Ein Anruf bei ... ... Schwester Laure-Marie, die zehn Tage im Kloster eingeschneit war

Endlich ist der Weg wieder frei: Priorin Laure-Marie (rechts) bedankt sich für die Räumung der Zufahrtsstraße zur Kinderalm.

(Foto: Maria Riedler)

30 Nonnen und ein Priester saßen im österreichischen St. Veit im Pongau auf 1300 Höhenmetern fest. Die Gäste wurden von der Bergrettung abgeholt - die Geistlichen blieben.

Interview von Regina Steffens

Werden 30 Nonnen und ein Priester im Kloster eingeschneit. So fangen eigentlich Witze an, aber im österreichischen St. Veit im Pongau ist genau das passiert. Zehn Tage lang saßen die Nonnen und der Priester auf 1300 Höhenmetern fest, eingeschneit auf der sogenannten Kinderalm, dem Bergkloster des kontemplativen Ordens "Monastische Familie von Betlehem, der Aufnahme Mariens in den Himmel und des heiligen Bruno", dem weltweit mehr als 600 Nonnen und 70 Mönche angehören. Die französische Priorin Schwester Laure-Marie, 52, war dabei.

SZ: Schwester Laure-Marie, Sie konnten weder ins Tal noch vor die Tür, die Gefahr vor umstürzenden Bäumen war zu groß. Was haben Sie denn bloß gemacht zehn Tage lang?

Schwester Laure-Marie: Wir haben hier wie in einem Iglu gelebt und etwas mehr gebetet als sonst. Zum Beispiel für die Menschen, die im Schnee ihr Leben verloren haben, und für die Einsatzkräfte. Wir leben hier ja sehr abgeschieden. Stille und Einsamkeit sind uns vertraut.

Kommt denn sonst niemand vorbei?

Doch. Jeden Tag kommen Leute zum Gottesdienst. Außerdem haben wir Gästezimmer und einen kleinen Klosterladen. Dort verkaufen wir zum Beispiel Kerzen, Keramik und "Kräutergold", unseren Klostersirup. Der Laden war aber die letzten zehn Tage geschlossen.

Sie sind 30 Schwestern in Ihrer Gemeinschaft und hatten einen Priester zu Besuch. Verzeihen Sie die Frage: Wie war das denn so für ihn?

Das war ein junger Pfarrer aus Österreich. Für ihn war das eine ganz neue Erfahrung. Aber er hat nicht viel gesagt. Er wollte bei uns ja beten und in Stille leben, da redet man nicht viel. Aber dass wir hier einen Pfarrer zu Gast haben, das ist nicht unüblich. Als es vor zwei Wochen mit dem Schnee losging, hatten wir noch sieben Gäste im Kloster, die mussten von der Bergrettung abgeholt werden. Aber der Pfarrer ist geblieben. Der hatte keine Angst.

Und die Schwestern hatten Angst?

Nein. Wir haben das auch nicht als Event gesehen oder so. Auch nicht als Katastrophe. Da gibt es doch ganz andere in der Welt. Nein, wir Ordensschwestern haben wie auch sonst die Communio gelebt.

Worin waren Sie denn eingeschränkt?

Eigentlich haben wir hier sogar Schlitten und Schneeschuhe. Mit den Schlitten sind wir hier, auf 1300 Metern Höhe, schon öfter unterwegs gewesen. Die sind wichtig, auch für den Transport. Aber diesmal war es einfach viel zu viel Schnee.

Wieso heißt es eigentlich "Kinderalm"?

Die Gebäude hier gehörten früher zu einer Lungenheilstätte für Kinder. Das Kloster wurde in den 1980er-Jahren dazugebaut und besitzt zum Glück eine warme Heizung. Auch das Telefon hat immer funktioniert - trotz Schnee. Und der Bürgermeister von St. Veit drunten im Tal hat täglich bei uns angerufen. Wir hätten auch rausgeholt werden können, aber dann hat schon wieder die Sonne geschienen.

Haben Sie auch Internet?

Ja. Damit haben wir uns ab und zu über das Wetter informiert. Aber eigentlich vertrauen wir lieber Gott als dem Wetterbericht.

Klingt sehr entspannt.

Ja, ganz, ganz entspannt. Die Schwestern unserer Gemeinschaft sind zwischen 26 bis 86 Jahre alt. Die sind alle voller Kraft und können sich gut anpassen. Wir führen ein einfaches Leben, und die Menschen haben uns viele Lebensmittel zu Weihnachten geschenkt, deshalb hatten wir genügend Vorräte. So haben wir erfahren, dass Gott schenkt, was nötig ist.

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