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SZ-Kolumne "Mitten in ...":Lebensrettende Nudel

Bei einer Tour durch die Toskana lernt der SZ-Autor, dass Schwimmhilfen auch außerhalb des Wassers sehr nützlich sein können, zum Beispiel auf dem Gepäckträger. Drei Anekdoten aus Deutschland und Europa.

Mitten in ... Sorano

Illustration: Marc Herold

Es ist knochentrocken in der südlichen Toskana. Staub und Blütenpollen wirbeln durch die Luft. Ein Traktor erzeugt einen kleinen Sandsturm. Auf der Landstraße flimmert der Asphalt. Zwei Radfahrer, an den regendichten Packtaschen und Neon-Funktionswesten unschwer als Deutsche identifizierbar, mühen sich an schweißtreibenden Steigungen ab. Einer von ihnen hat ein längliches Plastikding quer auf den Gepäckträger geklemmt. Was hat er bloß hier mit einer Schwimmnudel vor? Das Meer ist 70 Kilometer entfernt, der Bolsenasee 25 Kilometer. Während man noch über die Einsatzmöglichkeiten der Nudel sinniert, braust ein Lieferwagen heran, der Radler und Nudel nur um Millimeter verfehlt. Fahrradfahrer sind auch im Land der Nudeln noch nicht als vollwertige Verkehrsteilnehmer anerkannt. Merke: Nudeln helfen in Italien immer, auch auf der Straße. Titus Arnu

Mitten in ... Herrsching

Illustration: Marc Herold

Geschlossene Bahnschranken unterbrechen die Rennradtour. Autos, Radfahrer und Fußgänger sammeln sich vor der Absperrung und warten. In mindestens eineinhalb Metern Abstand unterhalten sich zwei Frauen in dringlicher Lautstärke. Die beiden, irgendwas zwischen Mitte 40 und Mitte 50, haben Hunde dabei und reden über eine Bekannte aus der Hundeschule. Sinngemäß geht es darum, dass diese Frau unfähig und dumm, ihr Hund unerzogen und dumm ist. Da läuft eine Joggerin um die Ecke, etwa zehn Jahre jünger als das Lästergespann. Die Sportlerin trägt Hotpants, die nur das Allerallernötigste verdecken. Eine der Hundefrauen ruft in nicht zu ignorierender Lautstärke hinterher: "Die sieht nicht so geil aus, wie sie denkt! Die hat doch Cellulite am Arsch!" Es folgt: Stille. Dann öffnen sich die Bahnschranken mit knirschendem Geräusch. Sebastian Herrmann

Mitten in ... Berlin

Illustration: Marc Herold

Man ist wieder geflogen und hat sich beim Rausschauen den Hals verrenkt. Also schnell vor dem Büro zur Physiotherapie; kann losgehen, ach ja, die Kette stört, man lässt sie in die Hosentasche gleiten und hat sie sofort vergessen. Der Nacken entspannt sich, wie schön, ab aufs Rad, ins Büro - und Händewaschen. Ein Blick in den Spiegel. Der Hals ist ja leer. Die Kette! Rechte Hosentasche? Nein. Linke? Nichts. In der Jacke? Nichts! Panik steigt auf. Die Lieblingskette, ein Andenken. Liegt sie in der Physiotherapie? Nein, sagt der Therapeut, nachdem er alles umgedreht hat. Bitte, vielleicht vorne auf der Straße, am Fahrradständer, die Praxis liegt im zweiten Hinterhof. Der Mann hört die Panik in der Stimme, klar, er schaut nach. Gefühlt viel zu früh kommt er zurück. "Sie haben ja so ein Glück, dass die Sonne scheint". Bitte? "Na, wie die geglitzert hat, mitten auf dem Hof." Cerstin Gammelin

© SZ/nas
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