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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Kommt ein Schaf zum Friseur ...

(Foto: AFP)

... und sagt: Mäh! Alle, die über ihre Corona-Matte jammern, sollten sich ein Beispiel an Baarack nehmen, dem wandelnden Wollhaufen aus Australien.

Von Violetta Simon

Die Menschen tragen aus bekannten Gründen ihr Haar gerade länger, die meisten mit Fassung. Was bleibt einem auch übrig, eine korrekte Frisur erregt Verdacht. Doch die Ungeduld wächst: Hier das Gejammer über die vermeintliche "Pandematte", nur weil ein paar Haare am Kragen aufstehen. Dort das Gerangel um den ersten Friseurtermin - so verzweifelt, als würde Kunden beim Haareschneiden gleich noch eine Impfdosis verabreicht.

Das ist nicht nur übertrieben zimperlich, es ist auch unangebracht. Erstens war langes Haar einst hochangesehen und ein Privileg der herrschenden Schicht, die nicht arbeiten musste und sich waschen konnte - aber gut, lange her. Zweitens sollte man bei all der Haarspalterei nicht vergessen: Es geht noch schlimmer.

Man nehme sich daher ein Beispiel an Baarack. Stoisch und würdevoll trug das Schaf seine Corona-Frisur auf vier dünnen Beinchen durch das australische Buschland - und wir sprechen hier nicht von ein paar Fusseln, sondern satten 30 Kilogramm Wolle. Die Wolle überwucherte Ohren und Augen, lediglich ein Fressfenster für die längliche nackte Schnauze blieb frei. Das Tier sah aus wie ein verfilzter Riesenpudding.

Schaf Baarack ohne Matte, dafür mit Mäntelchen. Nicht dass es zu frieren anfängt.

(Foto: Edgar's Mission/AFP)

Womit wir bei der guten Nachricht wären: Das Schaf Baarack wurde von Tierschützern aufgegriffen und geschoren. Drei Leute brauchte es, um das Wesen aus seiner Filzmatte herauszuschälen. Diesen Vorgang nahm es ebenso unbeeindruckt hin wie seine neue Erscheinung. Seine erste Handlung: Heu mümmeln. Ist doch schön, wenn man zur Abwechslung sieht, was auf den Tisch kommt.

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