Ermittler finden Tatwaffe der Döner-Morde Spekulationen über rechtsextreme Terror-Gruppe

Das "Vielleicht" ist die Waffe der Fallanalytiker: die Hypothese. Horns Hypothese lautete: Der oder die Mörder waren Einzeltäter. Sie suchen ihre Opfer willkürlich aus. Manche von ihnen waren damals schlicht zur falschen Zeit am falschen Ort. Der Mörder konnte in mindestens einem Fall gar nicht wissen, ob dieser oder jener Dönerverkäufer im Laden stehen würde. Der Mörder tötete am helllichten Tag, wie um ein Zeichen zu setzen. Ein Profikiller hätte das Risiko so klein wie möglich gehalten, die Nacht gewählt. Horn und seine Leute gingen von einem "Zerstörungsmotiv" aus. Von jemandem, der Türken hasst - und den einzigen Griechen für einen hielt.

Für Rechtsextremisten gab es zwar keine Anhaltspunkte, die Profiler hielten dies aber für durchaus möglich. Und sie haben offenbar recht behalten. Vielleicht, sagt ein Kommissar, der seit langem auf der Spur der Döner-Mörder ist, hat ihre Analyse ab 2006 sogar weitere Morde nach demselben Muster verhindert, weil die Täter vorsichtiger geworden sind. Man kann es nicht wissen. Erst Anfang November 2011 wurde ein türkischer Imbissbudenbesitzer im sächsischen Döbeln von Unbekannten erschossen. Die Tatwaffe wurde im Fluss Mulde gefunden. Um welches Modell es sich handelt, ist unbekannt.

Beate Z. und die beiden Männer jedenfalls waren laut dem Thüringer Verfassungsschutz schon Ende der neunziger Jahre Mitglieder der rechtsradikalen Gruppe "Thüringer Heimatschutz". Die Gruppe soll nach Angaben des Erfurter Innenministeriums von einem V-Mann des Verfassungsschutzes geführt worden sein. Nachdem 1997 vor dem Jenaer Theater ein Bombenkoffer mit Hakenkreuz-Aufdruck gefunden worden war, stießen die Ermittler auf eine Bombenwerkstatt, die offenbar von den drei Verdächtigen betrieben wurde.

Im Jahr darauf stand die Polizei kurz vor der Festnahme - im letzten Moment konnten die Verdächtigen entkommen. Die Ermittlungen gegen die drei wurden 2003 wegen Verjährung eingestellt, ihre Spur hatte sich verloren. Heute weiß man: Bereits 2008 hatten sich die drei unter falschen Namen in dem Haus in Zwickau eingemietet. Thüringens Innenminister Jörg Geibert (CDU) kündigte die Einrichtung einer unabhängigen Kommission für die Erforschung aller noch offenen Fragen an.

Der Pistolenfund weckte jetzt Spekulationen über die Existenz einer bislang in Deutschland unbekannten rechtsextremen Terror-Gruppe. Der Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bernhard Witthaut, erklärte, wenn sich die Hinweise bewahrheiten sollten, "hätte in Deutschland erstmals eine rechtsextremistische Terrorzelle eine entsetzliche Blutspur hinterlassen." In Sicherheitskreisen wurde vor solchen Mutmaßungen jedoch gewarnt. Bislang gebe es keinerlei Hinweise, dass sich Rechtsextreme nach dem Vorbild der Roten Armee Fraktion zu ideologisch motivierten schweren Gewalttaten zusammengeschlossen hätten, hieß es in den Kreisen. "Wir haben keinerlei Anzeichen für eine solche strukturelle Gruppe", hieß es. Noch seien die Zusammenhänge "absolut mysteriös".