Berlin und Brandenburg:Polizei jagte einen Pflanzenfresser

Berlin und Brandenburg: In Kleinmachnow suchte ein Großaufgebot der Polizei nach einer vermeintlichen Löwin.

In Kleinmachnow suchte ein Großaufgebot der Polizei nach einer vermeintlichen Löwin.

(Foto: Fabian Sommer/dpa)

30 Stunden lang wurde im Süden Berlins nach einer angeblichen Löwin gesucht - bis Videoanalysen ergaben, dass es sich wohl um ein Wildschwein handelt. Nun haben Experten eine Kot-Probe und ein Haar untersucht.

Wie ähnlich sich Schwein und Löwe bisweilen sind, bewies vergangene Woche eine eher kuriose Suchaktion in Berlin und Brandburg. Fast 30 Stunden lang spürte die Polizei einer angeblich freilaufenden Raubkatze hinterher, 100 Einsatzkräfte waren beschäftigt, manche mit Maschinenpistolen und Schutzschilden, auch Hubschrauber und Drohnen waren beteiligt.

Auslöser war das Handyvideo eines Anwohners gewesen, auf dem selbst die Polizei eine Löwin vermutet hatte. Doch außer mehreren Wildschweinfamilien wurden trotz intensiver Suche keine wilden Tiere gefunden. Nun ist das Ergebnis der Laboranalyse da - und die deutet auf einen Pflanzenfresser hin. Wildschweine sind Allesfresser.

Eine erste Auswertung einer Kot-Probe habe ergeben, dass es sich um einen Pflanzenfresser handle, sagte eine Sprecherin des Landkreises Potsdam-Mittelmark am Montagmittag. "Wir müssen nicht von einem Löwen ausgehen." Auch das bei der Suche gefundene Haar hat offenbar keine Eigenschaften eines Katzenhaares. Das teilte die Gemeinde Kleinmachnow mit. "Das Labor schließt aufgrund der visuellen Inspektion darauf, dass es sich beim Untersuchungsgegenstand mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht um Katzenhaar handelt."

Dem Labor hätten zum Vergleich keine Wildschweinhaare vorgelegen, Löwenhaare jedoch schon. Deren Struktur sei grundverschieden. Dass es ein Wildschweinhaar sei, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht mit absoluter Sicherheit sagen. Das endgültige Ergebnis von Laboranalysen durch das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung stehe noch aus, da es sich um sehr komplexe und langwierige Untersuchungsvorgänge handele.

"Bedröppelt blasen die Deutschen die Jagd auf die Bestie von Berlin ab"

Nach Auswertung des Videos und anderer Hinweise waren sich Polizei und Behörden bereits am Freitag recht sicher gewesen, dass es keine Löwin gibt. "Die Tendenz geht eindeutig Richtung Wildschwein", sagte Kleinmachnows Bürgermeister Michael Grubert bei einer Pressekonferenz. Zwei Wissenschaftler hätten unabhängig voneinander bestätigt, dass es sich bei dem Tier um ein Schwein handelt. "Es gibt keine akute Gefährdungslage für Kleinmachnow und den Berliner Süden", so Grubert.

Berlin und Brandenburg: Michael Grubert, Bürgermeister von Kleinmachnow, erklärt bei einem Pressegespräch anhand von Fotos, weshalb es sich bei dem gesuchten Raubtier nicht um eine Löwin handelt.

Michael Grubert, Bürgermeister von Kleinmachnow, erklärt bei einem Pressegespräch anhand von Fotos, weshalb es sich bei dem gesuchten Raubtier nicht um eine Löwin handelt.

(Foto: Paul Zinken/dpa)

Im Internet kursieren noch immer recht lustige Memes, und auch im Ausland machte die Löwensuche Schlagzeilen. "Bedröppelt blasen die Deutschen die Jagd auf die Bestie von Berlin ab, nachdem sie zugegeben haben, dass es sich NICHT um eine Löwin handelt", schrieb etwa die Daily Mail in Großbritannien.

Politiker halten den Polizeieinsatz trotz aller Kritik für richtig: Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner sagte am Montag, es sei die Aufgabe von Politik und Polizei, die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten. "Dass es ein Wildschwein war, das lässt doch aufatmen", sagte der CDU-Politiker bei RTL. Ähnlich äußerte sich Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU): "Die Sicherheit der Bevölkerung hat oberste Priorität."

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