Italien: Museum in Nöten Getragen vom Enthusiasmus

Alle bringen sie Opfer für dieses Museum, das von ihrem Enthusiasmus getragen wird. Sie haben das Souterrain einer Schule in eine 3000 Quadratmeter große Kunstgalerie verwandelt, der man nicht ansieht, mit wie wenig Geld sie auskommen muss. Es kommen Besucher aus dem Hinterland, aus Neapel und dem Ausland, das Videofestival des Cam erhält immer mehr Aufmerksamkeit. Was Manfredi unter anderem zu seinem Brief getrieben hat, ist die Ignoranz, auf die das Cam in Casoria stößt. Es gibt kein Geld von der Gemeinde, der Provinz oder der Region - obwohl dorthin EU-Kulturmittel fließen. Obwohl Casoria sich "Kunststadt" nennen darf, was Privilegien wie die Sonntagsöffnung von Läden mit sich bringt.

Keine moralische Unterstützung

"Es geht mir gar nicht zuerst ums Geld", sagt Manfredi. Er findet viel schlimmer, dass es keine moralische Unterstützung gibt. Zu Ausstellungen lässt sich von der Stadtregierung niemand blicken. Sie lässt auch den Skulpturenpark verkommen, den das Cam der Stadt gestiftet hat. Bürgermeister Stefano Ferrara trifft man samstagmittags vor dem Rathaus. "Wir sind stolz auf das Cam", sagt er. Es gebe Pläne für neue Räume und eine halb städtische, halb private Leitung. Letzteres ist fast eine Drohung, wenn man sieht, wie schlecht vor allem im Süden Italiens öffentliche Verwaltungen oft funktionieren.

Manfredi sagt, was der Bürgermeister sage, stimme leider nicht. Seit drei Jahren halte ihn die Stadt nur hin mit Ankündigungen und tue nichts. Nicht nur von der Stadt, in der er geboren ist, fühlt Manfredi sich verlassen. Nirgendwo gibt es so viele Kunst- und Kulturschätze wie in Italien. Doch die Regierung Berlusconi hat bei ihrem Sparpaket auch hier drastisch gekürzt, der Kulturbetrieb ist überall in Not. Viele empört das. Auch deshalb Manfredis Asylantrag.

Und warum in Deutschland? "Es ist für mich die vertrauenswürdigste Adresse." Dass die Bundesrepublik trotz Sparzwang in Kultur und Bildung investiert, ist für viele Italiener ein leuchtendes Vorbild. Manfredi ist klar, dass Angela Merkel nicht einfach sein Museum aufnehmen kann, "das wäre wohl politisch heikel". - "Aber wenn doch", sagt er mit fester Stimme, "wir packen sofort."

Was er wirklich erhofft, ist ein Zeichen der Solidarität. An den Museumseingang haben sie schon mal eine schwarzrotgoldene Fahne gehängt.