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Greta Thunberg:Auf der "La Vagabonde" zurück nach Europa

  • Klimaaktivistin Greta Thunberg segelt am Donnerstag zurück nach Europa.
  • Die 16-jährige Schwedin hat eine Mitfahrgelegenheit auf einem Boot gefunden, das sie in zweieinhalb Wochen über den Atlantik bringen kann.
  • Sie will an der von 2. Dezember an stattfindenden Weltklimakonferenz in Madrid teilnehmen.

Weniger als drei Wochen vor dem Beginn der nach Madrid verlegten Weltklimakonferenz hat Klimaaktivistin Greta Thunberg eine Rückreisemöglichkeit über den Atlantik gefunden. Sie segelt auf dem knapp 15 Meter langen Katamaran La Vagabonde (zu Deutsch: Wanderin, Landstreicherin) vom US-Bundesstaat Virginia aus zurück nach Europa, teilte die 16-jährige Schwedin auf Twitter mit - ehe sie am Mittwochmorgen (Ortszeit) in Hampton in Virgina Segel setzen ließ.

Das australische Youtuber-Paar Riley Whitelum und Elayna Carausu sowie die britische Profi-Skipperin Nikki Henderson bringen sie demnach zurück über den Ozean.

Grund für ihre erneute Segelreise ist die Verlegung der UN-Klimakonferenz von Chile nach Spanien. Eigentlich sollte die Konferenz in Santiago de Chile tagen - sie war einer der Hauptgründe dafür gewesen, weshalb Thunberg im August überhaupt per Hochsee-Segelyacht über den Atlantik in die USA gereist war. Chile sagte die Konferenz aber wegen der heftigen sozialen Proteste im Land ab, Spanien sprang daraufhin als Gastgeber ein. Das Spitzentreffen soll nun vom 2. Dezember an in Madrid abgehalten werden.

Thunberg hatte in den vergangenen beiden Wochen ihre Möglichkeiten ausgelotet, um noch rechtzeitig nach Madrid zu gelangen. Das Flugzeug schloss sie aufgrund der hohen CO₂-Emissionen von Flugreisen generell aus. Damit blieb im Grunde nur die möglichst zeitnahe Überfahrt per Schiff von der US-Ostküste aus.

Nun freut sich Thunberg nach eigenen Angaben darauf, wieder zurück auf den Ozean zu kommen. "Das ist eine tolle Gelegenheit und ich bin extrem dankbar für das Privileg, solche Dinge zu erleben", erklärte sie. Die Weltklimakonferenz sei sehr wichtig und sie werde ihr Bestes tun, um rechtzeitig in Madrid einzutreffen. Ob sie es pünktlich schaffe oder nicht, spiele aber keine große Rolle: "Es sind unzählige andere Aktivisten da, die dort sprechen werden und dieselbe Botschaft wie ich überbringen. Und es ist nicht so, dass meine Stimme unersetzbar ist."

Zwei Wochen hin, zweieinhalb zurück

Whitelum und Carausu hatten sich auf einen Tweet der jungen Schwedin gemeldet, in dem sie nach einer Mitfahrgelegenheit nach Europa gefragt hatte. An Bord werden sich auf der Reise auch der kleine Sohn von Whitelum und Carausu, Lenny, sowie Thunbergs Vater Svante befinden. Svante Thunberg war bereits im August dabei gewesen, als seine Tochter vom norddeutschen Segelprofi Boris Herrmann und dessen Co-Skipper Pierre Casiraghi von England aus über den Atlantik nach New York gebracht worden war. Wegen eines Transatlantik-Rennens mit dessen Yacht Malizia fiel Herrmann diesmal als möglicher Segler an Thunbergs Seite aus.

Thunbergs Hinfahrt über den Atlantik hatte zwei Wochen gedauert, nun hat sie gute zweieinhalb Wochen, um die Rücktour zu schaffen. Warum sie erneut das Segelboot bevorzuge, erklärte sie so: "Indem ich segele, will ich noch einmal die Tatsache unterstreichen, dass es in den heutigen Gesellschaften praktisch unmöglich ist, nachhaltig zu leben."

Das Boot hinterlässt so gut wie keinen CO₂-Fußabdruck, wartet mit Solarmodulen und Hydrogeneratoren zwecks Stromerzeugung auf. Und es hat eine Toilette. Auf dem Boot, mit dem Thunberg vor Wochen vom Vereinigten Königreich nach New York übergesetzt war, hatte sie nur einen Eimer zur Verfügung gehabt. "Es gibt unzählige Leute auf der ganzen Welt, die keinen Zugang zu einer Toilette haben", sagte der Teenager dazu. "Es ist nicht so wichtig. Aber es ist schön, es zu haben."

Riley Whitelum und Elayna Carausu segeln nach eigenen Angaben auf der La Vagabonde um die Welt und dokumentieren die Reise auf ihrem Youtube-Kanal. Mit ihren Videos wollen sie auf die Wichtigkeit des Ozeans aufmerksam machen und andere dazu inspirieren, alternative Lebensmöglichkeiten auszuprobieren. Ihr Katamaran ist mit Solarpaneelen und Wasserkraftgeneratoren ausgestattet, was die Reise so emissionsfrei wie möglich machen soll.

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