Brandenburg:Mutmaßliche Löwin möglicherweise im Süden Berlins gesichtet

Brandenburg: So, oder so ähnlich könnte die Löwin in Brandenburg aussehen.

So, oder so ähnlich könnte die Löwin in Brandenburg aussehen.

(Foto: Jeremy Jowell /imago)

Die Polizei sucht seit der Nacht mit Hubschraubern nach einer Raubkatze. 200 Polizisten sind im Einsatz. Noch immer ist unklar, woher das Tier kommt.

Von Jan Heidtmann und Leopold Zaak

Die mutmaßliche Löwin, die in Brandenburg südlich von Berlin unterwegs sein soll, ist noch immer verschwunden. Das sagte der Bürgermeister der Stadt Kleinmachnow, Michael Grubert, auf einer Pressekonferenz.

In der Nacht war ein Video aufgetaucht, das eine Löwin zeigen soll, die gerade ein Wildtier frisst. Die Polizei Brandenburg geht davon aus, dass das Video authentisch ist. Angeblich sollen auch Beamte in der Nacht das Tier gesichtet haben. Seither ist die Löwin verschwunden. Ein Polizeisprecher bestätigte das der Süddeutschen Zeitung. "Wir gehen davon aus, dass sich eine Löwin unerlaubt im Waldgebiet aufhält. Unerlaubt, zumindest in unseren Breitengraden."

Am Nachmittag ist das gesuchte Tier dann möglicherweise im Süden der Hauptstadt gesichtet worden, wie die Berliner Polizei mitteilte. Das Berliner Veterinäramt und der Stadtjäger seien informiert worden. Sie wurden zum Einsatz- beziehungsweise Sichtungsort bestellt.

Zuvor warnten die Behörden die Bewohner rund um Kleinmachnow, Teltow und Stahnsdorf östlich der Landeshauptstadt Potsdam davor, das Haus zu verlassen. "Gehen Sie nicht in den Wald, gehen Sie nicht joggen", sagte Bürgermeister Grubert. Öffentliche Gebäude blieben weiterhin geöffnet ebenso wie Kindertagesstätten. Die Kinder dürften allerdings zum Spielen nicht das Gelände verlassen, solange das Tier unterwegs sei.

Brandenburg: Im eingezeichneten Gebiet wurden die Anwohner über die Warnapp "Nina" über die Löwin informiert.

Im eingezeichneten Gebiet wurden die Anwohner über die Warnapp "Nina" über die Löwin informiert.

(Foto: SZ-Karte: Mainka/Mapcreator.io/OSM)

Die Polizei ist mit einem Hubschrauber unterwegs, um die Raubkatze zu finden. Nach Polizeiangaben sind etwa 200 Beamte im Einsatz - vornehmlich zum Schutz der Bevölkerung. Unterstützt werden sie vom Amtstierarzt und Jägern, die die eigentliche Suche nach dem Tier übernehmen. "Die Polizei Brandenburg hat Erfahrung damit, Kühe von der Landstraße zu bringen, aber nicht mit Raubkatzen", sagt der Polizeisprecher.

Löwen sind "zum Töten gebaut", sagt der Raubtiertrainer des Circus Krone

Neben dem Aufenthaltsort der Raubkatze ist noch eine weitere Frage unklar: "Wir wissen schlicht und ergreifend nicht, wo sie herkommt", sagt der Polizeisprecher. Weder Zoos noch Zirkusse vermissten eine Löwin. Bürgermeister Grubert sagte, der Stadt sei niemand bekannt, der privat eine Löwin halte.

Der Polizeisprecher zeigt sich aber optimistisch, dass der oder die Besitzer ermittelt werden. "Das ist ja keine normale Katze. Wenn so eine Löwin nach Deutschland kommt, muss das ja dokumentiert werden." Priorität sei es, das Tier zu finden.

Martin Lacey trainiert seit Jahren Löwen und Tiger beim Circus Krone in München. Er hat das Video des fressenden Raubtieres gesehen und hält es für sehr schwer, einzuschätzen, ob es sich um eine Raubkatze handelt. Merkwürdig ist in jedem Fall, dass sich bisher noch kein Besitzer gemeldet hat. Sollte das Tier von einem privaten Halter entlaufen sein, müsste es einen Mikrochip zur Ortung tragen. Die andere Möglichkeit wäre nur, dass es von einem Schwarzhändler stammt.

Sollte es sich tatsächlich um eine Löwin oder eine andere Raubkatze handeln, wäre das sehr gefährlich. "Die sind zum Töten gebaut." Dabei gehe es nicht nur darum, dass das Tier fressen muss. "Ein Löwe ist dann gefährlich, wenn er Angst hat. Deshalb machen wir hier bei uns alles sehr langsam mit den Tieren." Über Jahre würden sie darauf trainiert, mit allen möglichen Störungen umzugehen: Kinder, die lachen, Besucher, die Popcorn essen.

Brandenburg: Der Dompteur Martin Lacey sagt, der Mensch wäre für einen entlaufenen Löwen die leichteste Beute.

Der Dompteur Martin Lacey sagt, der Mensch wäre für einen entlaufenen Löwen die leichteste Beute.

(Foto: Robert Haas)

Im Prinzip seien Löwen aber sehr faule Tiere. "Die brauchen 20 Stunden Ruhe am Tag." Anders als oft dargestellt, streiften Löwen auch nicht umher. "Wenn die Essen und Trinken vor Ort haben, dann bleiben die dort", meint Lacey.

Deshalb wäre auch wichtig zu wissen, woher das Tier stammt, sollte es eine Raubkatze sein. Ein aus dem Zoo oder Zirkus entlaufenes Tier ist eher an einen Ort gebunden und würde sich weniger verstecken als ein Tier aus Privatbesitz, weil es den Kontakt zu Menschen nicht gewohnt ist. "Das wäre schüchterner." Für den Menschen wäre ein entlaufenes Tier besonders gefährlich. Denn es sei nicht gewohnt, sich durch die Jagd zu versorgen. Es würde sich die Beute schnappen, die am einfachsten verfügbar wäre. Und das ist in besiedelten Gegenden nun mal der Mensch.

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