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William und Kate:Skandalös langweilig

Herzog und Herzogin von Cambridge 10. Hochzeitstag

"Allzweckwaffe": Zum zehnten Hochzeitstag veröffentlichten Prinz William und seine Frau Kate, Herzogin von Cambridge, dieses Bild.

(Foto: Chris Floyd; Camera Press/dpa)

Seit zehn Jahren sind Prinz William und Herzogin Kate verheiratet und treiben die Klatschpresse ebenso lange zur Verzweiflung. Ein Überblick über alle Nicht-Skandale ihrer Ehe.

Von Violetta Simon

"Hoffnungsträger", "skandalfrei", "Allzweckwaffe". Das sind Attribute, die einem zu Prinz William, 38, und Herzogin Catherine, 39, einfallen. Als Catherine, damals noch bekannt als Kate Middleton, und Prinz William vor zehn Jahren, am 29. April 2011, heirateten, begleiteten Millionen Fähnchenschwenker das junge Glück. Darüber hinaus ein paar Lippenleser, die der königlichen Family verzweifelt auf den Mund schauten, um herauszufinden, was die Queen an dem Jahrhundertereignis auszusetzen hatte. Nicht viel offenbar: Sie hätte den kleineren Wagen passender gefunden - ansonsten war alles zu ihrer Zufriedenheit, Staatskrise abgewendet.

Als Kate Middleton und Prinz William vor zehn Jahren, am 29. April 2011, heirateten, begleiteten Millionen Fähnchenschwenker das Paar.

(Foto: Carl de Souza/AFP)

In den vergangenen zehn Jahren haben die Eheleute Kate und William so ziemlich alles erfüllt, was das britische Königshaus und dessen Anhänger von ihnen erwarteten. Sie bekamen drei bezaubernde Kinder - George, Charlotte und den kleinen Louis. Die Regenbogenpresse rechnete aus, dass die Abstände zwischen Geburt und anschließender Babypräsentation immer kürzer und Kates Absätze dabei immer höher wurden. Das war auch schon das, was am meisten Aufsehen erregte. Denn eines hatten die königlichen Eltern nicht zu bieten: einen handfesten Krach. Kein Streit um Babynamen, Erziehungsstil oder Ernährung - zumindest nicht außerhalb der eigenen vier Wände.

William und Kate mit George (Mitte unten), Charlotte, dem kleinen Louis (auf Williams Arm) und anderen Mitgliedern der Familie.

(Foto: Daniel Leal-Olivas/AFP)

Es dürfte die Regenbogenpresse gewurmt haben, dass große Dramen bei Kate und William in all den Jahren ebenso ausblieben wie Skandale. Also half man ein bisschen nach, schließlich sind Bußgelder im Budget einkalkuliert: Schon kurz nach der Hochzeit, 2012, drängten sich Paparazzi in den Sommerurlaub des Paares, lichteten die Herzogin oben ohne ab und verkauften das Sonnenbad in der Provence als "Nackt-Skandal". Zwei Fotografen und das Boulevardmagazin Closer, das die Fotos abgedruckt hatte, wurden zu hohen Geldstrafen verurteilt, das königliche Paar bekam 100 000 Euro Schadenersatz - und kündigte wie erwartet umgehend an, das Geld für wohltätige Zwecke zu spenden.

In den Jahren danach weihten der Herzog und die Herzogin pflichtbewusst Kindergärten ein, sammelten Geld zugunsten wohltätiger Organisationen, pflanzten Bäumchen, engagierten sich für soziale Belange. Den Klatschblättern blieb nicht viel anderes übrig, als die Herzogin für ihren Stil zu loben: stets geschmackvoll und stylish, nicht zu abgehoben, gern auch mal was von Zara. Als Kate Anfang 2020 ein Kinderhospital in London besuchte, stürzte sich die ausgehungerte Yellowpress auf das Kostüm von Dolce & Gabbana, das immerhin Kates Knie zeigte, und die klobigen "chunky-heeled pumps", die sie dazu kombinierte.

