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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Wer nicht sucht, der findet

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(Foto: mauritius images / Alamy / De Ag)

Ein sechsjähriger Junge will nach ein paar Würmern graben. Und macht durch Zufall eine viel wertvollere Entdeckung.

Von Mareen Linnartz

Man könnte ja annehmen, eine Redewendung, die es schon seit etwa 2000 Jahren gibt, die wird schon ihre Bewandtnis haben. In der Bibel, genauer gesagt in der Bergpredigt, steht: "Wer sucht, der findet." Allerdings hält dieser Determinismus der Überprüfung im Alltag eher nicht stand. Wer jemals wirklich etwas gesucht hat, den verlegten Schlüssel, den vor Jahren - verdammt, nur wo? - sorgsam verstauten Impfpass, den auf der Freibadwiese verlorenen Ehering, der findet weniger, als dass er verzweifelt.

Die Taktik, nicht wirklich zu suchen, dann aber was Tolles zu finden, ist vielversprechender. Penicillin gäbe es sonst nicht, Post-it-Sticker würden nirgendwo kleben, Eis am Stiel wäre kein Sommervergnügen. Auch Siddak Singh Jhamat, genannt Sid, aus Walsall in der Nähe von Birmingham, wollte im Garten seines Elternhauses eigentlich nur nach ein paar Würmern graben. Bei seinen Buddelarbeiten förderte der sechsjährige Junge dann Erstaunliches zutage: Eine fossile hornförmige Runzelkoralle (im Englischen horn coral) und tags darauf- so Sids Vater Vish Singh - "so etwas Ähnliches wie versteinerte Tentakel eines Tintenfischs". Erkundigungen seines Vaters in einer Fossilienfachleute-Facebook-Gruppe (die gibt es wirklich) führten zu der Erkenntnis: Die Teile sind vermutlich mehr als 250 Millionen Jahre alt. Wo heute Großbritannien als Insel liegt, war damals offenes Meer. Es gab den Superkontinent Pangäa, alle Landmassen der Erde waren zusammengefasst und von einem einzigen riesigen Urozean umgeben, Panthalassa genannt.

Die Welt war noch eine Einheit und nicht auseinandergebrochen. Es dauerte noch ein paar Jahre, bis Menschen auf ihr lebten. Und noch ein paar mehr, bis die Bibel entstanden ist.

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© SZ/afis/cat
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