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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Ja, jaa, pssst!

(Foto: dpa)

Leises Sexspielzeug verkauft sich während der Pandemie deutlich besser als lautes. Doch die Nachbarschaft ein bisschen zu beschallen, könnte wesentlich unauffälliger sein.

Von Martin Zips

Kürzlich haben Spaziergänger in der Nähe von Oberstdorf sehr laute Schreie im Wald vernommen, und natürlich haben sie sofort die Polizei gerufen. Die Polizei schickte einen ihrer Hubschrauber, es war ja Schlimmstes zu befürchten, und fand im Unterholz schließlich einige Menschen, die sich gemeinsam einer "Schreitherapie" unterzogen.

Schreien kann ja so ungeheuer befreiend sein. Zumindest für diejenigen, die schreien. Für alle anderen ist es oft gar nicht leicht abzuschätzen, ob da jemand - etwa im Haus nebenan - gerade abgestochen wird oder es recht lustig hat. Stören möchte man in keinem Fall, schließlich weiß man seit Thomas von Aquin von allerlei Eigenarten des Animal rationale, von denen man selbst lieber verschont bleibt. Zumindest während der Arbeitszeit im Home-Office.

Aus Großbritannien erreicht uns die Nachricht, dass sich leises Sexspielzeug dieser Tage deutlich besser verkaufe als lautes. Vermutlich, weil die Menschen Angst haben, dass ihnen jemand während der Quarantäne einen Hubschrauber vors Fenster schickt. Nur, weil ein Spaziergänger gerade irgendwas gehört hat.

Andererseits: Ist lautes Sexspielzeug während der Pandemie nicht deutlich unauffälliger als leises? Ist doch gut, wenn es genauso dröhnt und scheppert wie all die Bohrmaschinen, Rührgeräte oder Haarschneide-Werkzeuge in der Nachbarschaft um einen herum. Hör mal, vibriert da nicht eine Waschmaschine? Trainiert dort vielleicht jemand auf seinem Laufband? Und schleift da nicht einer sein Parkett? Ach Leute, wenn ihr nur wüsstet.

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