Kate und ihre Kleider - geht immer

Überhaupt scheinen das Skandalträchtigste an Kate ihre - wehenden - Kleider zu sein: Ob bei einem Abstecher am Calgary Airport bei ihrer Kanadatour, bei einer Kranzniederlegung am India Gate oder, hochschwanger, auf einer Hochzeit im südenglischen Oxfordshire, die Klatschpresse diesseits und jenseits des Ärmelkanals veröffentlichte vorwiegend Schlagzeilen und Schnappschüsse von fliegenden Kleidersäumen und "Marilyn-Monroe-Momenten", "Röckchenblitzern" - und die Bild meldete im Jahr 2014, Breaking News: "Sie hat jetzt eine Popositterin!"

Nachdem sich nicht einmal Kates Bauch mehr wölbte, versuchten die Klatschblätter, die Familienplanung zu übernehmen: Als Kate 2020 in einem Luxus-Babyladen gesichtet wurde, jubelte die Neue Post entschlossen "Hurra, noch ein Baby"!" In den folgenden Monaten war die Herzogin dann abwechselnd mit Zwillingen oder nie mehr schwanger: "Ist William schuld?" Und hinter Schlagzeilen wie "Kate: Süße Baby-News" verbargen sich die Schwangerschaften von Freundinnen oder ihrer Schwester Pippa.

Und als mal wieder gar nichts zu holen war, attestierte eine Expertin für Körpersprache der Herzogin, sie habe bei einem Auftritt in einer Schule "traurig und nachdenklich" gewirkt - soweit man das von Weitem, zwischen Maske und Pony, erkennen konnte. Vielleicht hatte Kate aber auch nur was im Auge.

Wann gibt die Boulevardpresse auf?

Vor der Hochzeit hatte Kate von der Regenbogenpresse einige Spitznamen verpasst bekommen, die auf eine skandalträchtige Zukunft hoffen ließen - aus Sicht derjenigen zumindest, die an königlichen Streitereien ihren Spaß haben: "Partyversand-Tochter" und "Prinzenanglerin", "Waity Katie", "Katie Middleclass", man sprach ihr ab, den "richtigen Stallgeruch" zu haben. Wie man sich täuschen kann: Heute repräsentiert die Herzogin die britische Monarchie derart perfekt, dass man sich fragen muss: Wie lange noch will die Boulevardpresse sich die Zähne an diesem Paar ausbeißen?

Neulich, auf ihrem ersten öffentlichen Termin nach dem Tod von Prinz Philip, haben Kate und William einen nachhaltigen Bauernhof in der Nähe der Stadt Darlington besucht. Haben Schafe gestreichelt, sind Traktor gefahren. Ach ja: Kate trug, so wurde berichtet, eine sichtlich gebrauchte Wachsjacke, Stiefel und Jeans zu einem Strickpulli mit Norwegermuster. Mehr gab es dazu offensichtlich nicht zu sagen.

Wachsjacke, Stiefel und Jeans zu einem Strickpulli mit Norwegermuster: Kate und William beim Besuch eines nachhaltigen Bauernhofs.

(Foto: Owen Humphreys/AFP)

Immerhin, kürzlich, bei einem Termin bei der Royal Air Force zu Ehren des verstorbenen Prinzen Philip, hätte es fast zu einem echten Aufreger gereicht: Medienberichten zufolge hat die Herzogin dort anscheinend - Oh. My. Goodness. - einen schwarzen Mantel von Dolce & Gabbana "recycelt"! Wer jetzt an einen Altkleidercontainer denkt, irrt: So bezeichnete die Presse die Tatsache, dass die Herzogin diesen Mantel bereits 2017 bei einem Auftritt am Remembrance Sunday getragen hatte. So ein Skandal aber auch.

© SZ/nas
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