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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Die Entdeckung der Sinnlichkeit

La Dolce Vita
(Foto: Imago)

Papst Franziskus verkündet die Gründung eines vatikanischen Filmarchivs - und outet sich dabei als Fan eines Regisseurs, mit dem Frömmler ihre Probleme haben.

Von Oliver Das Gupta

Wahrlich, wenn es um Sexualität geht, hinkt die katholische Kirche mindestens ein Jahrhundert hinterher: Da sind etwa die Einstellung zu Empfängnisverhütung und die Haltung zu Nicht-Heterosexuellen. Dass Sexualität auch aus Spaß praktiziert wird - schrecklich für Frömmler. Da überrascht es umso mehr, was jetzt vom Papst zu hören ist.

Franziskus gibt sich meist konservativ. Dann tut er wieder etwas Revolutionäres im Kleinen. Aktuell will er ein Filmarchiv im Vatikan einrichten lassen für das audiovisuelle Erbe "von hohem religiösen, künstlerischen und menschlichen Rang", so zitiert ihn ein Interviewbuch. Franziskus rühmt Arbeiten von Regisseuren, die er als junger Mensch gesehen hat. Besonders faszinieren ihn Filme von Federico Fellini. "La Strada" nennt Franziskus seinen "Lieblingsfilm", er erkennt darin gar Motive seines Namenspatrons Franz von Assisi.

Die päpstliche Preisung Fellinis ist ein Politikum, hatte die Kirche mit dessen Filmen seinerzeit dicke Probleme. In "Casanova" etwa geht es um, nun ja, das Treiben des historischen Dauerbrünftlings. In "La Dolce Vita" planscht Anita Ekberg vor einem ebenfalls brünftelnden Marcello Mastroianni im Trevi-Brunnen, gleich in der Anfangsszene schwebt eine Jesus-Statue am Hubschrauber gen Petersdom - sonnenbadende Römerinnen machen winke, winke. Und in "Achteinhalb" sucht der Protagonist Hilfe bei einem Kardinal, im Dampfbad, leider ohne Erfolg. Denn: Außerhalb der Kirche gibt es kein Heil, so die stoische Antwort seiner Eminenz.

Mit der Aufnahme im Film-Archiv vergibt der Vatikan nun doch noch den Fellini-Filmen das Prädikat "besonders wertvoll". Für den Regisseur heißt das jetzt: Willkommen im inneren Kreis.

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© SZ/ebri
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