Vulkanausbruch des Krakatau "In den kommenden Tagen kann erneut ein Tsunami auftreten"

Durch den Ausbruch des Krakatau starben kurz vor Weihnachten Hunderte Menschen.

(Foto: AFP)

Lassen sich Katastrophen wie jene in Indonesien vorhersehen? Vulkanologe Jacques-Marie Bardintzeff erklärt, warum der Krakatau so gefährlich ist - und warum die Behörden zu Recht weiter zur Vorsicht mahnen.

Von Arne Perras, Singapur

Der Krakatau in Indonesien ist wieder erwacht: Nach dem jüngsten Ausbruch des Vulkans hat ein Tsunami an den Stränden Sumatras und Javas mehrere Hundert Menschen getötet. Noch immer werden Leichen aus den Trümmern geborgen. Indonesien trauert um seine Toten und blickt mit Schrecken auf einen Vulkan, der einst, im Sommer des Jahres 1883, eine der größten Naturkatastrophen der Neuzeit ausgelöst hatte. Damals starben Zehntausende Menschen. Der französische Vulkanologe Jacques-Marie Bardintzeff von der Université Paris-Sud erklärt, was von diesem Vulkan noch alles zu erwarten ist.

SZ: Herr Bardintzeff, haben die Menschen in Indonesien nun das Schlimmste überstanden oder müssen sie weiterhin Angst haben?

Der Vulkan ist schon seit einigen Wochen wieder aktiv, in den vergangenen Tagen hat sich das noch verstärkt. Das ganze Gebäude des Vulkans ist instabil, sodass in den kommenden Tagen erneut ein Tsunami auftreten kann. Das muss nicht so passieren, aber es ist eine Möglichkeit. Deshalb ist es richtig, dass die indonesischen Kollegen jetzt zur Vorsicht mahnen und die Menschen warnen, an die Küsten zu gehen. Sie müssen sich vom Strand in diesen Gebieten fernhalten.

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Was die Welle zurücklässt

Wissen Sie denn schon, wie dieser Tsunami genau zustande gekommen ist?

Sowohl seismische als auch vulkanische Aktivitäten können so einen Tsunami auslösen. Im Fall des Krakatau gab es zuerst eine Eruption, die einen Erdrutsch an der Flanke ausgelöst hat. Die Gesteinsmassen rutschten unter die Wasseroberfläche und lösten so die Welle aus. Wie das genau im Einzelnen abgelaufen ist, ist schwer zu sagen. Womöglich hat es eine sogenannte "phreatomagmatische Explosion" gegeben. Sie entsteht zum Beispiel, wenn heißes Magma auf das Wasser des Ozeans trifft. Das erzeugt gewaltigen Dampf und setzt eine enorme Energie frei. Gut möglich, dass dabei auch Teile des Vulkanberges abgerutscht sind. Es ist schwer zu sagen, was genau unter Wasser in solchen Momenten passiert.

Kann man Menschen vor solchen Gefahren nicht rechtzeitig warnen?

Das ist wirklich nicht einfach. Die Distanz zwischen Vulkan und Strand ist ja nur sehr gering, wir reden hier von 30 bis 50 Kilometern, da kommt so eine Welle sehr schnell am Strand an, das dauert kaum eine halbe Stunde. Zwischen Ursache und Wirkung liegt nur wenig Zeit. Das macht es schwer, Menschen zu schützen, zumal solche Ereignisse sehr schwer vorherzusehen sind.

Könnte es sein, dass dieser Vulkan, den sie das "Kind des Krakatau" nennen, genauso verheerend ausbrechen wird wie damals, im Sommer 1883, als der ganze Berg explodierte, riesige Tsunamis die Küsten trafen und Zehntausende Menschen starben?

Es ist unmöglich, das zu wissen. Vielleicht macht der Krakatau noch einige Wochen so weiter wie jetzt und kommt dann wieder für ein paar Jahre zur Ruhe. Oder auch nicht. Es kann schon wieder etwas Ähnliches passieren wie 1883. Vielleicht in einem Jahr, in zehn Jahren oder in hundert Jahren. Wir können nicht wissen, was alles in der Magmakammer unter dem Krakatau passiert. Wir wissen nur: Dies ist ein gefährlicher Vulkan, dem man mit großer Vorsicht begegnen muss.

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