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Warten auf das Obduktionsergebnis:Prince' Tod lässt Amerikaner über Schlafmangel diskutieren

Ständig in Bewegung: Prince 1984 bei einem Auftritt in Minneapolis.

(Foto: David Brewster/AP)

Viele schlafen weniger als sieben Stunden pro Nacht - und fürchten nun um ihr eigenes Leben.

Es gibt Menschen, die hielten Prince für einen androgynen Freak mit Fiepselstimme, aber jetzt tragen auch sie lila Klamotten, sie posten rührende Nachrufe in sozialen Netzwerken oder behaupten, zum Lied "Sexy Motherfucker" entjungfert worden zu sein. Jeder liebt dich, wenn du tot bist, so ist das nun mal, und die Regel, über Verstorbene nur Gutes zu berichten, gilt für eine Weltberühmtheit in exponentieller Form.

Was aber nicht heißt, dass gewisse Hemmungen nach dem Tod dann doch fallen, bei Stars im Speziellen: Jeder, der vor 20 Jahren eine Minute lang mit dem drittbesten Freund des Schwippschwagers des ehemaligen Bodyguards von Prince verbracht hat, will und darf nun eine Geschichte erzählen. Promiportale wie TMZ verkaufen diese Berichte als "Informationen aus verlässlicher Quelle" und bauschen sie zu schockierenden Storys auf. Wer mit seiner Kunst in vieler Leute Köpfen ist, der darf nicht in aller Ruhe tot sein, da ergeht es Prince nicht anders als Michael Jackson und vielen anderen vor ihm.

Kokain? (Keine) Medikamente?

Die derzeit beliebtesten Theorien zum Leben und Sterben von Prince: Er habe regelmäßig Kokain genommen, sei jedoch am vergangenen Donnerstag an einer Überdosis des Opioid-Präparats Percocet verstorben, von dem er nach einer Hüftoperation abhängig geworden sei und von dem er sich nach einem Konzert versehentlich zu viel verabreicht habe.

Oder: Er habe als Zeuge Jehovas komplett auf Medikamente verzichtet und sei deshalb an den Folgen einer verschleppten Grippe gestorben. Oder: Er habe in der Woche vor seinem Tod 154 Stunden lang ohne Pause gearbeitet und dabei sechs Nächte lang nicht geschlafen.

Oder: Er sei aufgrund von Geldmangel gestresst gewesen und habe mit Panikattacken gekämpft. Oder: Er habe vor sechs Monaten erfahren, dass er mit HIV infiziert sei; er habe noch nicht einmal engste Vertraute darüber informiert.

Obduktion vs. Spekulation

Das Midwest Medical Examiner Office in Minnesota bekräftigte auf Nachfrage der Süddeutschen Zeitung, dass Chefärztin Quinn Stobl die Obduktion beendet habe, es jedoch einige Wochen dauern würde, bis die Analysen abgeschlossen seien und die Todesursache feststehen würde (siehe Infokasten). Alles andere ist Spekulation unter Berufung auf Menschen, die womöglich in den Tagen vor seinem Tod mit Prince zu tun hatten.

Oder ihn seit 20 Jahren nicht mehr gesehen haben. Der Anwalt von Prince, Londell McMillan, dementiert derzeit schneller als sein Schatten: "Die Drogengerüchte sind absurd. Warten wir doch die Ergebnisse der Obduktion ab."

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