Österreich Sie will keine Brigitte Macron sein

Susanne Thier mit ihrem Freund Sebastian Kurz bei der Siegesfeier der österreichischen Konservativen.

(Foto: picture alliance / Matthias Schr)

Susanne Thier heißt die Frau, mit der Österreichs Wahlsieger Sebastian Kurz liiert ist. Bisher scheute sie die Öffentlichkeit. Am Wahlabend aber zog sie mit einem Foto die Aufmerksamkeit auf sich.

Von Oliver Klasen

Vielleicht ist Susanne Thier einfach nur gut gelaunt, als sie am Sonntagabend nach der Veröffentlichung der ersten Hochrechnungen ins Pressezentrum in der Wiener Nationalratsbibliothek kommt. Vielleicht ist auch von ihr, obwohl sie nur indirekt beteiligt war, die Anspannung abgefallen nach den Strapazen des Wahlkampfs - einem der schmutzigsten, den Österreich je erlebt hat.

Jedenfalls lässt sich die Freundin von Sebastian Kurz, dem bisherigen Außenminister und Spitzenkandidaten der konservativen ÖVP, von einem Fotografen der Nachrichtenagentur dpa zu diesem Motiv überreden. Sie steht neben Philippa Strache, der Frau des FPÖ-Chefs. Die beiden sehen aus wie beste Freundinnen bei einem Society-Termin, als der Fotograf die Kamera auf sie richtet.

Und dann schütteln sie gemeinsam ihr Haar aus. Zwei Frauen, die eine 30, die andere 29 Jahre alt, beide blonde Haare und beide schwarz gekleidet. Vom ähnlichen Aussehen der Frauen ziehen einige Journalisten Parallelen zu ihren Partnern, die sich im Wahlkampf oft politisch ähnlich geäußert haben. Der konservative Kurz ist mit seiner Rhetorik weit nach rechts gerückt. Nicht zu unrecht hat Heinz-Christian Strache, der Chef der rechtspopulistischen FPÖ, am Wahlabend gesagt, 60 Prozent der Österreicher hätten das Programm seiner Partei gewählt.

Zwei Frauen, beide mit einem österreichischen Politiker liiert, schütteln ihr Haar am Abend der Wahl.

(Foto: dpa)

Doch das gemeinsame Foto überdeckt, dass sich Susanne Thier bisher anders präsentiert hat als Philippa Strache, die ihren Mann zu zahlreichen Terminen begleitet hat und sich auch einspannen ließ, um potenzielle Wählerinnen von der FPÖ zu überzeugen.

Während Sebastian Kurz im Wahlkampf omnipräsent war, kaum eine Talkshow und kaum ein Interview ausließ, hielt sich seine Partnerin sehr im Hintergrund. Anders als der bisherige Bundeskanzler Christian Kern von den Sozialdemokraten, der in seinen Wahlkampfvideos von seiner Kindheit berichtete und Fotos aus dem Familienalbum zeigte, blockte Kurz allzu private Fragen ab. Journalisten, die es trotzdem versuchten, bekamen lediglich heraus, dass Kurz und seine Partnerin "irgendwann" Kinder haben möchten und dass die beiden gerne am Gardasee Urlaub machen. In mehreren Interviews betonte der ÖVP-Kandidat, dass es von ihm "keine Homestorys" geben werde. Seine Freundin genauso wie seine Eltern hätten "kein Interesse an medialer Präsenz".

Daher weiß man kaum etwas über die Frau, deren Mann jetzt aller Voraussicht nach Österreichs jüngster Bundeskanzler wird. Susanne Thier habe Wirtschaftspädagogik studiert und arbeite im Finanzministerium, heißt es. Der Parteitag der Konservativen Anfang Juli, als Kurz mit fast 99 Prozent zum Vorsitzenden gewählt wurde, war der erste Termin, an dem die breite Öffentlichkeit von ihr ein Bild vermittelt bekam. Thier saß neben ihrem Freund in der ersten Reihe, als das Ergebnis verkündet wurde.

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Von einem "Liebes-Outing" schrieb die Boulevardpresse. Aber Thier und Kurz sind nicht erst seit Kurzem liiert, sondern bereits seit der Schulzeit zusammen. Thier hat die steile Karriere ihres Freundes begleitet, seit der mit gerade einmal 24 Jahren 2011 zum Staatssekretär für Integration befördert wurde. Doch sie hat es immer vermieden, sich bei offiziellen Anlässen in den Vordergrund zu drängen. Lediglich bei einem Konzert und bei einigen Bällen begleitete sie Kurz. Künftig dürfte sie wohl öfter zu sehen sein.

Das Paar wohnt in einer 65-Quadratmeter-Wohnung in Wien-Meidling, einem ehemaligen Arbeiterbezirk, in dem Kurz aufgewachsen ist. Möglicherweise bleibt das auch so, denn in Österreich ist es üblich, dass der Bundeskanzler seinen Wohnsitz frei wählt. Anders als in den USA oder in Frankreich, wo das Weiße Haus oder der Elysée-Palast auch der private Aufenthaltsort des Regierungschefs und seiner Familie sind.

Einer glitzernden First-Lady-Geschichte wie bei Melania Trump, der First Lady der USA, oder bei Frankreichs Präsidentengattin Brigitte Macron verweigert sich Susanne Thier bisher. Aber für Glitzer hat Österreich den Opernball - und dort wird sie beim nächsten Mal genau beobachtet werden.

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