier "Sugar" und "Candy".

Auf Familienbildern (hier Elizabeth, Philipp, Charles und Anne im Jahr 1955) sind meist auch ein paar Corgis zu finden, hier "Sugar" und "Candy".

(Foto: AP)

Die royale Hundezucht löste einen Boom in England aus, der vom Aussterben bedrohte walisische Rinderhütehund entwickelte sich zur Moderasse. Versehentlich entstand noch eine weitere Rasse: Durch einen Seitensprung eines Corgi-Weibchens mit Prinzessin Margarets verliebtem Dackel Pipkin kamen Dackel-Corgi-Mischlinge auf die Welt, die fortan als Dorgis am Hof weiter gezüchtet wurden. Die Zahlen des britischen Hundezüchterverbandes zeigen einen deutlichen Anstieg der Registrierungen von Pembroke-Corgis im Jahr 1944, als Prinzessin Elizabeth Susan bekam. Einen neuen Anstieg gab es, als in der Netflix-Serie "The Crown" unübersichtlich viele Corgis durch die Szenerie wuselten.

Der Buckingham Palast hielt sich mit Informationen über die Hunde bedeckt, sie galten als Privatangelegenheit. Aber es ist auch klar, dass die Royals früh den Imagefaktor eines gut platzierten Hundefotos erkannt und genutzt haben. So reisten die Corgis in Hubschraubern, Zügen und Limousinen mit der Königin von Palast zu Palast, sie nannte die Tiere "die Mädchen" und "die Jungs". Zu Weihnachten in Sandringham hatte jeder von ihnen einen eigenen Strumpf, den die Königin selbst füllte. Während ihr Ehemann Prinz Philip stets ein paar Schritte hinter seiner Frau herdackeln musste, durften die Corgis voraushuschen. Prinzessin Diana soll den Ausdruck "ein sich bewegender Teppich" geprägt haben, um das pelzige Gewirr zu beschreiben, das Elizabeth II. stets umgab.

Die Corgis der Queen: Den sich bewegenden Teppich lernten auch die jungen Herren der neuseeländischen Rugby-Nationalmannschaft bei einem Besuch im Buckingham Palast 2002 kennen.

Den sich bewegenden Teppich lernten auch die jungen Herren der neuseeländischen Rugby-Nationalmannschaft bei einem Besuch im Buckingham Palast 2002 kennen.

(Foto: Kirsty Wigglesworth/AP)

Bis zum Tod der Queen war der ikonische Hund mit den großen Ohren untrennbar mit den Windsors verbunden, er war eine Art Maskottchen der Monarchie. Apropos: König Charles III. ließ schon früh durchblicken, er bevorzuge Labradore und besitze zwei Jack-Russell-Terrier, die auf die Namen Beth und Bluebell hören. Bei der Queen lebten zuletzt vier Hunde: die zwei Corgis Sandy und Muick, Cockerspaniel Lissy und Dorgi Candy. Ihre Fans können aufatmen: Sie werden nicht ins Tierheim abgeschoben. Wie eine Sprecherin des Queen-Sohnes Prinz Andrew und dessen Ex-Frau Sarah Ferguson erklärte, nehmen die beiden die Corgis Muick und Sandy auf. Nachdem Andrew wegen seiner Verstrickung in den Epstein-Missbrauchsskandal von allen öffentlichen Aufgaben zurückgetreten war, bleibt ihm nun also wenigstens noch die Aufsicht über die Hunde der Queen als Führungsaufgabe.

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