Aus Mel wird Miel:Star zum Vernaschen

Aus Mel wird Miel: Yohana Agurto und M(i)el Gibson

Yohana Agurto und M(i)el Gibson

(Foto: AFP)

Warum sich eine chilenische Honigverkäuferin mit Schauspieler Mel Gibson anlegt - und was das mit dessen Film "Braveheart" zu tun hat.

Von Christoph Gurk

Er sei gekommen, um Streit zu suchen, tönte Mel Gibson 1995 auf Kinoleinwänden in der ganzen Welt. Damals spielte der Hollywoodstar die Hauptrolle in "Braveheart", einem Kostümschinken, der die Geschichte des schottischen Freiheitskämpfers William Wallace erzählt. An den Kinokassen war der Film ein riesiger Erfolg, Gibson brachte er dazu auch noch zwei Oscars und einen Golden Globe ein. Ein Vierteljahrhundert ist seitdem vergangen, viel Zeit, doch auf Streit, so scheint es, ist Gibson immer noch aus, nur dass der diesmal jenseits der Leinwand stattfindet und der Gegner kein mächtiger König ist, sondern eine alleinerziehende Mutter aus Chile.

40 Jahre ist Yohana Agurto alt, und ihre tiefschwarzen Haare sind fast so lang wie jene wallende Lockenpracht, die Mel Gibson einst als schottischer Rebell trug. Tatsächlich gilt auch Agurto heute vielen als Heldin, dabei war sie vor Kurzem nur eine Lehrerin, die mit ihren Kindern in Chiles Hauptstadt Santiago lebte. Mitte März aber verhängte die Regierung dort einen Lockdown, Agurto verlor ihren Job, die Ersparnisse schwanden und jede Hoffnung auf eine gute Zukunft mit dazu.

Dann aber stieß Agurto beim Surfen im Netz auf ein Bild von Mel Gibson. Ihr fiel auf, dass der Vorname des Schauspielers fast wie miel klingt, das spanische Wort für Honig, und von dem hatte sie ja noch ein ganzes Fässchen in ihrer Vorratskammer. Und so wurde aus Mel Gibson die Marke Miel Gibson, 100 Prozent reiner Bienenhonig und "nur für tapfere Herzen", so steht es über dem Bild von Gibson und dem Logo, das ein befreundeter Grafikdesigner zusammengebastelt hat.

Die 40-Jährige druckte die Etiketten aus, klebte sie auf kleine Gläschen und bot diese dann mit Honig gefüllt im Netz an. Nicht gerade eine revolutionäre Idee, eher ein letzter Rettungsanker, und lange lief das Geschäft auch nur mehr schlecht als recht. Dann aber kam Anfang Juli eine Mail aus Los Angeles. Eine Anwaltsfirma schrieb, Agurto solle es unterlassen, Mel Gibsons Name und Bild für ihren Honig zu verwenden. Andernfalls drohten eine Klage und Schadensersatzforderungen.

Erst habe sie gedacht, all das sei ein schlechter Scherz, sagte Agurto einer chilenischen Radiostation. Danach habe sie Angst bekommen, doch schließlich erinnerte sie sich an William Wallace, jenen unerschrockenen schottischen Freiheitskämpfer, den Mel Gibson in "Braveheart" spielt. Und so habe sie beschlossen zu kämpfen.

Über ihr Profil beim Kurznachrichtendienst Twitter machte sie die Drohungen der Anwälte öffentlich. Bald kamen erste Interviewanfragen von Zeitungen und Fernsehsendern, und dann schrieben sogar New York Times und BBC über Agurto und ihren Honig. Eine Kanzlei bot kostenlose Rechtshilfe an, gleichzeitig überschwemmten Kunden Miel Gibson mit Bestellungen.

Letztendlich sahen dann wohl auch die US-Anwälte ein, dass sie bei einer Klage mehr zu verlieren als zu gewinnen hätten. Agurto muss nun das Bild von Mel Gibson von den Etiketten entfernen, den Namen ihres Honigs darf sie aber behalten. Miel Gibson soll nun zu einem Familienbetrieb ausgebaut werden. Ein Happy End, das Hollywood nicht schöner hätte schreiben können.

© SZ vom 19.08.2020/mkoh
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