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Kinderarbeit:Wenn schon Kinderarbeit, dann wenigstens fair

Respektvolles Verhalten von den Arbeitgebern und Erwachsenen - dies ist allen befragten Kindern aus den 36 Ländern eines der wichtigsten Anliegen. Sie fordern die internationale Konferenz auf, Unternehmen dazu zu verpflichten, die Rechte von Kindern in ihren Geschäftspraktiken zu beachten. Wenn schon Kinderarbeit, dann wenigstens fair - so lässt sich der Inhalt der Kernbotschaften von 15 eigens gegründeten Kinderkomitees zusammenfassen. Die arbeitenden Jugendlichen verlangen eine Festlegung auf angemessene Bezahlung, eine Art Mindestlohn also. Auch die Arbeitszeit müsse klar geregelt werden, damit noch genügend Luft zum Lernen und für die Freizeit bleibe.

"Die Beteiligung und die Organisation von Kindern in Verbänden und Gewerkschaften verbessern den Kindesschutz. Wenn Jugendliche lernen, über gefährliche und unfaire Arbeitsbedingungen zu sprechen, stärkt sie das, eigene Forderungen zu stellen und ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern", sagt Barbara Küppers von Terre des Hommes.

Die Kinder fordern, gegen gefährliche Beschäftigungen vorzugehen

Von den 152 Millionen Kindern weltweit, die Geld verdienen müssen, arbeiten nach Schätzungen der Kinderrechtsorganisation 73 Millionen unter ausbeuterischen Bedingungen, zehn Millionen Kinder und Jugendliche leben in sklavenähnlichen Verhältnissen. Die befragten Kinder fordern denn auch ausdrücklich die Regierungen auf, per Gesetz gegen ausbeuterische, gefährliche und gesundheitsgefährdende Beschäftigungen vorzugehen.

Benjamin Pütter, ein deutscher Kinderarbeitsexperte, der Sozialprojekte zur Wiedereingliederung ehemaliger Kindersklaven begleitet, beschreibt in seinem Buch "Kleine Hände, großer Profit", eindrücklich eine Beobachtung aus Indien: "Da die Kinder in den Steinbrüchen mit viel zu großen Hämmern arbeiten und weil es viel zu selten Schutzkleidung gibt, verletzen sie sich oftmals schwer. So treffe ich häufig Kinder, die durch das Hämmern ein oder zwei Finger verloren haben. Das zu schwere Gewicht und die überlangen Arbeitszeiten lassen die Kinder rasch ermüden, sodass die Verletzungsgefahr steigt."

Kinderarbeit gibt es auch in Deutschland

Sie arbeiten in Gold- und Steinminen, Hotels und Restaurants, in Friseurläden, in Geschäften, auf Plantagen, im fremden Haushalten, in Textil- und Ziegelfabriken - bei allem Elend gaben viele befragte Kinder an, stolz auf den eigenen Verdienst zu sein. Sie werteten es als positiv, neue Kompetenzen durch den Job zu erlernen, die ihnen dann im Alltag weiterhelfen. Sie wollten bewusst zum Familieneinkommen beitragen und selbst dafür Sorge tragen, dass sie die Schule besuchen und eine Ausbildung bekommen können. Die 1800 Kinder kommen aus Ländern von Bangladesch, Guatemala, Indien, Kenia, Mali, Thailand bis Zimbabwe. In Europa standen Albanien, Kosovo und Serbien im Fokus.

Wie es in Deutschland aussieht? Wie viele Kinder hierzulande von Zwangsarbeit betroffen sind, ist nicht bekannt. Die Hilfsorganisationen vermuten, dass es hier vor allem um sexuelle Ausbeutung geht. 14 Prozent der Opfer des Menschenhandels zum sexuellen Missbrauch in Deutschland sind Kinder, so die Schätzungen. Sie kommen aus Rumänien, Bulgarien, aber auch aus Afrika, Indonesien und Lateinamerika.

© SZ vom 14.11.2017/csi
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