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SZ-Kolumne "Mitten in ...":Mach den Quietschtest

Die SZ-Korrespondentin in der Schweiz entwickelt beim Einkaufen auf dem Markt Frühlingsgefühle, die sie sofort als Deutsche enttarnen. Drei Anekdoten aus Städten mit B.

Mitten in ... Bern

Illustration: Marc Herold

Frühlingssonne auf dem Berner Marktplatz. Das Schlangestehen und Abstandhalten vor den Ständen kommt einem plötzlich malerisch vor, man saugt den Duft von Käse und Blumen ein, zückt die Sonnenbrille und gerät in Kauflaune. Zumal sie endlich zu haben sind, die weißen und grünen Stangen, die vor allem für Zugezogene aus dem großen Nachbarland viel mehr sind als Gemüse: nämlich das einzig wahre Symbol für Frühsommer, besser als jede Erdbeere oder Rhabarberstange. Und dann passiert es. Man prüft mit Kennermiene Farbe und Festigkeit, macht den Quietschtest und vergisst vor lauter Freude ganz, wo man sich befindet. "Ist das deutscher Spargel?", hört man sich routiniert fragen. Die Hand fährt zum Mund ob des Sakrilegs, aber die Marktfrau grinst nur. "Nein, italienischer." Die Deutschen und ihr Spargel, eine verflixt enge Beziehung. Isabel Pfaff

Mitten in ... Berlin

Illustration: Marc Herold

Es tagt der U-Ausschuss zum Wirecard-Skandal im Bundestag, einer der wichtigsten Zeugen soll aussagen, Finanzstaatssekretär Jörg Kukies, der mal Co-Chef von Goldman Sachs in Deutschland war. Die Abgeordneten sind ehrgeizig, sie wollen den Ex-Banker drankriegen. Besser also gleich eine Literflasche Wasser mitnehmen in den Verhör-, ähhh, Sitzungssaal. Eine Fragerunde dauert 60 Minuten, nach der zweiten ist die Flasche leer, man ist durstig, vielleicht sollte man gleich noch ein Sandwich besorgen vom Imbissstand vor dem Saal. Also raus, ein Wasser bitte, ein Käse-Sandwich, und diesen Obstsalat da hinten. Acht Euro vierzig. Man hält dem Caterer die Karte hin. "Bedaure, im Bundestag ist noch keine Kartenzahlung möglich." Bitte? Nur Bargeld. Nee! Man will schon abdrehen, da sagt ein Unbekannter in der Reihe: "Ich übernehm' das." Cerstin Gammelin

Mitten in ... Brüssel

Illustration: Marc Herold

Der 8. Mai ist in diesem Jahr ein großer Tag in Belgien, an dem nach einem langen Lockdown die Außengastronomie wieder öffnen darf. Gegenüber der Wohnung im Brüsseler Viertel Etterbeek wurde das gute portugiesische Restaurant vor zwei Jahren von einer eher tristen Bar abgelöst: Spielautomaten, als Deko ein an die Wand genageltes Paar Flip-Flops und fast nie jemand drin. "Wird keinen großen Unterschied machen, wenn die wieder öffnen", denkt man darum am Morgen des besagten Samstags. Doch am Mittag fällt der Blick aus dem Fenster auf drei sehr glückliche Menschen, die im Nieselregen unter dem Sonnenschirm der Bar mit Sekt anstoßen - und auf einmal wird einem ganz warm ums Herz. Es macht eben doch einen Unterschied: Die Bar kann noch so schäbig sein, ist sie geöffnet, verändert das die Atmosphäre der Stadt zum Positiven. Nadja Schlüter

© SZ/nas
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