Hilfe nach Hurrikan Prominente helfen, Trump lässt sich bitten

Ein kleines Mädchen watet nahe der Stadt Morovis auf Puerto Rico durch die Fluten, die infolge des Hurrikans entstanden sind.

(Foto: dpa)
  • In Puerto Rico ist die Situation eine Woche nachdem Hurrikan Maria die Insel erfasst hat, noch immer dramatisch.
  • Viele Straßen sind zerstört, es fehlt an Treibstoff, Grundnahrungsmitteln und sauberem Trinkwasser.
  • Mehrere US-Prominente sammeln jetzt Spenden für die Betroffenen.
Von Oliver Klasen

Erst kam Irma, dann José und schließlich Maria: Innerhalb weniger Wochen sind drei Hurrikans über Puerto Rico hinweg gezogen. Die Insel, auf der etwa 3,5 Millionen Menschen leben, ist schwer getroffen. Der letzte der drei Stürme brachte nicht nur Windgeschwindigkeiten von 250 km/h mit sich, sondern auch riesige Regenmengen, die zu großflächigen Überschwemmungen führten. 16 Menschen starben infolge des Unwetters.

Puerto Rico gehört zu den sogenannten Außengebieten der USA. Zwar ist es damit kein Bundesstaat, die Bewohner dürfen also nicht den Präsidenten wählen, sie sind aber dennoch US-Bürger. Gerade deshalb ist die amerikanische Öffentlichkeit so bewegt von der Situation auf der Karibikinsel.

Es ist erst eine Woche her, dass Maria abgezogen ist, doch noch immer ist fast das ganze Territorium ohne Strom. Ein großer Teil der Hochspannungsleitungen wurde zerstört und es könnte Monate dauern, sie wieder aufzubauen. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg schreibt, haben nur elf der 69 Krankenhäuser auf der Insel derzeit genug Strom, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Es gibt auch nicht genug Diesel-Treibstoff für Notstromgeneratoren.

Etwa die Hälfte der Bewohner hat zudem keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Das Telefonnetz ist schwer beeinträchtigt, was die Verständigung und die Rettungsarbeiten erschwert. Nur zehn Prozent der Mobilfunkzellen sind intakt geblieben und die Betreiberfirmen haben Probleme, mit den Reparaturen hinterherzukommen. Etliche Straßen sind zerstört oder so schwer beschädigt, dass sie kaum befahrbar sind. Ein großer Staudamm hatte am Wochenende gefährliche Risse bekommen und drohte zu brechen. Zehntausende Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden.

Einige Geschäfte haben inzwischen zwar wieder geöffnet, doch ein Großteil der Regale ist leer und es bilden sich lange Schlangen für die wenigen Grundnahrungsmittel, die es zu kaufen gibt. "Wir bekommen Hilfe von der Bundesregierung, aber das sind nie dagewesene Umstände", sagte Ricardo Rosselló, der Gouverneur von Puerto Rico. Schon bevor die Hurrikans kamen, war Puerto Rico in Schwierigkeiten. Die Regierung sitzt auf 74 Milliarden US-Dollar an Schulden, die Wirtschaft ist schwach und viele Bürger verlassen die Insel, um auf dem US-Festland Arbeit zu finden.

Seitdem Maria auf Puerto Rico schwere Zerstörungen hinterlassen hat, steht US-Präsident Donald Trump in der Kritik, weil er für Puerto Rico zunächst keine zusätzlichen Erleichterungen freigeben wollte. Die Regierung hatte zugesagt, die Aufräumarbeiten mit bis zu 5000 Soldaten zu unterstützen. Außerdem will sie 100 Prozent der Kosten übernehmen, die für die Beseitigung der Unwetterschäden anfallen. Normalweise übernimmt Washington nur 75 Prozent dieser Kosten, den Rest muss die Verwaltung in dem betroffenen Gebiet tragen.

