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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Wenn Ameisen daten

Beim Verkuppeln ist den Tieren kein Aufwand zu groß: Ihre Königin trägt eine Ameisenart auch mal huckepack zum nächsten Date. Ein Vorbild für Eltern?

Von Viktoria Spinrad

Die Inzidenzen zweistellig, die Impfrate endlich auf Kurs: Wer im vergangenen Jahr nur seinen alten Teddy zum Kuscheln hatte, kann jetzt langsam die postcoronäre Partnersuche einleiten. Klar, kein einfaches Unterfangen nach einem Jahr luftdichter Selbstkonservierung. Aber zum Glück gibt es ja Hilfe.

Die Palette der Partnervermittlung reicht von einschlägigen Anzeigen ("offen für Sinnliches + Unsinnliches") über elitäre Vermittlungsagenturen ("ohne Rechnungsfrust") bis hin zur digitalen Wisch-und-weg-Variante. Und auch der ein oder andere Verwandte hilft ja gerne mal nach ("Du, der Sohn von der Dings ist jetzt Jurist und auch noch Single").

Noch weiter gehen Ameisen beim Verkuppeln. Wie ein Forscherteam der Universität Regensburg und der Universität in Tours kürzlich herausgefunden hat, tragen die zwei bis drei Millimeter kleinen Arbeiterinnen der Cardiocondyla elegans ihre königliche Schwester zum Liebesnest huckepack. Bis zu 15 Meter rackert sich die Unterart der Knotenameisen ab, um die Jungkönigin zum Eingang der nächsten Kolonie zu befördern. Bisweilen führt die Reise auch in gleich mehrere Nester. Hauptsache, der Genpool bleibt bunt.

Das nennt man Engagement. Das Verhalten der Cardiocondyla elegans komme unter allen bizarren Varianten der sexuellen Selektion bei Tieren der Heiratsvermittlung beim Menschen am nächsten, schreiben die Forscher. Vielleicht sieht man ja demnächst schon Scharen von besorgten Eltern, die ihre Teenager durch die Straßen tragen - auf dass sie endlich ihren ersten Kuss erleben.

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© SZ/afis
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