SZ-Kolumne "Bester Dinge":Ein Berg an Arbeit

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(Foto: Raymond Roig/AFP)

Der Franzose Jimmy Vial hat sich vorgenommen, die Pyrenäen zu säubern. Zurzeit schleppt er Teile eines Flugzeugwracks bergab. Ganz klar, wer besonders stolz auf ihn ist.

Von Alexander Menden

In den Siebzigerjahren gehörten die Wombles zu den Vorreitern all jener, die Müllaufsammeln als eine Art Bürgerpflicht empfanden. Die an besonders wohlgenährte Spitzmäuse erinnernden Wesen aus einer britischen Kinderbuchreihe lebten im Londoner Stadtteil Wimbledon, sie hießen Tobermory, Orinoco, Bungo und Tomsk, und lasen unter der gütig-strengen Aufsicht von Clan-Chef Großonkel Bulgaria Dosen, Zeitungen, kaputte Regenschirme und jeden anderen achtlos weggeschmissenen Kram auf, um ihn in bester Recyclingmanier neuen Zwecken zuzuführen.

Genauso verfährt auch der Franzose Jimmy Vial, allerdings in weit steilerem Gelände. Der passionierte Bergsteiger gab vor vier Jahren seinen Job in einem andorranischen Höhentrainingszentrum auf, um sparsamer und naturverträglicher zu leben. Dazu gehört für ihn das Säubern der Pyrenäen, an deren Fuß er lebt. Im ersten Corona-Lockdown reifte sein Plan, Zivilisationsmüll aus den Bergen ins Tal zurückzutragen. Seitdem hat er laut L'Express sieben verschiedene Areale im Grenzgebiet zwischen Frankreich, Andorra und Spanien von Dosen, alten Schafgattern und Ähnlichem gereinigt und insgesamt zwei Tonnen Altmetall zum Recyceln bergab getragen.

Derzeit ist der 50-Jährige dabei, ein vor mehr als 20 Jahren abgestürztes Ultraleichtflugzeug, dessen Trümmer über mehrere Hundert Quadratmeter verteilt in den Bergen liegen, Stück für Stück ins Tal zu bugsieren. Zudem möchte er noch zwei weitere Bergsteiger einstellen, die ihm beim Säubern helfen sollen. Wüsste Onkel Bulgaria von der Initiative, er würde Jimmy Vial zweifellos zum Bergwomble ehrenhalber ernennen.

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© SZ/moge
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