Stilkritik "Tippfehler":Hauptsache Niedersachen

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Stilkritik "Tippfehler": Hamburg für Hannover: Auf dem Wahlplakat der grünen Spitzenkandidatin in Niedersachsen hat sich ein Fehler eingeschlichen.

Hamburg für Hannover: Auf dem Wahlplakat der grünen Spitzenkandidatin in Niedersachsen hat sich ein Fehler eingeschlichen.

(Foto: Melissa Erichsen/dpa)

Kleiner Fehler, großer Spott: Auf einem Wahlplakat der Grünen fehlt ein s, Twitter überschlägt sich. Dabei sind Vertipper zutiefst menschlich. Beispiele gefällig?

Von Nadeschda Scharfenberg

An alle Adleraugen: Finden Sie den Fehler auf dem Wahlplakat! Dass da groß "Hamburg" steht, wo es sich doch um Wahlwerbung aus Niedersachsen handelt? Falsch, Hamburg ist einfach nur der Nachname der grünen Spitzenkandidatin. Genauer hingeschaut: Es fehlt ein s. Frau Hamburg will künftig Niedersachen regieren, soso. Ob Niedersache wohl das Gegenteil von Hauptsache ist?

Kleiner Fehler, großer Spott der politischen Konkurrenz auf Twitter. "Bisschen peinlich", schreibt die SPD, und die CDU in Person des Junge-Union-Chefs Tilman Kuban geht so richtig in die Vollen: "Wenn die Spitzenkandidatin nicht mal das Land buchstabieren kann, sollte sie es nicht regieren!" Die Grünen haben die 600 gedruckten Exemplare des Plakats inzwischen eingemottet.

Das ist schade, denn in wenigen Dingen ist die Menschheit sich so einig wie in ihrem Hang, sich zu vertippen - egal, ob es sich um Zehn-Finger-Champions handelt oder um Anwender des 1FSS (Ein-Finger-Suchsystems). Google zum Beispiel heißt angeblich nur wegen eines Vertippers Google, eigentlich war der Name Googolplex vorgesehen, in Anlehnung an die größte beschreibbare Zahl, eine Eins mit zehn hoch hundert Nullen. Doch als ein Mitarbeiter das Wort ins URL-Fenster eingeben wollte, um zu schauen, ob die Domain noch frei ist, verschrieb er sich, Larry Page war begeistert und einer der wertvollsten Markennamen der Welt geboren.

Nicht ganz so viel Glück hatte im Jahr 2010 der Chef der chilenischen Münzprägeanstalt, der nicht merkte, dass ein paar Tausend Geldstücke mit der Aufschrift "Chiie" in Umlauf gelangten, und daraufhin gefeuert wurde.

Ein Ministerpräsident, der Nüsse kackt

Wer viel tippt, vertippt sich, deshalb zählen Journalistinnen und Journalisten qua Amt zu den Chef-Buchstabenverwurschtlern der Nation. In Belrin hat schon der ein oder andere Bundesknazler regiert oder auch regeirt, einem bayerischen Ministerpräsidenten wurde vor Jahren empfohlen, harte Nüsse zu kacken, was übrigens nichts mit den zahlreichen Scheißereien zu tun hat, die das Land von Zeit zu Zeit in Angst und Schrecken versetzen. Und ob Sigmar Gabriel, auch er bekanntlich ein Niedersache, weiß, was er alles kann? In einer Fernsehbanderole war mal zu lesen: Sigmar Gabriel strickt dagegen.

Das eilig gedruckte Ersatzplakat der Grünen ist leider fehlerfrei. Dabei wäre noch viel mehr drin gewesen. Aus Hannover zum Beispiel ließe sich, zack, ein Hangover machen.

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