Erdbeben in Italien:Weiterer Schlag für beschädigte Orte

Die schon im August schwer beschädigten Orte wie Accumoli und Amatrice sind nun noch einmal getroffen, die letzten Mauern sind dort nun gefallen. In Amatrice gibt es nun auch den Bürgerturm nicht mehr, der Symbol geworden war für den Überlebenswillen der Leute dort. Auch die Kirche des heiligen Augustin hat diesem jüngsten Stoß von unten endgültig nachgegeben.

Stefano Petrucci, der Bürgermeister von Accumoli, sagte einem Fernsehsender am Sonntagmorgen: "Hier ist jetzt alles zusammengebrochen, die Brücken haben sich um 20 Zentimeter verschoben." Ähnliches musste der Bürgermeister des am Epizentrum gelegenen Ortes Ussita berichten. "Alles ist eingestürzt, es ist eine Katastrophe, ich habe die Hölle gesehen", sagte Marco Rinaldi. Die Schadensbilanz wird erst in den kommenden Tagen deutlich werden, aber es hat viele, viele Baudenkmäler getroffen, auch ein Glockenturm in Ascoli Piceno in den Marken ist umgefallen.

Dass es dieses Mal, zumindest nach vorläufigen Erkenntnissen, keine Toten gab und die Zahl der Verletzten angesichts der Bebenstärke niedrig blieb, hat mehrere Gründe. Im August hielten sich wegen der Ferienzeit viel mehr Menschen in den kleinen Orten auf, die sonst in Rom oder anderen Städten leben, und die Häuser in ihren Heimatdörfern nur im Sommer bewohnen. Und die im August gefährlich beschädigten Gebäude durften seither nicht mehr betreten werden. Aber auch viele derjenigen, deren Häuser bisher noch in Ordnung waren, verbringen wegen der vielen Nachbeben ihre Nächte in sicheren Unterkünften. Einige schlafen schon seit Wochen im Auto oder in Campingmobilen.

"Das sind wunderbare Gegenden", sagt Premier Renzi

Seismologen können die Stärke und den Zeitpunkt von Erdbeben auch mit den ausgefeiltesten Messmethoden nicht vorhersehen. Aber sie waren nicht überrascht von der Heftigkeit des Bebens am Sonntag. Die italienische Erdbeben-Risiko-Kommission, in der Seismologen, Zivilschutz und Verwaltung sitzen, hatte gewarnt, dass Beben in der Stärke zwischen 6 und 7 in der Region nicht ausgeschlossen seien. Der Erdstoß gehe auf das selbe aktive System von Rissen und Gräben im Untergrund zurück wie das Erdbeben vom 24. August, erklären Wissenschaftler vom Nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV). Das INGV registrierte bis zehn Uhr am Sonntagvormittag 50 Nachbeben mit einer Stärke von mehr als 3,0.

Für Tausende Betroffene müssen nun vorübergehende Unterkünfte gefunden werden. Sie sollen zunächst vor allem in Hotels an der Adria-Küste unterkommen. Der Präsident der Region Latium, Luca Ceriscioli, hat die Befürchtungen für seine Region in Zahlen gefasst: "Es könnte sein, dass wir von bisher rund 10 000 Menschen, die Hilfe benötigen, bei 100 000 ankommen."

Den Betroffenen hat nicht nur der Papst, sondern auch Italiens Regierungschef Matteo Renzi am Sonntag Trost und Mut zugesprochen. "Wir werden alles wiederaufbauen", versprach er. "Das sind wunderbare Gegenden. Wir können sie nicht nur mit den Augen von Bürokraten anschauen. Wir wollen, dass Norcia eine Zukunft hat, und dafür müssen wir die Häuser, die Kirchen, die Geschäfte wiederaufbauen. Und ich sage das nicht nur in Bezug auf Norcia."

© SZ.de/mkoh/tba
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