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Lebensmittelskandal:Durchsuchungen bei Pro Ovo

Ermittlungen wegen fauler Eier in Österreich

Die Einfahrt zur Pro Ovo GmbH im niederösterreichischen Biberach.

(Foto: dpa)
  • Pro Ovo soll frische und verdorbene Eier vermischt und verkauft haben.
  • Staatsanwaltschaft und Polizei sollen zuvor Lebensmittelkontrolleure angewiesen haben, von Kontrollen abzusehen.
  • Eine Produktprobe wurde wegen Überschreitung des Richtwertes für die Keimzahl beanstandet.

Die Ermittler kamen gegen Montagmittag: Sie durchsuchten die Fabrikhallen der Firma Pro Ovo im niederösterreichischen Biberbach, beschlagnahmten Daten und vernahmen fünf Mitarbeiter. Ihr Ziel: Beweise sammeln zu einem mutmaßlichen Lebensmittelskandal. Die Süddeutsche Zeitung und die Oberösterreichischen Nachrichten hatten zuvor über ekelerregende Zustände berichtet, die bei Pro Ovo zumindest im Jahr 2019 geherrscht haben sollen. Ein Informant hatte Fotos vorgelegt, die von Schimmel überwucherte und von Maden befallene Eier zeigen. Diese seien verarbeitet und ausgeliefert worden, erklärte der Mann. Gegen Pro Ovo - immerhin einer der größten Eier verarbeitenden Betriebe Europas - wird nun wegen des Verdachts des schweren gewerbsmäßigen Betrugs ermittelt. Darauf stehen in Österreich bis zu fünf Jahre Haft.

Eier

Das ist eines der Fotos, die in der Firma Pro Ovo in Österreich aufgenommen worden sein sollen. Sie alle zeigen Eier voller Schimmel, Maden, Fäulnis.

(Foto: oh)

Pro Ovo stellt Eiermischungen her, die, mit Zucker oder Salz versetzt, an Bäckereien, Nudelhersteller oder Gefrierkostfabrikanten geliefert werden. Und mittendrin: Reste von Maden, Schimmel, faule Eier. So jedenfalls erzählte es der Mann, den auch das Landeskriminalamt Niederösterreich für glaubwürdig hält. Seine Angaben decken sich mit internen E-Mails, die SZ und Oberösterreichischen Nachrichten vorliegen. Darin berichtet ein Mitarbeiter, dass einer Lieferung an den österreichischen Waffelhersteller Manner "schwarze" Eier und Ware untergemischt worden seien, die andere Abnehmer als mangelhaft zurückgeschickt hatten. Ein Geschäftsführer antwortete daraufhin laut der vorliegenden Mailkommunikation: "Verdorbene Eier haben bessere Backeigenschaften." Manner erklärte auf Anfrage, die Geschäftsbeziehungen mit Pro Ovo seien Ende 2019 beendet worden.

Der Informant erhob gegen Pro Ovo zudem den Vorwurf des Etikettenschwindels. Demnach soll Pro Ovo auch für Produkte, die angeblich nur mit Freilandeiern hergestellt werden, Käfigeier aufgeschlagen haben. Das Unternehmen wollte sich auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen äußern.

Österreichische Behörden wussten schon seit Längerem über die mutmaßlichen Missstände Bescheid. Bereits im vergangenen November ging bei der Staatsanwaltschaft Wien eine Anzeige ein, seit Dezember war die Staatsanwaltschaft St. Pölten eingeschaltet. Es vergingen jedoch mehrere Wochen, bis Ermittler in Biberbach vorfuhren - Monate, in denen Spuren vernichtet worden sein könnten. Zumal Staatsanwaltschaft und Polizei auch noch die Lebensmittelkontrolleure angewiesen haben sollen, von Kontrollen vorerst abzusehen, "um die Ermittlungen nicht zu behindern". So wurde Pro Ovo 2019 zuletzt im Juni kontrolliert. "Sämtliche Proben waren ohne Beanstandung", teilte die Landesregierung Niederösterreich mit.

Erst nachdem SZ und Oberösterreichische Nachrichten am Mittwoch über den Betrieb berichtet hatten, rückten am Donnerstag dann doch die Lebensmittelkontrolleure an. Polizei und Staatsanwaltschaft ließen sich noch mal vier Tage mehr Zeit. Das Ergebnis der Durchsuchungen ist bislang noch nicht bekannt.

Am Mittwoch äußerte sich das Unternehmen, gegen das wegen gewerbsmäßigen Betrugs ermittelt wird, zum ersten Mal zu den Vorwürfen. Diese seien "unrichtig", sagte ein Rechtsanwalt von Pro Ovo. Die angeblichen Beweisfotos müssten auf ihre Echtheit geprüft werden. Sofern die Bilder bei Pro Ovo aufgenommen wurden, zeigten sie "gelegentlich erforderliche Entsorgungsarbeiten von Eiern, keinesfalls aber die Verarbeitung von Eiern die für den Vertrieb bestimmt sind". Die Fotos seien "offensichtlich bewusst falsch eingesetzt" worden. Jede von dem österreichischen Betrieb in Verkehr gesetzte Charge werde von einem externen Labor geprüft und mit einem Analysenzertifikat ausgestattet. "Sollte dies nicht positiv sein, erfolgt keine Auslieferung der Ware", sagte der Rechtsanwalt. Keine Aussage machte er zu dem Mailverkehr, den ein Informant zusammen mit den Fotos vorgelegt hat.

Am Freitag wurde bekannt, dass eine bei Pro Ovo genommene Produktprobe wegen Überschreitung des Richtwertes für die Keimzahl beanstandet wurde. Die betroffene Charge sei trotzdem für den menschlichen Verzehr sicher und nicht gesundheitsschädlich.

Dieser Text ist zuerst am 25. Februar 2020 auf SZ.de erschienen und wurde am 28. Februar 2020 aktualisiert.

© SZ/ick
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