Meppen Wenn die Bundeswehr ein Moor in Brand steckt

  • Der Brand eines Moors nahe Meppen, den die Bundeswehr ausgelöst hat, hat sich auf eine Fläche von 800 Hektar ausgebreitet.
  • Kritik kommt nicht nur vom Naturschutzbund, sondern auch von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil.
Von Thomas Hahn

Am Mittwoch gab es wieder eine Lagebesprechung zum Brand im Moor bei der Wehrtechnischen Dienststelle 91 (WTD 91) in Meppen. Und wer hoffte, danach ein Zeichen von Entspannung zu vernehmen, wurde enttäuscht. Über dem Gelände der WTD 91, dem Technologiezentrum für Waffen und Munition der Bundeswehr, steht weiterhin eine riesige weiße Rauchwolke, die das umliegende Emsland je nach Wind mal mehr, mal weniger stark belastet. Seit dem 3. September, seit die Bundeswehr hier Raketen testete, kokelt der Torf vor sich hin. Die Löscharbeiten gestalten sich schwierig, immerhin meldete die WTD 91: Die Feuerwehr habe verhindern können, dass der Brand auf die angrenzenden Wälder übergreift. Außerdem hätten Messungen ergeben, dass keine Gesundheitsgefahr bestehe. Aber die Krise bleibt, und nicht wenige fragen sich: Wie konnte es überhaupt dazu kommen?

Die Trockenheit ist in diesem Sommer ein großes Thema gewesen. Gerade in Norddeutschland verging kaum ein Tag, an der zu den naheliegenden Dürresorgen der Bauern nicht eine neue unerfreuliche Nebenwirkung der geringen Niederschläge ans Licht kam: Auf Niedersachsens Weihnachtsbaumplantagen vertrockneten die Setzlinge. In Mecklenburg bekam das Holz alter Kirchenorgeln Risse. In Schleswig-Holstein klagten die Schäfer über welke Weiden. Regenwarnungen bestimmen im Norden meistens die Wetterberichte in der hellen Jahreszeit, diesmal ging es um niedrige Pegelstände und Waldbrandgefahr. Es war nicht zu überhören, dass das schöne Wetter auch die eine oder andere Gefahr mit sich brachte. Und deshalb gerät wegen des Moorbrands von Meppen die Bundeswehr in die Kritik, die das Feuer verursacht hat, wie sie selbst einräumt. "Der ursprüngliche Brand ist bei einer Erprobung von Munition entstanden", sagt ein Sprecher der WTD 91.

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Der Brand habe sich auf einer Fläche von 800 Hektar ausgedehnt

Im Moor herrscht Rauchverbot, aber das Militär testet dort Munition - wie passt das zusammen? Der Naturschutzbund Nabu findet laut NDR, die Bundeswehr hätte auf die Tests verzichten müssen. Längst hat die grüne Bundestagsabgeordnete Filiz Polat von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen Aufklärung eingefordert. In der Neuen Osnabrücker Zeitung nannte Polat die Schießübungen "äußerst fahrlässig". Zumal bei der Übung eine Löschraupe fehlte, mit der sich der Brand nicht so hätte ausbreiten können. Die eine fiel aus, die Ersatzraupe war in der Werkstatt. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) versteht den Vorgang nicht: "Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, nach diesem trockenen Sommer ausgerechnet im Moor Schießübungen zu veranstalten", sagte er, "das muss vielleicht einmal gründlich nachbereitet werden, wenn die aktuelle Situation geklärt ist." Präzise Antworten auf die Kritik hat die Bundeswehr noch nicht zu bieten. Das Verteidigungsministerium arbeite daran, sagt der WTD-91-Sprecher: "Im Laufe der Woche ist eine Antwort zu erwarten." In einer Pressemeldung hieß es: "Wir bitten um Verständnis, dass jetzt die erste Priorität der akuten Bekämpfung des Brandes und der Eindämmung der Beeinträchtigungen für die Bevölkerung gilt. Im Nachgang wird das ganze Geschehen selbstverständlich sorgfältig und umfassend auch intern durch die Bundeswehr aufgearbeitet."

Der Brand ist am Dienstagabend sogar in Bremen zu spüren gewesen, das etwa 100 Kilometer nordöstlich des Moores liegt. Man konnte ihn dort riechen und die Ausläufer der Rauchschwaden sehen. Am Mittwoch war der Wind wieder so, dass nur Meppens nähere Umgebung vom Rauch betroffen war. Niedersachsens Landesregierung erwägt, Häuser in der Nachbarschaft zu evakuieren, falls sich die Lage zuspitzt. Ein Nabu-Vertreter schätzte im NDR, dass durch den Brand jetzt schon 900 000 Tonnen Kohlendioxid in die Luft geraten seien. Und schnelle Abhilfe gibt es nicht, trotz fieberhafter Bemühungen durch eine Armee aus Feuerwehrkräften der Bundeswehr, ziviler Feuerwehren, Technischem Hilfswerk, Spezialpionieren und Heeresaufklärern. Das Ende der Löscharbeiten? Sei nicht absehbar, sagt die Bundeswehr.

Der Brand habe sich auf einer Fläche von 800 Hektar ausgedehnt. Das Emsland eignet sich eigentlich gut für Schießübungen. Es gibt hier viel Platz und wenige Leute. Seit 1876 werden hier deshalb Waffen mit großer Reichweite getestet, zunächst durch die Firma Alfred Krupp. Nach dem 2. Weltkrieg übernahm dann die Bundeswehr das Gelände, das jetzt nach Auskunft der WTD 91 "mit einer Fläche von 200 Quadratkilometern der größte instrumentierte Schießplatz Westeuropas" ist. Einen Brand hier zu bekämpfen, ist allerdings besonders schwierig. Das liegt nicht nur daran, dass man das Bundeswehrgelände wegen möglicher Munitionsreste nicht betreten kann. Sondern auch an der Natur dort. Moorboden ist ein Albtraum für Feuerwehrleute. Das Feuer erfasst hier nicht Sträucher und Bäume, sondern den Torf. Der schwelt unterirdisch. Die Brandherde sind nicht zu sehen. Die Feuerwehrleute versuchen deshalb das Areal großflächig zu fluten, um das verborgene Inferno klein zu kriegen.

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Für die Bundeswehr ist der Brand eine große Peinlichkeit. Es sei nicht das erste Mal, dass ein Brand so lange dauert, hat ein Sprecher dem NDR gesagt. Lehren daraus gab es offenbar nicht. Immerhin, die WTD 91 wirkt schuldbewusst. Ihre Pressemitteilung begann sie mit den Worten: "Die WTD 91 bedauert außerordentlich, dass es zu dem durch Tests ausgelösten Brand auf ihrem Gelände gekommen ist und dass es weiterhin Einschränkungen für die Bevölkerung gibt."