Friedensgebet im Vatikan:Ergreifende, medienwirksame Bilder

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Mahmud Abbas sprach von einem gerechten Frieden, um den er für Christen wie Muslime Gott bitte: "Wir wollen Frieden für uns und unsere Nachbarn". Freiheit und Menschenwürde sollten in einem "souveränen und unabhängigen Staat" des palästinensischen Volks geachtet werden. Über Jerusalem sagte Abbas, dass Juden, Christen, Muslime und alle anderen sich dort bei Gebet und Gottesdienst sicher fühlen können müssten.

Der Vatikan hatte sich alle Mühe gegeben, das Gebetstreffen möglichst schnell im Anschluss an die Nahostreise des Papstes zu realisieren, um etwas vom Momentum dieses Besuchs mitzunehmen. Auch, weil die Amtszeit von Schimon Peres kurz vor dem Ende steht. Die Wahl des Orts bedurfte viel Fingerspitzengefühl. Obwohl sich alles auf dem Territorium des Vatikan abspielte, durften keine religiösen Symbole sichtbar sein, die Juden oder Muslime hätten stören können. So fiel die Wahl auf ein von hohen Hecken umstandenes Rasenfeld der Vatikan-Gärten, in denen sonst unter den täglichen Spaziergängern der emeritierte Papst Benedikt XVI. unterwegs ist. Der Papst und die Präsidenten gingen allerdings nicht zu Fuß vom Gästehaus Santa Marta dorthin, sondern rollten in einem weißen Kleinbus über die ruhigen Wege hinter den Vatikanmauern.

Betonte schlichte Zeremonie

Unübersehbar war, dass der Papst bei seiner Friedensmission nicht nur auf die persönliche Begegnung der Konfliktseiten setzte, sondern auch weltweite, medienwirksame Präsenz für diesen Akt gesucht hat. Schon am Sonntagmittag warb er per Twitter: "Frieden ist ein Geschenk Gottes, aber auch wir müssen dafür Anstrengungen unternehmen. Das Gebet ist allmächtig. Lasst es uns nutzen, Frieden in den Nahen Osten und auf die ganze Welt zu bringen."

Für die Fernsehkameras waren Zeitpunkt und Ort der Friedensgebete ein Geschenk, und gaben bei aller betonten Einfachheit der Zeremonie etwas sehr Feierliches: Azurfarbener Himmel wölbte sich an diesem ersten heißen Tag des Jahres über Rom, die Sonne stand um 19 Uhr zu Beginn schon tief und erleuchtete die glänzenden Ligusterblätter am Rand des schon schattigen Rasenfelds.

Das Szenenbild und die Perspektiven hätte ein Filmregisseur kaum besser erdenken können: Längs dunkler Thujenhecken saßen die jeweils knapp 30-köpfigen Delegationen von Vatikan, Israelis und Palästinensern. Wo die Hecke in einem spitzen Winkel aufeinander zulaufen, saßen auf beigefarbenen Samtsesseln der Papst und zu seinen Seiten Peres und Abbas. Die Drei ergriffen als Letzte das Wort, jeder von ihnen sprach ein Gebet. Viele Gesten der Herzlichkeit, Händeschütteln und Umarmungen kamen zu den Worten hinzu.

Zu den Gästen gehörten auch die beiden alten Freunde aus Argentinien, die den Papst schon auf der Nahostreise begleitet und ihren ökumenischen Charakter verkörpert hatten - der Rabbiner Abraham Skorka und der Muslim Imam Omar Abboud, die der Papst demonstrativ vor der Klagemauer in Jerusalem umarmt hatte.

"Wir haben einen Ruf vernommen, und wir müssen antworten"

In Italienisch, Englisch, Hebräisch und Arabisch wurden nun in Rom die Gebete gesprochen, alle, die in Israel und Palästina leben, sollten nicht nur mit ihren Religionen, sondern auch ihren Sprachen repräsentiert sein. "Schalom, Pace, Salam" endete auch der sich sonst fast nur auf Italienisch äußernden Franziskus, der seinen Appell am Schluss wiederholte: "Wir haben einen Ruf vernommen, und wir müssen antworten - den Ruf, die Spirale des Hasses und der Gewalt zu durchbrechen, sie zu durchbrechen mit einem einzigen Wort: ,Bruder'. Doch um dieses Wort zu sagen, müssen wir alle den Blick zum Himmel erheben und uns als Söhne eines einzigen Vaters erkennen."

Die "Anrufung des Friedens" war zuvor eine von "musikalischen Meditationen" unterbrochene Abfolge von Gebeten gewesen, bei der die Religionen nach ihrer Entstehungen an der Reihe waren: Zuerst die Juden, dann die Christen und dann die Muslime. Jeweils drei Gebete für jede Religion - ein Dankgebet, ein Bitte um Vergebung und dann die Bitte um Frieden. Schlichter hätte das alles kaum geschehen können - ergreifender auch kaum.

Es sind Bilder entstanden, die das Scheitern der Politik, Verständigung zu finden, noch schwerer hinnehmbar machen. Es solle der Weg sein zur Suche "nach dem, was eint, um zu überwinden, was trennt", sagte der Papst. Einfache, klare Worte, und überall verständliche Bilder und Gesten, auch für ein vielleicht historisches Treffen. Was immer seine Initiative bringen könnte, an diesem Franziskus-Stil werden sich andere künftig messen lassen müssen, die den Frieden in Nahost auf der Tagesordnung haben.

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