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Frankreich-Wahl:Emmanuel Macron: Seine Frau, seine Familie, sein Leben

Brigitte Macron gilt als ungewöhnlichste Première dame, die Frankreich je hatte - und das liegt nicht nur am Altersunterschied. Auch ihre Kinder und Enkel spielen im Leben des künftigen Präsidenten eine große Rolle.

Als er auf die Bühne steigt, um zu seinem Publikum zu sprechen, da steht sie am Rand. Sie beobachtet ihn, seine Mimik, seine Aussprache, sein Auftreten. Sie, 64 und noch immer ganz Lehrerin, ganz Theaterprofi, muss es wissen: Dieser Auftritt ist perfekt, angemessen staatsmännisch und rhetorisch sicher. Mit Dank an die Anhänger, die monatelang gearbeitet haben, in die Zukunft gerichtet, irgendwie pragmatisch und doch mit genau der richtigen Portion Pathos, die in Frankreich erwartet wird. Kurzum: Es ist der würdige Auftritt eines künftigen französischen Präsidenten.

Im Mai 1993, am Lycée Providence, einer Jesuitenschule in der nordfranzösischen Provinzstadt Amiens, steht Brigitte Macron, die damals noch nicht so heißt, ebenfalls am Bühnenrand. Sie ist 40, Lehrerin für Französisch und Latein und Mutter dreier Kinder, und beobachtet ihren 15-jährigen Schüler, seine Mimik, seine Aussprache, sein Auftreten und sieht schon damals: Die Performance ist gut.

Es gibt ein Amateurvideo dieser ersten Begegnung im Internet. Man sieht, wie Brigitte Macron die Theater-AG leitet. Und wie Emmanuel Macron eine Vogelscheuche spielt. An diesem Sonntag nun hat der inzwischen 39-Jährige eine ungleich wichtigere Rolle: Er ist der Mann, der Frankreich erneuern soll. 24 Jahre liegen zwischen den beiden Auftritten. 24 Jahre Altersunterschied liegen auch zwischen dem jüngsten Präsidenten in der Geschichte Frankreichs und der wohl ungewöhnlichsten Première dame, die das Land je hatte.

Seit 2007 sind die beiden verheiratet, fast 15 Jahre haben sie nach ihrer ersten Begegnung dafür gewartet. "Die Leute haben Probleme, etwas zu akzeptieren, das aufrichtig und einzigartig ist", hat Emmanuel Macron einmal über seine Liebe gesagt. Im Wahlkampf brachte der Altersunterschied dem Paar einiges an Häme ein. Aber auch viel Sympathie. Die ungewöhnliche Liebesgeschichte verkaufte sich gut - und so machten die Macrons aus der Not eine Strategie.

Immer wieder schmückten sie Hand in Hand Titelseiten, einmal sogar in Badebekleidung in der Paris Match. Die Klatschzeitschrift ist in Frankreich so etwas wie die Bunte in Deutschland und die intimen Bilder waren ähnlich aufgemacht wie 2001 die Fotos von Verteidigungsminister Rudolf Scharping und seiner Freundin im Swimmingpool, nur dass die von Macron viel besser ankamen.

Die ältere Frau an seiner Seite verleiht dem jugendlich wirkenden Politiker Macron die Reife und Erfahrung, die ihm fehlt. Gleichzeitig lässt sie den ewigen Musterschüler wie einen Rebellen wirken, der keine Angst hat, Konventionen zu brechen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung brachte das auf den Punkt: "Die Franzosen lieben dieses Paar und seine Geschichte. Wäre Macron zum Beispiel mit der Anwältin Tiphaine Auzière liiert, würde er viel eher wie ein junger, überehrgeiziger Streber wirken. Aber Tiphaine ist nicht seine Frau, sondern seine Stieftochter."

Dass sich die Liebesgeschichte so gut verkaufte, liegt vor allem an Brigitte Macron. Die aus der konservativen, alteingesessenen Schokoladendynastie Trogneux stammende Frau versucht gar nicht erst, ihr Alter zu verstecken. Sie trägt gerne kurze Röcke und hohe Schuhe und gilt längst als Stilikone. Das Modehaus Louis Vuitton stattet sie immer wieder gratis mit Roben aus und Karl Lagerfeld erklärte kürzlich: "Ich bewundere Brigitte Macron. Sie hat eine entzückende Silhouette." Er zog sogar eine Parallele zu Michelle Obama und deren Bedeutung für den ehemaligen US-Präsidenten - ein Vergleich, der den Macrons gefallen dürfte.

Schon als Emmanuel Macron unter dem scheidenden Präsidenten François Hollande Wirtschaftsminister war, soll sie regelmäßig an Besprechungen teilgenommen haben. Im Wahlkampf hat Brigitte Macron dann ihren Beruf aufgegeben, um ihren "Manu" zu unterstützen. "Wie viel von IHR steckt in SEINEM Programm?" fragte die Bild deshalb am Tag nach der Wahl. Freunde, so berichten es mehrere Medien, sagen, Macron mache nichts, ohne seine "Bibi" zu fragen - egal, ob es um seine Reden oder seine taillierten blauen Anzüge geht.

Am Abend des Sieges trägt Brigitte Macron einen blauen Mantel mit schillerndem Paillettenkragen. Sie küsst Macron die Hand und winkt in die Menge. "Brigitte, Brigitte", rufen die Anhänger. Sie hoffen, dass die neue Première dame Leben und Glamour in den verwaisten Élysée-Palast bringt. Zwar war Hollande mit der Schauspielerin Julie Gayet liiert, doch er hatte nie wirklich den Mut, sie offensiv zu präsentieren. Bei offiziellen Anlässen war sie so gut wie nicht zu sehen. Ganz anders Brigitte Macron.

"Sie ist immer bei mir und immer für mich da, ohne sie wäre ich nicht der, der ich bin", sagte ihr Mann einmal im Wahlkampf. Auch Brigitte Macron machte in raren Interviews deutlich, dass sie untrennbar sind. "Emmanuel und ich gehen von dem Prinzip aus, dass es zu zweit besser ist." Während des Wahlkampfes hörten Begleiter vom Kandidaten immer wieder eine Frage: "Wo ist Brigitte?"

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