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Nach Hurrikan:Haiti - Chaos, Cholera und eine Gefängnis-Meuterei

A boy carries a beam as he walks in the street next to houses destroyed by Hurricane Matthew in Damassins

Ein zerstörter Ort auf Haiti, Wochen nach Hurrikan "Matthew".

(Foto: REUTERS)

Im bitterarmen Karibikstaat ist die Lage nicht erst seit Wirbelsturm "Matthew" katastrophal. Nun sind mehr als 100 Häftlinge ausgebrochen.

Viele Ortschaften zerstört, die Angst vor einer Cholera-Epidemie und nun eine Meuterei in einem Gefängnis: In Haiti ist die Lage nach dem verheerenden Durchzug von Wirbelsturm "Matthew" katastrophal. Offiziellen Zahlen zufolge starben dabei mehr als 500 Menschen. Nach UN-Angaben sind 1,4 Millionen Menschen auf Nothilfe angewiesen. In dem bitterarmen Karibikstaat wächst zudem die Angst vor der Cholera. Aus dem Süden des Landes wurden bereits mehr als ein Dutzend Todesfälle gemeldet. Immer mehr Menschen weisen Symptome der Seuche auf. Die Hälfte der Bevölkerung Haitis hat zudem kein Trinkwasser, zwei Drittel haben keine richtige Toilette. Es fehlt an Nahrungsmitteln und Medikamenten.

Nun brachen mehr als 100 Häftlinge aus einem Gefängnis in der Küstenstadt Arcahaie aus. Sie töteten einen Wärter und verletzten mehrere. Bei der Meuterei hätten die Häftlinge zudem eine unbekannte Zahl von Waffen mitgehen lassen, teilte der Justizminister mit. Einige hätten sich Feuergefechte mit der Polizei geliefert. Gefängnisse in Haiti gelten als notorisch überfüllt, viele Insassen sitzen jahrelang in Untersuchungshaft. Einige wurden bereits wieder geschnappt, aber dass alle Flüchtligen von den Behörden zurückgebracht werden, gilt als unwahrscheinlich.

Bis heute hat sich Haiti vom Erdbeben 2010 nicht erholt, Hurrikan "Matthew" war ein erneuter Schlag für das Land. Die Infrastruktur, die schon immer ein Problem war, ist nun in einem besonders desolaten Zustand. Dazu kommt ein massives Korruptionsproblem. Das Land scheitert seit Jahren daran, eine ordnungsgemäße Präsidentschaftswahl durchzuführen. Zuletzt kam es auch zu Zusammenstößen zwischen UN-Blauhelmsoldaten und der Bevölkerung. Die UN-Soldaten setzten Tränengas gegen eine aufgebrachte Menschenmenge ein.

© SZ.de/afp/ap/reuters/lalse/vit
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