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Prozess in Ulm:Der Tatverdächtige war weitgehend geständig

Dann habe er zwei weitere Messer aus der Küche geholt und weiter auf den Schwerverletzten eingestochen, "bis dieser aufgrund des enormen Blutverlustes an Ort und Stelle verstarb". Anschließend soll der Angeklagte Bargeld und eine Digitalkamera eingesteckt haben, ehe er das Sofa und diverse Kleidungsstücke anzündete.

Ein Nachbar schlug Alarm, die Feuerwehr konnte den Wohnungsbrand rasch löschen. Der Tatverdächtige wurde wenig später gefasst. Bei der Vernehmung war er weitgehend geständig. Aufgrund seiner Angaben geht die Anklagevertretung von einer Diebstahlsabsicht und - hinsichtlich des Mordes - von "homophoben Motiven" aus.

Urteil Ende Januar erwartet

"Unter Homophobie verstehen wir eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Ablehnung von Schwulen und Lesben sowie auch von Bisexuellen und von Transgender-Menschen", erläutert der Oberarzt Marc Allroggen von der Ulmer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. "Die Gründe dafür sind sehr verschieden und können von persönlichen negativen Erfahrungen mit Homosexuellen über Neid auf beruflich oder in der Schule erfolgreiche Nicht-Heterosexuelle bis hin zu Unsicherheiten hinsichtlich der eigenen sexuellen Orientierung reichen." Allerdings spiele bei einer so extremen Tat wie einem Mord "zusätzlich wohl auch ein erheblicher Hang zu gewalttätigen Reaktionen eine Rolle".

Der Angeklagte selbst und Zeugen sollen im Dezember angehört werden. Bis Ende Januar will das Gericht zu einem Urteil kommen, unter anderem mit Hilfe eines psychiatrischen Gutachtens. Dass es in den vergangenen Jahren laut Bundesinnenministerium eine deutliche Zunahme von Gewaltdelikten gegen Homosexuelle gegeben hat, wird den Richtern nicht entgangen sein. Zu urteilen haben sie jedoch allein nach der Beweislage sowie den Tatumständen und dem Bild, das sie sich vom mutmaßlichen Täter und dessen konkreten Motiven machen.

© SZ.de/dpa/spes

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