Juristen und Aktivisten von Hilfsorganisationen forderten darüber hinaus die Lockerung des sogenannten Jones Acts. Dieses Gesetz aus dem Jahr 1920 regelt den Seehandel innerhalb des Hoheitsgebietes der USA, was Puerto Rico mit einschließt. Sämtliche Güter dürfen demnach nur mit Schiffen transportiert werden, die in den USA gebaut wurden, einer US-Gesellschaft gehören und von einem US-Betreiber unterhalten werden. Nicht-amerikanische Organisationen oder andere Staaten können deshalb nicht ohne Weiteres Hilfsgüter von einem US-Hafen nach Puerto Rico schicken.

Der Jones Act kostet Puerto Rico jedes Jahr Hunderte Millionen Dollar, wie die Huffington Post schreibt, und sorgt bei der derzeitigen humanitären Krise für zusätzliche finanzielle Lasten. Inzwischen hat Trump erklärt, dass er das Gesetz lockern wolle. Sarah Sanders, Pressesprecherin im Weißen Haus, verkündete die Entscheidung via Twitter.

Trump reagierte damit auf eine Anfrage des puerto-ricanischen Gouverneurs. Zuvor hatte er eine Aufweichung noch abgelehnt, mit Verweis auf Arbeitsplätze, die dadurch in der US-Transportindustrie gefährdet seien. Kritisiert wurde Trump unter anderem vom republikanischen Senator John McCain. Er spricht von einem "veralteten Gesetz". Es sei nicht akzeptabel, dass die Bürger in Puerto Rico nach der Katastrophe doppelt so viel wie nötig für sauberes Wasser und Nahrung zahlen müssten.

"Tun Sie was für Menschen in Not"

Popsänger Marc Anthony ging den Präsidenten noch härter an. Er nahm Bezug auf einer Serie von wütenden Tweets, in denen sich Trump über Spieler der National Football League beschwerte hatte, weil sie ihm Rassismus vorwerfen. "Halten Sie verdammt nochmal die Schnauze über die NFL. Tun Sie was für Menschen in Not in Puerto Rico. Wir sind auch Bürger Amerikas", schrieb der Sänger.

Dass der Wiederaufbau in Puerto Rico so schleppend vorangeht, tat Trump am Mittwoch mit folgenden Worten ab: "Wir haben sehr hart gearbeitet in Puerto Rico. Aber es ist eben schwer, weil es eine Insel ist. Eine Insel inmitten eines Ozeans, eines sehr großen Ozeans".

Mehrere Prominente reagierten schneller als Trump. Die in den USA stark in der Gesellschaft verankerte Wohltätigkeits-Kultur zeigte sich auch im Fall von Puerto Rico. Sängerin Jennifer Lopez zum Beispiel spendete eine Million US-Dollar für die Opfer der Naturkatastrophe. "Genauso wie viele andere kam mir sofort die Frage in den Sinn, wie ich am besten helfen kann", sagte Lopez, deren Eltern aus Puerto Rico stammen. Gemeinsam mit ihren Ex-Mann Marc Anthony und anderen Künstlern hat Lopez eine Hilfsorganisation gegründet, die weltweit um Unterstützung für die Betroffenen bitten will.

Auch der Hip-Hopper Pitbull engagiert sich. Er stellte seinen Privatjet zur Verfügung, damit Krebspatienten für ihre Chemotherapie aus dem vom Hurrikan zerstörten Puerto Rico in die USA geflogen werden können. Die aus Puerto Rico stammende US-Kongressabgeordnete Jenniffer Gonzalez bedankte sich persönlich bei dem Künstler, der bürgerlich Armando Christian Perez heißt und in den internationalen Charts seit Jahren erfolgreich ist.

In seinen Musikvideos inszeniert sich Pitbull gerne als Player und umgibt sich mit den üblichen Insignien des Hip-Hop-Business. Zu sehen sind Champagner am Pool, viele kaum bekleidete Frauen und immer gerne ein dicker Sportwagen, der durchs Bild fährt. Doch über das, was er jetzt getan hat, schreibt er auf Twitter ganz bescheiden: "Gott sei Dank darf ich helfen. Ich tue nur meinen Teil".

(Mit Material der Nachrichtenagenturen)

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