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Limburger Bischof Tebartz-van Elst:Wäre er ein Oberbürgermeister, er müsste längst zurücktreten

Wäre Franz-Peter Tebartz-van Elst Oberbürgermeister einer Stadt, er wäre schon längst zurückgetreten. Wäre er Manager eines großen Unternehmens, der Aufsichtsrat hätte ihn umstandslos gefeuert. In der katholischen Kirche aber geht das nicht so einfach. Der Papst muss über den Bischof entscheiden - er kann ihn des Amtes entheben oder er kann sein Rücktrittsgesuch annehmen. Auch Robert Zollitsch, der Bischofskonferenzvorsitzende, hat keine Weisungsbefugnis gegenüber seinem Amtsbruder; er kann sich nur beim Papst beschweren.

In Rom gibt es aber durchaus Kräfte, die dagegen sind, dass der Limburger Bischof resigniert - für sie hieße das, vor den Medien und der Welt einzuknicken. Der wichtigste Verbündete hier ist Gerhard Ludwig Müller, als Präfekt der Glaubenskongregation immerhin nach dem Papst und dem Kardinalstaatssekretär der drittwichtigste Mann der Kurie. Noch am Freitagabend nannte er die Vorwürfe gegen Tebartz-van Elst eine "Erfindung von Journalisten"; für die hohen Baukosten seien die Mitarbeiter und nicht der Bischof verantwortlich.

Längst geht es um mehr, bei diesem Kampf um Rom

Bei Müller schwingt da die eigene Konfliktgeschichte aus seiner Zeit als Bischof in Regensburg mit. Alleine steht er mit dieser Wahrnehmung aber nicht in der Kurie: Auch Papst Benedikt XVI. beklagte schon die "sprungbereite Feindseligkeit", die ihm selbst von Kirchenmitgliedern entgegenschlage. Und einige der unter Benedikt dienenden Kurienmitarbeiter denken ähnlich: Die katholische Kirche darf sich nicht vom Zeitgeist vorschreiben lassen, wer Bischof sein und bleiben darf und wer nicht.

Allerdings steht jetzt Franziskus an der Spitze der Kirche - der Papst, der zwei Zimmer im Gästehaus Santa Martha bewohnt, der sich in Klein- und Mittelklassewagen kutschieren lässt und neulich den Bischöfen sagte: "Seid nahe beim Volk und lebt, was ihr predigt!" Gelingt es Tebartz-van Elst nicht, den Papst zu überzeugen, dass die Medien eine einzige große Lügengeschichte erzählen, ist Franziskus im Zugzwang: Stützt er den Limburger, bekommt das Bild vom Papst, der eine bescheidene Kirche will, einen tiefen Kratzer.

Es geht ja bei diesem Kampf um Rom längst nicht mehr nur um die Frage, ob die Baukosten des Ensembles gerechtfertigt sind oder ob sich ein weltferner Gottesmann in einen idiotischen Streit mit dem Spiegel verrannt hat. Es geht um die Frage, ob ein Bischof sich derart in ein Lügensystem verstricken darf, ob er seine Amtsvollmacht als Allmachtsphantasie leben darf, ob ein Bau mehr der Selbstverherrlichung als der Ehre Gottes dienen darf.